Besondere Gotteshäuser und Orte des Glaubens auf der ganzen Welt
Oft denken wir bei „Gotteshäusern“ an große, von Menschen errichtete Bauten wie Moscheen, Kirchen oder Synagogen. Aber so vielfältig wie der Glaube ist, sind auch seine Stätten. Viele Religionen sind eng mit der Natur verbunden: Für sie sind heilige Landschaften, etwa ein einzelner Berg, genauso bedeutsam wie unsere Sakralbauten. Unsere Reise zeigt beide Welten.

Stabkirche Borgund (Norwegen)
Unsere Reise beginnt im kühlen Norden Europas. Auf den ersten Blick wirkt die Stabkirche von Borgund wie aus einer Fabelwelt: eine mystische, tiefschwarze Holzkirche. Ihre Außenwände wurden mit Kiefernteer überzogen, der als natürlicher Schutz vor der Witterung dient. Erbaut wurde sie vermutlich im Zeitraum zwischen 1150 und 1200. Bis heute befindet sie sich in einem bemerkenswert authentischen Zustand, obwohl das verbaute Holz über 800 Jahre alt ist.

Jerusalemsynagoge in Prag (Tschechien)
Weiter geht es nach Tschechien, mitten in die Hauptstadt Prag. Die auch als Jubiläumssynagoge bekannte Stätte ist der jüngste und zugleich größte Synagogenbau in Prag. Sie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts als Ersatz für drei ältere Synagogen errichtet, die im Zuge der Stadterneuerung abgerissen worden waren. Wer sie betritt, wird von einer farbenprächtigen Inneneinrichtung überrascht, die reich an malerischen Ausschmückungen im Wiener Jugendstil ist.

Moschee-Kathedrale von Córdoba (Spanien)
Nicht nur der Mensch kann sich wandeln, auch ein Gotteshaus. Die Moschee-Kathedrale von Córdoba in Andalusien zählt seit 1984 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ursprünglich stand an dieser Stelle eine westgotische Basilika. Während der islamischen Epoche begann im Jahr 784 der Bau einer der größten Moscheen der Welt. Es entstand ein prächtiger Betsaal mit eindrucksvollen rot-weißen Hufeisenbögen und rund 856 Säulen. Im Zuge der christlichen Rückeroberung (Reconquista) wurde die Moschee schließlich zu einer katholischen Kathedrale geweiht. Heute fasziniert das über 23000 Quadratmeter große Areal inklusive seines Glockenturms durch die Kombination islamischer und christlicher Architektur.

Nasir-ol-Molk-Moschee (Iran)
Nun geht es weiter in den Orient, wo uns ein wahres Farbspektakel erwartet. Die Nasir-ol-Molk-Moschee, auch bekannt als die „Rosafarbene Moschee“ in Schiras, wurde zwischen 1876 und 1888 erbaut und wird auch heute noch von vielen Gläubigen aktiv genutzt. Das Besondere an ihr ist die außergewöhnliche Fassade aus gefärbtem Fensterglas sowie die Verwendung rosafarbener Kacheln. Sobald am Morgen das Sonnenlicht auf die Glasmalerei trifft, wird das gesamte Innere des Gebäudes von einem Meer aus Farben geflutet. Dieser Anblick wird oft mit einem Kaleidoskop verglichen.

Moschee von Larabanga (Ghana)
Unsere Weltreise führt uns nun auf den afrikanischen Kontinent. In Ghana steht die älteste bestehende Moschee des Landes und ganz Westafrikas: die Larabanga-Moschee. Sie wurde in traditioneller Lehmbauweise im sudanisch-sahelischen Stil errichtet. Die Historiker sind sich nicht ganz einig, wer sie wann baute, aber man geht davon aus, dass sie aus dem Jahr 1421 stammt. Der Legende nach wurde sie von einem islamischen Händler namens Ayuba errichtet, der sich auf der Durchreise befand. Mit ihren weißen Mauern und den herausstehenden Holzstämmen ist sie ein Zeugnis der westafrikanischen Baukunst.

