Das Wort Fastnacht lässt die Herkunft des Karnevals in Deutschland erahnen. Die Nacht vor dem großen Fasten als Vorbereitung auf das christliche Osterfest. Gefeiert wird in jeder Region Deutschlands, die religiösen Bezüge sind dabei größtenteils verloren gegangen.
Der Donnerstag vor Rosenmontag wird heute als Weiberfastnacht bezeichnet. Doch in Westfalen und insbesondere im Sauerland wird dieser Tag als Lütke oder Lütteke Fastnacht bezeichnet. Das bedeutet „kleine Fastnacht“. An diesem Tag stehen traditionell die Kinder im Mittelpunkt der Feierlichkeiten.
Der Brauch der Lütke Fastnacht
Früher zogen die Kinder an diesem Tag durch den Ort und sammelten Lebensmittel, zum Beispiel Würstchen, Kartoffeln, Backwaren und Zucker. Dabei wurde ein sogenanntes Heischelied gesungen, also ein Lied, mit dem Kinder um Sachspenden bitten. Mit den gesammelten Lebensmitteln veranstalteten die Kinder ein Fest. Bei diesem Fest ahmten sie Verhaltensweisen der Erwachsenen nach, indem sie beispielsweise wie Erwachsene tanzten.
Entwicklung von Brauchtum
Dass sich Brauchtümer entwickeln und an die jeweilige Zeit angepasst werden, zeigt sich auch am Beispiel der Lütke Fastnacht. Ab Beginn des 20. Jahrhunderts veränderte sich der Brauch zunehmend. Die Kinder sammelten keine Lebensmittel mehr und die Feiern wurden neu gestaltet. Heute werden die Feiern in der Regel von Schulen und Kindergärten am Vormittag des Donnerstags veranstaltet. Im Anschluss gehen die Kinder in Anlehnung an die alte Tradition von Haus zu Haus, singen den Bewohnern Lieder vor und sammeln Süßigkeiten.
Im Jahr 2009 wurde die Lütke Fastnacht sogar zum Gegenstand des Bundesverfassungsgerichts. Die Eltern zweier Kinder einer Paderborner Grundschule klagten dagegen, dass ihre Kinder an der Feier der Lütke Fastnacht teilnehmen sollten. Das Bundesverfassungsgericht nahm die Klage nicht an. In der Begründung hieß es, dass das Fest seine religiösen Bezüge verloren habe und daher nichts gegen eine Teilnahme spräche.
Karnevalsbräuche in eurer Region
So wie die Lütke Fastnacht in Westfalen haben viele Regionen Deutschland ihre besonderen Bräuche zur Karnevalszeit. Für den Unterricht bietet es sich an, die Bräuche der eigenen Region recherchieren und präsentieren zu lassen. Welchen Ursprung haben die Bräuche? Wie wurde ursprünglich Karneval gefeiert? Welche Traditionen sind verloren gegangen? Welche Traditionen wurden neu gestaltet?
Vielleicht gibt es ja auch an eurer Schule diverse Bräuche an Karneval, deren Ursprung ihr gemeinsam entdecken könnt.
Im Anschluss könnt ihr gemeinsam mit euren Lernenden darüber sprechen, wie solche Traditionen eine identitätsstiftende Funktion einnehmen können und warum sie sich immer wieder wandeln.
Und letztlich solltet ihr auch die Gelegenheit nutzen, diese Bräuche gemeinsam mit euren Lernenden auszuprobieren und so das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.
Ich wünsche euch und euren Lernenden eine fröhliche Karnevalszeit!








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