Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

Die Predigt zur Amtseinführung Donald Trumps im Religions- und Ethikunterricht

Die Predigt der Bischöfin Budde beim traditionellen Gottesdienst nach der Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten und die Reaktion Trumps darauf sorgen für Aufsehen. Entdeckt verschiedene Möglichkeiten, die aufsehenerregende Predigt für euren Religions- oder Ethikunterricht zu nutzen!

Die Amtseinführung Donald Trumps und seine zahlreichen Dekrete und Aussagen zur massenhaften Ausweisung von Migrant:innen, der Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen, die Begnadigung von Personen, die wegen des Sturms auf das Kapitol verurteilt worden waren und Vieles mehr sind sicherlich auch bei euch und euren Lernenden aktuell Gesprächsthema – auch im Religions- oder Ethikunterricht.

Nun hat eine Geistliche im Kontext der Amtseinführung Trumps für Schlagzeilen gesorgt: Mariann Edgar Budde. Bei einem interreligiösen Gottesdienst in der National Cathedral in Washington sprach die Bischöfin den anwesenden Trump in ihrer Predigt direkt an. Sie bat um Erbarmen für Menschen in den USA, die Angst hätten. Hierbei nannte sie verschiedene Personengruppen wie Migrant:innen und sexuelle Minderheiten. Hier findet ihr einen Ausschnitt der Predigt mit deutschen Untertiteln. Trumps Reaktion auf diese Predigt: Er bewertete den Gottesdienst als „nicht gut“ und die Aussagen Buddes als „unangemessen“. Er schrieb auf „Truth Social“, seiner Online-Plattform, Budde sei eine „Trump-Hasserin“ und verlangte eine Entschuldigung von der Bischöfin sowie ihrer Kirche. Von anderen Stellen wurden die Worte Buddes gelobt – auch in Deutschland. Beispielsweise bezeichnete der evangelische Theologe Heinrich Bedford-Strohm, ehemaliger Ratsvorsitzender der EKD, die Predigt der Bischöfin auf seinem Facebook-Account als „mutig“.

Umsetzung im Unterricht

Sowohl die Predigt als auch die Reaktionen bieten zahlreiche Chancen, die Lernenden im Unterricht zur Auseinandersetzung mit aktuellen Themen anzuleiten und Demokratie- und Medienbildung zu vermitteln. Im Folgenden findet ihr verschiedene Möglichkeiten, die Predigt Buddes mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten zu nutzen – je nach Lerngruppe und eurem derzeitigen Unterrichtsinhalt entweder integriert in eure Unterrichtsreihe oder als Exkurs.

1) Kirche und Gesellschaft

Die Predigt Buddes steht im Kontext der Äußerungen und politischen Entscheidungen Trumps. Nicht zuletzt spricht Budde den Präsidenten direkt an und appelliert an ihn. In Bezug zur Thematik von Kirche und Gesellschaft kann auf dieser Grundlage die Frage gestellt werden: „Inwiefern darf die Kirche (in der heutigen Zeit) politisch sein?“

Lasst eure Lernenden über diese Frage diskutieren. Nutzt hierzu gern die Kopiervorlage „Inwiefern darf die Kirche (in der heutigen Zeit) politisch sein?“. Die Diskussion bietet zusätzlich zur inhaltlichen Ebene die Möglichkeit, die Regeln zur Diskussionsführung zu wiederholen und umzusetzen. (Empfehlung ab Jahrgangsstufe 10)

Zusätzliche Möglichkeit zur Einbindung in den Religionsunterricht

Die Frage, inwiefern Kirche auf politische Entscheidungen und Aussagen reagieren kann, sollte oder muss, spielt z. B. im Kontext der Thematik „Kirche in der NS-Zeit“ im Religionsunterricht eine Rolle. Das aktuelle Beispiel aus den USA kann für die Lernenden eine Möglichkeit bieten, das historische Thema mit einer aktuellen politischen Situation mit medialer Aufmerksamkeit zu verknüpfen. Hinweis: An dieser Stelle ist es wichtig, dass ihr euren Lernenden vermittelt, dass es sich hier um einen Anknüpfungspunkt handelt, und nicht die derzeitige US-Regierung mit dem NS-Regime gleichgesetzt wird!

