Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

Die Synagoge

Im Judentum ist die Synagoge das G!tteshaus. Doch wird dort nicht nur gebetet. Für jüdische Gläubige ist sie ein Lebensraum, in dem gelernt, gelesen und gefeiert wird und in dem Kinder spielen dürfen – wie in einem Zuhause!

Die Synagoge meiner Kindheit

Meine Großmutter sprach davon, in den „Tempel“ zu gehen, mein Vater benutzte den Begriff „bejt knesset“ und ich wuchs mit dem Begriff „Schul“ oder Synagoge auf. Doch unabhängig von der Bezeichnung: In meiner Kindheit war die Synagoge mein zweites Zuhause. Wir Kinder spielten außerhalb und innerhalb des Gebäudes, rannten herum und waren selten leise. Klar wurden wir auch ermahnt, wenn es zu wild wurde, aber grundsätzlich wurden wir akzeptiert und mussten nicht stillsitzen. Nur wenn es eine Predigt gab, wurden wir aus der Synagoge verbannt. Sicher, ab einem gewissen Alter wurde von uns erwartet, zu partizipieren, aber dann gehörten wir schon zu den „Großen“ und bekamen so unsere Anerkennung.

Die Synagoge wechselte, je nach Jahreszeit, die Farbe. Der Toraschrank war bedeckt durch einen blauen oder roten Vorhang, der vor dem Neujahrsfest (Rosh Hashana) und bis nach Simchat Tora (dem Tora-Freudenfest) festlich in weiß gekleidet wurde. An Shawuot (dem Wochenfest) beispielsweise war die Synagoge mit Blumen und Pflanzen geschmückt und roch wie ein schöner Garten.

Mehr als nur ein G!tteshaus

Bis heute ist es für mich keine Frage, dass auch besondere Lebensereignisse, sei es die Namensgebung bei Mädchen, die Beschneidung bei Jungen, die Bar oder Bat Mizwa oder natürlich auch die Chuppa (Hochzeit) vor allem dann eine besondere feierliche Bedeutung haben, wenn sie in der Synagoge stattfinden.

Mehr als nur ein G!tteshaus, in dem gebetet wird, ist die Synagoge ein Ort der Begegnung, der Versammlung und des Lernens.

Bejt knesset oder Synagoge ist aus dem griechischen oder hebräischen kommend das Haus der Versammlung. Hier werden traditionell auch die jüdischen Schriften studiert, erklärt und diskutiert. Der Begriff Bejt midrash (Haus des Lernens) ist daher ein synonymer Begriff.

Das Haus des Lernens

„Schul“, das ist der Name, den die Synagoge in den deutschen Ländern des Mittelalters erhielt, und der bis heute in religiösen Kreisen nichts an Bedeutung verloren hat. Auch sein hoher Stellenwert spielt eine wesentliche Rolle: Jüdische Kinder lernten schon immer lesen, das „Volk des Buches“ war darauf angewiesen, dass seine Kinder in der Lage waren, die Schriften zu lesen, ihren Inhalt zu verstehen und sich mit den Gesetzen auseinanderzusetzen. Dort, in der „Schul“, dem Haus der Versammlung, wurde schon immer gelernt und gebetet, auch wenn viele Synagogen heute vor allem zum Gebet und sozialen Ereignissen genutzt werden.

Der Erste Tempel – Vorbild der Synagoge

Bis zur Zerstörung des Ersten Tempels 586 v. d. Z. war dieser das Heiligtum des jüdischen Volkes. Dort wurde geopfert, dort versammelte sich per Gesetz das Volk dreimal im Jahr und wurde von den Kohanim (Priestern) in der Schrift unterwiesen.

Dort im Tempel war die „Schchina“, die Wohnstätte G!ttes, der Inbegriff der Anwesenheit G!ttes im jüdischen Volk. Im Tempel wurde geopfert und Gebete waren mehr persönlicher Natur. Die Synagoge als G!tteshaus gilt als eine Miniaturversion des Bet Midrash, des Tempels in Jerusalem. Als solche darf sie Respekt erwarten und will uns veranlassen, durch unser Verhalten und unsere Ernsthaftigkeit diesen Ort zu heiligen.

