Warum soll man sich eigentlich dauerhaft ehrenamtlich engagieren? Diese Frage stellen sich junge Menschen immer häufiger.
Die Corona-Krise hat einen Prozess beschleunigt, der schon vorher begonnen hatte: Immer weniger Menschen möchten sich dauerhaft ehrenamtlich engagieren. Während der Pandemie haben Austritte aus Vereinen überproportional zugenommen. Welche Folgen hat dieser Prozess? Ist wirklich mangelnde Bereitschaft zu freiwilligem Engagement die Ursache?
Neue Formen des Engagements gefährden die Zivilgesellschaft
Die klassische Vereinstätigkeit scheint ausgedient zu haben. Immer weniger Menschen sind aktive Vereinsmitglieder. Gleichzeitig ist dennoch laut Studien die Zahl der Menschen, die sich freiwillig engagieren, gestiegen. Wie passt das zusammen?
Menschen möchten sich nicht mehr dauerhaft an Vereine mit häufig hierarchischem Aufbau binden. Vielmehr möchten sie sich in vielfältigen Projekten engagieren. Es geht nicht mehr um den Verein an sich, sondern die konkrete Tätigkeit steht im Mittelpunkt. Zum Beispiel treffen sich an einem Wochenende die Eltern eines Stadtteils, um den alten Spielplatz an der Ecke wieder aufzuhübschen, Jugendliche nehmen an einer Aktion zum Thema Klimaschutz teil oder eine Gruppe von Engagierten setzt sich temporär für ein politisches Projekt ein.
Auf den ersten Blick scheint damit lediglich ein Strukturwandel vorzuliegen. Doch schaut man genauer hin, zeigt sich, dass diese Form des zeitweisen Engagements die Zivilgesellschaft dauerhaft gefährden kann. Viele ehrenamtliche Aufgaben lassen sich nicht in Form von kurzfristigen Projekten umsetzen. Sie brauchen langfristige Planung und gesicherte finanzielle Mittel zur Umsetzung. Fallen beispielsweise in einem Verein die Mitgliedsbeiträge weg, so können bestimmte Aufgaben nicht mehr finanziert werden. Andere Aufgaben, wie zum Beispiel der Einsatz in der freiwilligen Feuerwehr, benötigen eine zeit- und kostenintensive Ausbildung, die nur im Fall einer langfristigen Bindung ermöglicht werden kann.
Zwischen den hier dargestellten Polen sind viele Mischformen möglich. Es geht nicht um eine Wertung, sondern um die Darstellung der Notwendigkeit beider Formen.
Engagement und Ehrenamt im Unterricht
Wie kann man dieses Thema im Unterricht behandeln? Als niederschwelliger Einstieg bietet sich ein Gespräch darüber an, wo sich die Lernenden selbst engagieren. Die genannten Beispiele können dann gemeinsam den Kategorien „kurzfristig“ oder „langfristig“ zugeordnet werden. Im Anschluss könnt ihr gemeinsam mit der Lerngruppe den Podcast „Warum man sich dauerhaft engagieren sollte“ anhören. Dieser ist extra für den Einsatz im Schulunterricht erstellt worden und unten als Download kostenlos verfügbar. Besteht die Möglichkeit, dass sich die Lernenden den Podcast allein anhören, können sie dies in ihrem eigenen Tempo mit selbst gewählten Pausen tun. Andernfalls solltet ihr die Wiedergabe zwischendurch immer wieder stoppen und das bisher Gesagte zusammenfassen lassen. Zum Abschluss könnt ihr dann gemeinsam diskutieren, wie Engagement in der heutigen Zeit aussehen sollte. In Kleingruppen können die Lernenden schließlich Plakate entwerfen, auf denen sie Werbung für langfristiges Engagement machen. In einem Museumsgang können die Ergebnisse gewürdigt werden.
Ich wünsche euch und eurer Lerngruppe viel Freude bei der Auseinandersetzung mit der Frage nach dem richtigen Maß an Engagement.








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