2) Migrationspolitik

Budde beschreibt in ihrer Predigt die große Mehrheit der Menschen mit Migrationshintergrund und ohne amerikanische Staatsbürgerschaft als arbeitende und Steuern zahlende Personen, die nicht kriminell seien. Hier kann eine Verbindung zu Trumps Plänen zur massenhaften Abschiebung von Migrant:innen und Aussagen Trumps zur Kriminalität von Migrant:innen in den USA gezogen werden. Es gibt zwischen ihren und Trumps Aussagen also Differenzen. Auch in Deutschland gibt es immer wieder Debatten über Migration und über Aussagen zu Migrant:innen – gerade jetzt nach den Anschlägen von Magdeburg sowie Aschaffenburg und kurz vor der nächsten Bundestagswahl. Das Thema ist also nicht nur in den USA aktuell, sondern auch in Deutschland. Lasst eure Lernenden über das Thema „Migration“ diskutieren, und zwar mit sachlichen Argumenten nach einem eigenen Faktencheck. Leitgedanken können z. B. sein: Kann von „den Migrant:innen“ als große Masse gesprochen werden? Inwiefern entsprechen Aussagen zu Migrant:innen der Wahrheit und inwiefern sind manche Aussagen populistisch? Zur Gestaltung der Stunde kann z. B. die Methode der Talkshow genutzt werden. So könnten Trump, Budde und wahlweise weitere bekannten Persönlichkeiten – verkörpert von freiwilligen Lernenden – in einer fiktiven Talkshow aufeinandertreffen. Nutze für eine solche Unterrichtsstunde gern die Kopiervorlage „Fakt oder Fake? – Aussagen zur Migrationspolitik“. (Empfehlung ab Jahrgangsstufe 9)

3) Umgang mit Minderheiten

In ihrer Predigt beschreibt Budde, dass manche nicht-heterosexuelle Menschen nun Angst um ihr Leben hätten. Die Aussage Buddes kann zum Anlass genommen werden, über Minderheiten und den Umgang der Gesellschaft mit Minderheiten zu diskutieren. Lasst eure Lernenden darüber ins Gespräch kommen, was es in den USA, Deutschland oder anderen Teilen der Welt bedeuten kann, einer Minderheit anzugehören und wie sie sich gegenüber Minderheiten positionieren und verhalten sollten. Leitgedanken dazu könnten sein: Findet ihr die Förderung von Diversität gut oder schlecht? Seid ihr der Meinung, dass das Thema „Gender“ oder „gendergerechte Sprache“ in öffentlichen Debatten in Deutschland eine Rolle spielen sollte oder nicht? Habt ihr Erfahrung mit Diskriminierung gemacht oder kennt ihr Personen, die diskriminiert wurden oder werden, weil sie einer gesellschaftlichen Minderheit angehören? (Empfehlung ab Jahrgangsstufe 7)

Zusätzliche Möglichkeit zur Einbindung in den Religionsunterricht

Im Religionsunterricht kann die Aussage Buddes besonders gut genutzt werden, um die Ausgrenzung bestimmter Personengruppen zur Zeit Jesu und den Umgang Jesu mit diesen in einen aktuellen Kontext zu stellen.

Möglichkeit zu fächerübergreifendem Unterricht

Die Predigt Buddes kann auch Anlass zur fächerübergreifenden Arbeit mit den Fächern Deutsch oder Englisch bieten. Die Lernenden können eine sprachliche Analyse der Predigt oder eines Predigtausschnitts Buddes im Vergleich zu einer Rede Trumps durchführen und hierbei besonders die verschiedene Argumentations- bzw. Redeweise der beiden, wenn sie über Minderheiten sprechen, erörtern und ggf. bewerten.

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Über die Autorin

Anne Kleiner

Ich arbeite als Redakteurin im Bereich Religion/Ethik im Ernst Klett Verlag. Davor habe ich die Fächer Evangelische Theologie und Physik auf Lehramt für Gymnasien und Gesamtschulen studiert, das Referendariat abgeschlossen und eine Zeit lang als Lehrerin gearbeitet.

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