Borobudur (Indonesien)
Weiter geht es Richtung Südostasien, auf die indonesische Insel Java. Hier befindet sich Borobudur, die größte buddhistische Tempelanlage der Welt. Über die Jahrhunderte geriet dieses Bauwerk unter Vulkanasche und Pflanzenbewuchs in Vergessenheit, bis es 1814 wiederentdeckt und durch ein internationalen Restaurierungsprogramm saniert wurde. Die gigantische Stupa ist neun Stockwerke hoch, 123 Meter lang und hat die Form einer riesigen Stufenpyramide. Bis heute zieht sie unzählige Pilgerinnen und Pilger an, die die Terrassen Stufe für Stufe als Symbol des Erleuchtungsweges erklimmen.

Tuyin-Taung-Pagode (Myanmar)
Nun geht es hoch hinaus. Die Tuyin-Taung-Pagode in Zentralmyanmar ist ein buddhistischer Tempel, der auf einem 737 Meter hohen Vulkankegel thront. Sie ist ein heiliger Wallfahrtsort für die 37 „Nat-Geister“, die animistischen Schutzheiligen Myanmars. Zur Pagode gelangt man über zahlreiche Stufen unter Begleitung der dort lebenden Affen.

Kunanyi (Australien)
Wir lassen die von Menschenhand geschaffenen Mauern hinter uns und fliegen weiter nach Tasmanien, Australien. Hier lernen wir, dass ein Gotteshaus kein Dach braucht. Für die Palawa, die Urvölker Tasmaniens, gibt es keine institutionalisierte Religion, sondern ein ganzheitliches Glaubenssystem, das „Traumzeit“ (Dreaming) genannt wird. Der Berg Kunanyi ist für sie ein heiliger Kulturlandschaftsraum. Er gilt als Verbindung zwischen Erde und Himmel, zwischen den heute lebenden Palawa und der Ruhestätte ihrer Vorfahren. Der Berg bildet das Zentrum des Lebens und der Schöpfungsgeschichten und verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart.

Puʻukoholā Heiau (Hawaii, USA)
Wir fliegen weit hinaus über den Pazifik nach Big Island, der größten Insel der Hawaii-Inselkette. Hier finden wir den Puʻukoholā Heiau, übersetzt bedeutet das „Tempel auf dem Hügel des Wals“. Es ist einer der größten und der letzte errichtete Heiau. Erbaut wurde er zwischen 1790 und 1791. Das Besondere: Der Steintempel wurde komplett von Hand und ohne Mörtel errichtet. Die traditionelle hawaiianische Religion ist polytheistisch; die Menschen glauben, dass die gesamte Natur beseelt und von zahlreichen Gottheiten durchdrungen ist.

Santuario de Las Lajas (Kolumbien)
Nun geht es zum letzten Standort nach Südamerika, hier verschmelzen Natur und Architektur. Die römisch-katholische Kult- und Pilgerstätte Santuario de Las Lajas in Kolumbien wurde mitten in eine Schlucht hineingebaut. Das heutige, im neugotischen Stil errichtete Gebäude entstand zwischen 1916 und 1949. Wer vor ihr steht, blickt auf eine Kirche, die wie eine Brücke über dem Abgrund schwebt. Ein einzigartiger Ort, der Mensch, Glaube und Natur verbindet.
Unsere virtuelle Weltreise hat gezeigt: Orte des Glaubens nehmen weltweit ganz unterschiedliche Formen an. Gemeinsam ist ihnen ihre besondere religiöse Bedeutung für die Menschen vor Ort.
Die zehn Beispiele bieten spannende Anknüpfungspunkte für den Religions- und Ethikunterricht. Sie zeigen, wie vielfältig Menschen ihren Glauben leben und können zugleich als Unterrichteinstieg in verschiedene Religionen dienen.








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