Reli-Ethik-Blog
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Christfluencer:innen – Ein Trend in den sozialen Medien

Menschen, die im Internet über die Themen „Glauben“ und „Jesus“ erzählen, sind längst kein Randphänomen mehr. Nutzt den Religions- oder Ethikunterricht, um das Phänomen der Christfluencer:innen mit euren Lernenden zu untersuchen!

Was sind Christfluencer:innen?

Die Zeiten, in denen ein Großteil der Menschen in Deutschland sonntags eine Kirche besucht hat, sind längst vorbei. Seit Jahren sinken die Mitgliederzahlen der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland. Gleichzeitig finden sich in den sozialen Medien immer mehr Personen, die ihren (individuellen) christlichen Glauben in die Welt tragen.

Die Definition, welche dieser Personen dem Begriff nach „Christfluencer:innen“ sind, ist nicht eindeutig.

In diesem Artikel werden Personen als „Christfluencer:in“ in den Blick genommen, die Beiträge zum christlichen Glauben in den sozialen Medien verbreiten, keine theologische Ausbildung haben und bei denen fundamentalistische Tendenzen in ihren Beiträgen zu erkennen sind. In vielen Fällen haben diese Personen einen freikirchlich evangelikalen Hintergrund.

Auch wenn die Reichweite der Christfluencer:innen in Deutschland (noch) nicht so groß ist wie bspw. in den USA, haben auch hier einige von ihnen große Reichweiten mit etwa 100 000 Follower:innen.

Das Erfolgsrezept der Christfluencer:innen

Doch was machen diese Christfluencer:innen anders als viele Theolog:innen im sonntäglichen – oft spärlich besuchten – Gottesdienst?

Viele Beiträge der Christfluencer:innen zeigen polarisierende Aussagen mit ganz eindeutigen Angaben zu „Richtig und Falsch“, „Gut und Böse“, die durch den Algorithmus entsprechend häufig im Feed der Nutzer:innen der Plattformen landen. Einige Christfluencer:innen vertreten zudem sehr konservative und politisch rechte Weltbilder. Teilweise wird eine Gleichwertigkeit heterosexueller und homosexueller Menschen insofern nicht anerkannt, als dass Homosexualität als eine Sünde bezeichnet wird. Die Begründung, was eine Sünde ist, ist in der (medialen) Welt vieler Christfluencer:innen einfach, denn als Begründung werden oft einzelne Bibelverse kontextlos angeführt und daraus allgemeingültige „Wahrheiten“ abgeleitet.

Eine theologische Reflexion oder Einordnung findet nicht statt, eine fachwissenschaftliche Debatte gibt es nicht. Die Beträge sind weder darauf ausgerichtet, dass sich die Zuschauenden ihre eigene Position zum Glauben bilden, noch stellen sie christliche Inhalte wissenschaftlich bzw. theologisch fundiert dar. Stattdessen findet sich häufig die explizite oder implizite Aussage: „Als guter Mensch (mit christlichem Glauben) musst du so oder so leben, damit du nicht in die Hölle kommst.“

Im Fokus der Beiträge steht häufig das eigene Leben der Christfluencer:innen, das individuelle Lesen der Bibel und der individuelle Glauben an Jesus und das mit ihm „in-Beziehung-treten“. Ein Stichwort in den sozialen Medien dazu ist der sogenannte „Jesus-Glow“.

Christfluencer:innen – Warum im Unterricht?

Die Sozialisation – auch die religiöse – findet nicht mehr nur zu Hause, in der Schule und im Freundeskreis statt, sondern auch digital. Christfluencer:innen sind hier eines von vielen Phänomenen, das auf die Lernenden einwirkt. Dass die Lernenden in den sozialen Medien mit Menschen konfrontiert werden, die einen gefestigten Glauben haben und diesen in die Welt tragen wollen, ist per se selbstverständlich nicht problematisch, sondern kann auch eine Chance für die Lernenden sein, ihren eigenen Glauben oder ihre eigene Position zum Glauben zu entwickeln. Problematisch kann es aber werden, wenn Jugendliche dabei vor allem auf Personen treffen, bei denen der eigene Glaube als einzig richtig präsentiert wird, die eigenen Ansichten absolut gesetzt werden.

Mit Christfluencer:innen konfrontiert werden die allermeisten eurer Lernenden. Ein einfaches Weltbild mit klarem „Schwarz und Weiß“, „Richtig und Falsch“ und eindeutigen Handlungsanweisungen ist im Jugendalter oftmals attraktiv. Eine polarisierende Aussage ist außerdem auch im christlichen Bereich viel einfacher in einem kurzen Video darzustellen, als eine Thematik reflektiert zu betrachten. Genau wie in vielen anderen Bereichen sind radikale, unreflektierte und polarisierende Aussagen dann auch noch oft diejenigen, die häufiger im Feed der Jugendlichen landen als andere, da der Algorithmus diese i. d. R. häufiger anzeigt.

