Ihr kennt das sicher auch: Lernende denken oft, sie könnten dumm dastehen, wenn sie Fragen stellen. Sie sind meist bestrebt, „richtige“ Antworten zu geben. Und ihr müsst sie regelrecht nötigen, den Wert von guten und vermeintlich „dummen“ Fragen zu erkennen.
Dabei sind Fragen unverzichtbar – nicht nur, um Wissenslücken zu erkennen, sondern vor allem, um nicht bei vermeintlich gesicherten Erkenntnissen stehen zu bleiben. Die Jugendlichen müssen lernen, dass (religiöse) Bildung gerade darin besteht, die (religiöse) Welt nicht in richtig und falsch einzuteilen, sondern die Graubereiche zu schätzen, über Ambiguitätstoleranz zu verfügen, Vieldeutigkeit auszuhalten und widerstreitende Perspektiven einnehmen zu können.
Wie könnt ihr sie darin unterstützen?
- Indem ihr positiv auf Fragen eurer Lerngruppe reagiert, auch dadurch, dass ihr Fragen als Form einer konstruktiven Unterrichtsbeteiligung bei der Zensurengebung wertschätzt.
- Indem ihr selbst offene Fragen stellt und im Notfall auch den advocatus diaboli spielt.
- Indem ihr euch selbst und eure Lerngruppe von den Moment-mal!-Fragen in „Moment mal!“ anregen lasst.
Diese Frage-Kultur könnt ihr bewusst in euren Unterricht einführen, nämlich mit einem überschaubaren kleinen Büchlein. Die Kopiervorlage findet ihr hier. Wenn ihr die sechs Seiten über die jeweils schmale Seite doppelseitig kopiert, erhaltet ihr drei Blätter, die ineinandergelegt ein kleines Heftchen ergeben. Es gibt eine Vorderseite zum Beschriften, eine Rückseite, die leer bleibt, und innen die Seiten 1–10. Auf jeder der Seiten ist ein Thema vorgegeben, zu dem eure Lernenden eine Frage formulieren können. Die Reihenfolge ist egal.
Im Unterricht könnt ihr das Büchlein „Meine besten Fragen“ so verwenden: In den nächsten zehn Stunden animiert ihr eure Lerngruppe, in einem festen Zeitfenster (etwa 10 Minuten) am Anfang oder Ende der Stunde genau eine Frage zu formulieren. Das Heft soll dann gezielt mit einem Mitschüler oder eine Mitschülerin ausgetauscht werden, der oder die einen kurzen (!) Kommentar zu dieser Frage schreibt. Das soll nicht mehr als ein Satz sein. Wenn die zehn Stunden vorbei sind, könnt ihr mit eurer Lerngruppe die Erfahrungen austauschen, die sie damit gemacht haben.
Übrigens: Ihr solltet selbst mitmachen und euch auch selbst jeweils einen Tauschpartner oder eine Tauschpartnerin suchen!


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