Zu diesem Lichterfest werden seit mehr als 2000 Jahren acht Tage lang mit Einbruch der Dunkelheit Kerzen angezündet und zwar jeden Tag eine zusätzlich. Diese stehen auf einem besonderen neunarmigen Leuchter, der Chanukkia, die in den Fenstern oder – in den letzten Jahren vermehrt – auch auf öffentlichen Plätzen in die Dunkelheit leuchtet. Was aber verbirgt sich hinter diesem Fest, das auch Einweihungsfest genannt wird, und nach dem jüdischen Kalender am 25. Tage des Monats Kislew beginnt und damit jährlich wandernd in die Zeit zwischen Ende November und Dezember fällt?
Historische und religiöse Quellen
Das Chanukkafest ist tief in der Geschichte des jüdischen Volkes verwurzelt. Seinen historischen Hintergrund bildet der Aufstand der Juden gegen die hellenistischen Seleukiden mit der Wiedereroberung Jerusalems und der erneuten Einweihung des Tempels im Jahre 164 v.d.Z. Die Geschehnisse sind in den beiden ersten Büchern der Makkabäer niedergelegt, die ungefähr im Jahre 100 v.d.Z. niedergeschrieben wurden und die zwar Teil der griechischen Septuaginta, nicht jedoch des Tanach, i.e. der hebräischen Bibel, sind. Eine weitere wichtige Darstellung des jüdischen Aufstandes gegen die Hellenisten und der Ereignisse um das Chanukkafest findet sich in den Büchern 12 bis 14 der Antiquitates Judaicae (Jüdische Altertümer) des jüdisch-römischen Historikers Josephus Flavius (37–100 n.d.Z.). Gestützt werden diese Darstellungen durch archäologische Funde etwa von Münzen aus der Zeit des Aufstands. Die Tradition des Chanukkafestes ist bereits in der Mischna und im Talmud beschrieben.

Darstellung der Plünderung Jerusalems auf dem antiken Titus-Bogen in Rom: Jüdische Soldaten tragen die Menora des Tempels als Beute davon.
Die Herrschaft des Antiochus Ephiphanes
Nachdem das Land Israel in der Zeit nach der Eroberung durch Alexander den Großen unter die hellenistische Herrschaft zunächst der Ptolemäer und dann später ab dem Jahr 198 v.d.Z. der Seleukiden geraten war, bildeten sich zunehmend Spannungen zwischen den Hellenisten einerseits und den traditionellen Juden andererseits. Denn während die Ersteren nach einer Synthese des Judentums mit der hellenistischen Kultur mit ihrer Sprache, Weltsicht und Religion und damit nach einer Assimilierung strebten, pochten die religiösen Juden auf den Gehorsam gegenüber der Tora mit ihrem Monotheismus, ihrer Bildlosigkeit sowie der Betonung ethischer Werte und betonten die Notwendigkeit einer strikten Trennung von der heidnischen Umwelt. Als sich schließlich ein hellenisierter Jude namens Menelaos das Amt des Hohen Priesters erkaufte, den amtierenden Hohen Priester Jason vertrieb, den Tempelschatz dem Zugriff des seleukidischen Herrschers Antiochus Epiphanes öffnete und begann, die Stadt Jerusalem nach dem Vorbild einer griechischen Polis mit dem Namen Antiochia zu reorganisieren, kam es zu einem ersten Aufstand, den Antiochus Epiphanes jedoch blutig niederschlagen konnte. In der Folge dieses Aufstandes versuchten die Seleukiden die jüdisch-traditionelle Gruppierung mit allen Mitteln zu schwächen und die Hellenisierung des Landes zu erzwingen. Der Jerusalemer Tempel wurde in eine Kultstätte des Zeus umgewandelt, der jüdische Hohe Priester wurden vertrieben, die heiligen Gegenstände wie der siebenarmige Leuchter, die Menora, wurden entfernt. Die Heiligung des Schabbat, die Beschneidung, das Fasten und die Begehung der jüdischen Feste wurde bei Todesstrafe ebenso verboten wie der Besitz einer Torarolle und das Studium derselben. Auch wurden Juden gezwungen, nicht-koschere Speisen zu verzehren. Zudem wurden die Juden angehalten, als Zeichen der Loyalität den Herrschern durch Opfer auch von Schweinefleisch auf heidnischen Altären zu huldigen.
