Es ist aber auch genau die Zeit, in der wir im Religionsunterricht den Ewigkeitssonntag zum Anlass nehmen können, um das Leben nach dem Tod zu thematisieren. „Warum soll ich überhaupt über ein Leben nach dem Tod nachdenken?“ ist eine Frage, die in der Neuausgabe von Moment mal! 3, das im nächsten Jahr erscheinen wird, als Moment mal!-Frage auftauchen wird. Es ist eine gute Frage.
Was könnt ihr als Anlass nehmen, um über diese Frage nachzudenken?
Nicht immer ist es möglich, das Thema „Sterben und Tod“, das in den meisten Bundesländern im Doppeljahrgang 9/10 platziert ist, genau in den Oktober/November zu legen. Die folgenden Vorschläge sind aber auch als Exkurs durchführbar.
Ihr könnt zum Beispiel nach dem Ewigkeitssonntag eine Friedhofsbegehung durchführen – Auf katholischen Friedhöfen werden Gräber bereits zu Allerheiligen am 1. November geschmückt. Auf den meisten Gräbern brennen Grabkerzen. Auf evangelischen Friedhöfen ist es üblich, die Gräber zum Ewigkeitssonntag zu schmücken. Grabkerzen werden von den Angehörigen nur vereinzelt aufgestellt, aber die meisten Gräber sind frisch von Unkraut befreit, alte Pflanzen sind abgeräumt und oft liegen Gestecke auf den Gräbern. Ihr könnt die beiden Materialblätter mit Fragen zur Friedhofsbegehung und zu den verschiedenen Grabarten für diese Exkursion nutzen. Für die Exkursion zum Friedhof muss man eine Doppelstunde einplanen, auch wenn ein Friedhof nahe der Schule besucht werden kann.
Ihr könnt auch den Ewigkeitssonntag zum Anlass nehmen, um über Gottesdiensterfahrungen an diesem Tag zu sprechen. In vielen evangelischen Gemeinden werden am Ewigkeitssonntag die im letzten Jahr Verstorbenen verlesen und für jeden und jede Verstorbene wird eine Kerze angezündet. Dieses Ritual macht deutlich: Die Verstorbenen sind nicht „weg“, sondern wir denken an sie. Sie bleiben in diesem Gedenken Teil der christlichen Gemeinde.
Warum soll ich überhaupt über ein Leben nach dem Tod nachdenken?
Ob man über ein Leben nach dem Tod nachdenkt oder nicht, hat Folgen für das Leben vor dem Tod. Ein Friedhof als Zeuge menschlicher Bestattungskultur ist ein Zeichen dafür, wie Menschen sich „das Danach“ vorstellen. Der Tod eines Angehörigen und auch der nahende eigene Tod stellen einen vor die Aufgabe, sich mit der Endlichkeit des Lebens auseinanderzusetzen. Es ist wie bei einer Klassenarbeit: Worauf man sich vorbereitet hat, damit kann man besser umgehen!
Man kann diese Frage natürlich verdrängen. Dann sind die Toten einfach „weg“. Es gibt keinen Ort der Erinnerung. Die Gräber werden erst gar nicht angelegt (zum Beispiel bei einer Seebestattung) oder sie werden nicht aufgesucht und gepflegt. Es gibt allerdings auch Katastrophen wie die Schoa, die für die erste Generation der hinterbliebenen Angehörigen oft gar nicht anders zu bewältigen war als mit Verdrängung.[1]
Vorbild sein im Nachdenken
Jugendliche lernen in unserer Gesellschaft, die auf ein Maximum an Leben und Lebendigkeit ausgerichtet ist, nur selten[2], über das Leben nach dem Tod nachzudenken. Auch in vielen Familien ist dies ein Tabu-Thema. Der Religionsunterricht ist der einzige Ort, wo ihr als Religionslehrkräfte Vorbild darin sein könnt, euer eigenes Nachdenken im Klassenraum öffentlich zu machen und Gespräche zum Thema anzuregen.
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[1] So antwortete der Individualpsychologe Rudolf Dreikurs, der 1937 noch rechtzeitig in die USA emigrieren konnte, aber dessen Angehörige allesamt in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten umgekommen sind, nach dem Krieg auf die Frage seines Schülers Bernard Shulman „Wie hast du das verarbeitet?“ nur: „Überhaupt nicht, ich bin weggelaufen.“ (Zeitschrift für Individualpsychologie 46 (1/2021), S. 39.) Dreikurs ist Autor der pädagogischen Bestseller „Familienrat“, „Disziplin ohne Strafe“ oder „Kinder fordern uns heraus“.
[2] Zu der konkreten Frage, was nach dem Tod kommt, wird es unterschiedliche Antworten aus eurer Lerngruppe geben. Entscheidend ist, dass man sie stellt und über Verdrängung und Vorbereitung spricht.


An den Klett-Verlag und die Autorin,
Danke für den Beitrag. Das Material ist eine schöne Vorlage, die auch nach eigenem Empfinden noch abgeändert werden kann.
Aber eine Sache muss ich Kritisieren der Teil über anonyma Gräber in der Kopiervorlage ist sachlich falsch (anonyme Bestattungen können sehr wohl begleitet werden) und sehr wertend gegenüber den Menschen, die sich für eine anonyme Bestattung entscheide, auch wenn sie keine Geldnöte haben. Da würde ich mir eine Korrektur wünschen. Das ist auch für Schüler*innen unangenehm zu lesen, wenn sie zum Beispiel Großeltern haben, die sich für ein anonymes Urnengrab entschieden haben.
Beste Grüße
Liebe Anne,
vielen Dank für deinen Kommentar und die Anmerkungen zur Kopiervorlage. Wir werden sie an die Autorin weiterleiten und sie bitten, diese für ein mögliches Update zu berücksichtigen.
Viele Grüße
Barbara vom Reli-Ethik-blog
Liebe Anne,
vielen Dank für deinen Kommentar! Ich habe die Kopiervorlage präzisiert. Die „Begleitung“ der Hinterbliebenen bei einer anonymen Bestattung ist natürlich möglich – sowohl vom Bestatter als auch von einem Pastor oder einer Pastorin. Aber es ist eben nicht möglich, bei der Bestattung dabei zu sein, weil Anonymität ja heißt, dass die genaue Stelle der Bestattung nicht bekannt gemacht wird.
Es ist bestimmt sehr wichtig, Kindern und Jugendlichen nicht das Gefühl zu geben, dass ihre Großeltern falsch entschieden haben, wenn sie sich für eine anonyme Bestattung entschieden haben.
Aus christlicher (!) Sicht – und die muss ja im Religionsunterricht eine Rolle spielen – verträgt sich allerdings die Anonymität einer Bestattung nicht gut mit der Einzigartigkeit eines Menschen, über den es in Jes 43,1 heißt: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich befreit. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir.“
Viele Grüße
Bärbel Husmann (Autorin)