Den Lernenden sollte daher im Unterricht die Kompetenz vermittelt werden, die Inhalte von Christfluencer:innen einzuordnen und sich ihr eigenes Urteil zu bilden. So können sie eine eigene Position fachlich fundiert vertreten und eine reflektierte Sicht auf die Welt – auch auf die Darstellung des Glaubens in sozialen Medien – entwickeln.

Ein beispielhafter Exkurs für eine Einzelstunde
(empfohlen ab Jahrgangsstufe 7)

Einstieg
Seht euch mit eurer Lerngruppe dieses Video („So radikal sind Christfluencer“) an. Fasst mit euren Lernenden zusammen, wie Christfluencer:innen im Video definiert werden und haltet die Definition für alle sichtbar fest, damit ihr sie im weiteren Verlauf der Stunde nutzen könnt.

Erarbeitung
Teilt eure Lerngruppe in Kleingruppen auf und lasst sie ein Quiz zum Thema „Christfluencer:innen und ihr Einfluss (auf Jugendliche)“ erstellen. Hierzu können die Lernende Inhalte des Videos nutzen und zusätzlich zum Thema recherchieren.

Führt die verschiedenen Quiz‘ im Plenum durch.

Sicherung
Haltet in einer MindMap wichtige Informationen zum Thema der Christfluencer:innen aus der Erarbeitung fest.

Reflexion
Lasst eure Lernenden in Kleingruppen oder im Plenum diskutieren, wie sie Christfluencer:innen und ihren Einfluss (auf Jugendliche) bewerten.

Transfer
Erarbeitet im Unterrichtsgespräch, worauf beim Ansehen von Inhalten von Christfluencer:innen geachtet werden sollte, um diese reflektiert betrachten zu können.

Eine beispielhafte Doppelstunde
(empfohlen für die Jahrgangsstufe 9 oder 10)

Downloadmaterial
Ladet euch hier kostenlos die Kopiervorlage für die Unterrichtseinheit herunter.

Einstieg
Sammelt mit euren Lernenden, welche Inhalte zum Christentum und zur Bibel ihnen in den sozialen Medien (in letzter Zeit) begegnet sind. Sammelt ggf. auch Namen von Influencer:innen, die christliche Inhalte posten.

Lasst eure Lernenden anhand der Kopiervorlage erarbeiten, was unter dem Begriff „Christfluencer:innen“ verstanden wird, welche bekannten Christfluencer:innen es gibt und welche Personen aus der Wissenschaft sich mit dem Thema befassen (KV A1).

Besprecht die Ergebnisse anschließend in eurer Lerngruppe. Achtet darauf, dass in eurer Lerngruppe nun unter dem Begriff „Christfluencer:in“ von allen Lernenden dasselbe verstanden wird.

Erarbeitung
Führt in eurer Lerngruppe eine Talkshow zum Thema „Christfluencer:innen – eine Bereicherung oder Gefahr für Jugendliche?“ durch (KV, A2a bis 2d). Je nach Lerngruppe könnt ihr die Charaktere verschieden gestalten oder auch das Thema der Talkshow variieren.

Beispielsweise haben einige Christfluencer:innen auch eine klare Meinung zur Rollenverteilung in einer Beziehung oder zum Thema „Abtreibung“. Falls ihr eines dieser Themen aktuell im Unterricht behandelt, könnt ihr auch hierzu eine Talkshow abhalten und die Kopiervorlage entsprechend variieren.

Sicherung
Reflektiert in der Lerngruppe die Talkshow und die verschiedenen Argumente und Argumentationsweisen der fiktiven Charaktere (KV A2e). Haltet die Ergebnisse schriftlich fest.

Transfer I
Die Lernenden nehmen in einem Social-Media-Post Stellung dazu, ob Christfluencer:innen ihrer Meinung nach eine Bereicherung oder Gefahr für Jugendliche darstellen (KV A3). Die Stellungnahmen können anschließend im Plenum vorgestellt und diskutiert werden.

Transfer II
Die Lernenden erarbeiten gemeinsam im Plenum, worauf sie beim Ansehen von Beiträgen mit christlichen Inhalten in den sozialen Medien achten sollten, um diese einzuordnen (z. B. fundamentalistische Auslegung der Bibel, Absolutsetzung des eigenen Glaubens, (implizite) Drohung mit der Hölle). Anschließend wird darüber diskutiert, ob bzw. inwiefern die Lernenden in Zukunft in ihrem Alltag auf diese Punkte achten möchten oder nicht, wenn sie christliche Inhalte in den sozialen Medien sehen.

Schult die Medienkompetenz eurer Lernenden mit dem aktuellen Thema der Chistfluencer:innen!

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Über die Autorin

Anne Kleiner

Ich arbeite als Redakteurin im Bereich Religion/Ethik im Ernst Klett Verlag. Davor habe ich die Fächer Evangelische Theologie und Physik auf Lehramt für Gymnasien und Gesamtschulen studiert, das Referendariat abgeschlossen und eine Zeit lang als Lehrerin gearbeitet.

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