Der Aufstand der Makkabäer
Diese bis dahin einmalige Bedrohung ihres Glaubens führte innerhalb kurzer Zeit zu einer breiten Opposition nicht nur der traditionell-jüdischen Eliten, sondern auch der Landbevölkerung. Als dann der aus dem Geschlecht der Hasmonäer stammende Priester Mattitiahu in seiner Heimatstadt Modi’in zu dem Loyalitätsopfer gegenüber Antiochus gezwungen werden sollte, kam es im Jahr 167 v.d.Z. zum bewaffneten Widerstand. Mattitiahu erstach den Mann, der das Opfer vollziehen sollte und organisierte gemeinsam mit seinen fünf Söhnen Jonathan, Schimon, Jehuda, Eleasar und Jochanan den Aufstand gegen Antiochus, seine Truppen und die hellenistischen Gruppierungen. Unterstützt wurden sie vor allem von frommen Juden, die ihren Glauben in Gefahr sahen. Als Mattitiahu ein Jahr später starb, übernahm sein Sohn Jehuda die Führung. Dieser kämpfte erfolgreich in Guerilla-Taktik und erhielt den Beinamen „Makkabi“. Dieser Beiname bedeutet auf Aramäisch „der Hammer“ und wurde für den Aufstand namensgebend. Bereits im Jahr 164 v.d.Z. gelang es den Makkabäern Jerusalem einzunehmen und den seit drei Jahren entweihten Tempel von den Götzen zu befreien und zu reinigen.
Das Wunder von Chanukka
Nach der Reinigung wollten die Makkabäer den Tempel so schnell wie möglich wieder einweihen, so wie dies einst die Israeliten in der Wüste nach der Errichtung des Stiftszelts und König Salomon nach Beendigung des Baus des Ersten Tempels getan hatten. Hierzu mussten sie nach der Darstellung von Josephus Flavius und nach der Überlieferung im Talmud zunächst den goldenen Siebenarmigen Leuchter erneut herstellen. Sein Licht symbolisiert die Gegenwart G’ttes (Schechina) und spielt deshalb beim Tempeldienst eine zentrale Rolle. Es durfte nur mit reinem Olivenöl entzündet werden (2. Mose 27,20 und 3. Mose 24,2), welches unter der Aufsicht des Hohen Priesters hergestellt worden war. Da die entsprechenden Ölkrüge jedoch von den Hellenisten entweiht worden waren, fanden die Makkabäer nach langem Suchen nur noch einen einzigen kleinen Ölkrug, der das notwendige Siegel des Hohen Priesters trug. In diesem Krug befand sich die Menge an reinem Öl, die den Siebenarmigen Leuchter gewöhnlich für einen Tag zum Leuchten bringt. Doch als die Makkabäer die Menora mit diesem Öl am 25. des Monats Kislew entzündeten, geschah ein Wunder: Das wenige Öl aus dem kleinen Krug brannte acht Tage lang und damit solange, wie man brauchte, um neues reines Öl für den Leuchter herzustellen (Talmud Babli, Schabbat 21b). Das Ewige Licht im Tempel blieb erhalten. Überwältigt von dem Ölwunder, befahl Jehuda haMakkabi, dass das Volk Israel jedes Jahr am 25. Kislew für acht Tage das Fest der Einweihung des Tempels (hebr. Chanukka) feiern soll. Die achttägige Dauer erklärt sich aus der Dauer des Ölwunders. Eine andere Erklärung legt nahe, dass die Makkabäer mit der Einweihung des Tempels das Sukkotfest, eines der drei Wallfahrtsfeste, nachgefeiert hatten, das ebenfalls acht Tage dauert.
Das Chanukkafest
Chanukka ist ein fröhliches Fest, das üblicherweise mit der Familie und Freunden gefeiert wird. Es gehört wie Purim zu den Festen, die uns nicht von der Tora gegeben sind, sondern von unseren Weisen. Aus diesem Grund ist das Arbeiten während dieser Tage erlaubt, auch wenn die Kinder in Israel Schulferien haben.