In der Synagoge

In der Synagoge werden die Torarollen (meist sind es mehrere) im „Aron HaKodesh“, dem Tora-Schrank aufbewahrt. Der Aron HaKodesh steht immer an der Ostseite der Synagoge. Die Betenden richten ihre Gebete in Richtung Osten, denn in dieser Richtung befindet sich Jerusalem und dort stand einst der Tempel. Die Rückkehr nach Jerusalem ist eine Sehnsucht, die Juden über alle Jahrtausende begleitet hat. Auch die Synagoge, das kleine Heiligtum, soll einst überflüssig sein, nämlich wenn der Tempel neu errichtet wird.

Über dem Aron HaKodesh hängt das „Ner Tamid“, das „Ewige Licht“. Es erinnert an die Feuersäule, die das Volk Israel durch die Wüste anführte. Auch symbolisiert das Ner Tamid die Verbundenheit zwischen G!tt und dem jüdischen Volk.

Steht man vor dem Aron Hakodesh, unter der Ner Tamid, fällt das mit einer Samtdecke bedeckte Pult auf, das auf einer Erhöhung steht. Auf dieses Pult, die Bima, wird die Tora gelegt, nachdem sie aus dem Aron HaKodesh genommen wurde. Dort werden die wöchentlichen Abschnitte aus der Tora verlesen. Je nach Ort oder religiöser Ausrichtung steht die Bima vor dem Aron HaKodesh, in der Mitte oder auch auf der entgegengesetzten Seite der Synagoge. Stühle, kleine Pulte, die in der Synagoge aufgebaut sind, ermöglichen den Betern zu sitzen oder auch ihre Gebetsbücher oder Gebetsschals in der Synagoge zu belassen. Das Gebetbuch (Sidur) umfasst die täglichen Gebete, die Gebete für den Shabbat und einige Gebet für die Feiertage sowie die wichtigsten Gebete und Segenssprüche, die für ein jüdisches Leben relevant sind. So begleitet der Sidur seinen Besitzer lebenslang und in allen Lebenslagen.

Der Gebetsschal (Talit) wird vor allem in der Synagoge getragen, der kleine Talit (Talit katan), den manche Juden unter ihrer Alltagskleidung tragen hat die gleiche Bedeutung. Beim Morgengebet legen praktizierende Jüdinnen und Juden Gebetsriemen (Tefillin) an. Das sind Lederbänder, die in vorgegebener Form um Arm und Kopf gewickelt werden. In ihrem Zentrum befindet sich eine kleine lederne Box, in dem sich ein Pergament mit dem „Shma Israel“ (Höre Israel) befindet. Die Tefillin und der Talit lagern, wenn sie nicht benutzt werden, in einer speziellen Tasche, die häufig aus blauem Samt gefertigt ist und an den Aron HaKodesh erinnert.

Lässt man seinen Blick durch die Synagoge schweifen, stellt man häufig fest, dass der große Gebetsraum auch eine Galerie beherbergt. Der Zugang zu dieser Galerie ist manchmal durch die Synagoge zu erreichen, manchmal befinden sich die Treppen zur Galerie auch außerhalb der Synagoge. Oben befindet sich die Frauenempore. Dort sitzen und verfolgen die Frauen den G!ttesdienst getrennt von den Männern. Die Synagogen und ihre Sitzordnungen sind übrigens je nach Denomination unterschiedlich, je traditioneller und religiöser die Gemeinde ist, desto mehr wird auf eine getrennte Sitzordnung geachtet.

Das Thema Synagoge lässt sich im Unterricht handlungsorientiert aufgreifen. Ihr könnt zum Beispiel mit euren Lernenden eine Synagoge basteln. Einen passenden Bastelbogen findet ihr hier:

Bastelanleitung Synagoge

Zum Weiterlesen

Weitere Impulse und Unterrichtsmaterialien zum Thema „Judentum“ findet ihr auch in unseren Blogartikeln Chanukka – das jüdische Lichterfest und Jüdisches Leben in Schulbüchern.

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Über die Autorin

Tamara Guggenheim

Ich bin Koordinatorin für Jüdische Religionslehre in der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf

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