Um an das Wunder von Chanukka zu erinnern, zünden wir acht Tage lang Kerzen an: Am ersten Tag eine, am zweiten Tag zwei, am dritten Tag drei und immer so weiter, bis am Ende acht Kerzen angezündet werden. Dafür haben wir einen besonderen Leuchter, die Chanukkia. Diese hat anders als die Menora nicht sieben Arme, sondern neun: acht für die Chanukkakerzen und einen zusätzlichen für eine weitere Kerze, den sog. Schamasch oder Diener. Mit dem Schamasch werden die einzelnen Chanukkakerzen angezündet, da diese nach dem Talmud nur zur Erinnerung an das Ölwunder (und damit nicht auch zum Entzünden anderer Kerzen) genutzt werden dürfen. Während die Chanukkakerzen auf der Chanukkia alle in einer Reihe und auf gleicher Höhe angeordnet sind, steht der Schamasch gesondert und erhöht. Die Chanukkakerzen werden in der jeweils dem Tag entsprechenden Menge von rechts nach links in die Menora gesteckt und dann von links nach rechts angezündet. Außer an Schabbat werden die Kerzen nach dem Sonnenuntergang angezündet und müssen jede Nacht bis mindestens eine halbe Stunde nach Sichtbarwerden der Sterne brennen. Die Chanukkia soll am Fenster stehen, damit die Leute draußen das Licht sehen und an das Wunder von Chanukka erinnert werden. Vor dem Anzünden der Kerzen werden besondere Segenssprüche gesprochen.
Nach dem Anzünden der Kerzen werden Chanukkalieder gesunden und im Anschluss gemeinsam mit der Familie und Freunden Latkes (Kartoffelpuffer) oder Sufganiot (Berliner) verzehrt. Dieser Brauch soll an das Ölwunder erinnern, da beide Speisen in Öl gebacken werden.
Wie bei allen fröhlichen Festen des Judentums spielen auch an Chanukka die Kinder eine wichtige Rolle: Regelmäßig sind sie es, die die Kerzen anzünden. Auch erhalten sie das sogenannte „Chanukka-Geld“ oder sonst kleine Geschenke. Schließlich spielen sie ein besonderes Chanukka-Spiel mit einem würfelförmigen Kreisel, einem sog. „Dreidel“.
Wenn ihr diese Tradition mit euren Lernenden ausprobieren wollt, findet ihr auf den Seiten des Jüdischen Museums Berlin eine Spiel- und Bastelanleitung.

Dreidel: würfelförmige Kreisel, die beim Chanukka-Spiel genutzt werden.
Ideen für den Unterricht
Es gibt einige Ähnlichkeiten zwischen dem jüdischen Chanukka und dem christlichen Weihnachten, die ihr vielleicht zum Anknüpfungspunkt des Unterrichts machen könnt:
Beide Feiertage haben den Charakter eines fröhlichen Familienfestes, bei dem Kinder Geschenke bekommen und Lieder gesunden werden, teilweise sogar mit gleichen Melodien. Auch beginnen beide Feste am gleichen Tag ihres Monats: Chanukka am 25. Kislew und Weihnachten am 25. Dezember. Damit fallen sie jeweils in die Zeit der kürzesten Tage vor oder um die Wintersonnwende und manchmal überlappen sie sich sogar. Dass das Weihnachtsfest bereits am Abend des 24. Dezember gefeiert wird, entspricht der jüdischen Vorstellung, dass alle Tage – und damit auch Chanukka – bereits mit dem Einbruch der Dunkelheit anfangen. Schließlich erinnert auch das Anzünden jeweils einer zusätzlichen Kerze an den Adventssonntagen an die wachsende Anzahl der Kerzen auf der Chanukkia.
Bei aller Ähnlichkeit der Feiertage besteht jedoch wohl kein innerer Zusammenhang zwischen den beiden Festen. Insbesondere ist Chanukka mit seinem Gebot des Kerzenzündens nicht auf heidnische Sonnwendfeiern zurückzuführen. Allerdings haben die Ähnlichkeiten der Feste im Deutschland des 19. und 20. Jahrhunderts sowie in den heutigen USA zu einer Verschmelzung der beiden Feste geführt: Zu einem Familienfest mit dem Namen: „Weihnukka“.
Tipp: In unserem heutigen Adventskalendertürchen geht es ebenfalls um das Chanukkafest.
Zu Chanukka sagt man „Chag Chanukka sameach“ („Ein frohes Chanukkafest“), das wünsche ich hiermit auch euch allen!








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