Vor drei Jahren brannte am Abend des 15.04.2019 der Dachstuhl der berühmten Kathedrale Notre-Dame de Paris – und damit auch ein Teil der Seele Frankreichs. Die weltweite Solidarität war groß, schnell wurden hunderte Millionen an Spendengeldern organisiert. Seitdem laufen die Renovierungsarbeiten auf Hochtouren. Was aber macht dieses Kirchengebäude so besonders?
Ein Brand trifft Frankreich ins Mark
Die berühmte Kathedrale zieht jedes Jahr ein Millionenpublikum an. Selbst unter den vielen großartigen gotischen Kathedralen Nordfrankreichs (z. B. in Amiens, Chartres, Laon, Rouen oder Reims) hat sie eine herausgehobene Stellung, obwohl sie weder die größte, höchste noch vielleicht die schönste unter ihnen ist. Dennoch ließ sie selbst den bekennenden Religionskritiker Freud bei einem Besuch frohlocken: „Als ich eintrat, war mein erster Eindruck eine Empfindung, die ich nie gehabt, >das ist eine Kirche (…). So ergreifend ernst und düster habe ich nichts gesehen (…)<. (Freud an seine Verlobte Martha Bernays vom 19.11.1885; Freud: Brautbriefe: Briefe an Martha Bernays aus den Jahren 1882-1886; Fischer Verlag 1987). Der französische Präsident Emmanuel Macron versprach 2019 nach dem Brand, die Kathedrale noch größer und schöner wiederaufzubauen als sie bisher gewesen sei. Ein Versprechen, das nicht nur in religiösen Kreisen nicht ausschließlich positiv aufgenommen wurde. Seitdem ist ein Streit um die Neugestaltung des Gotteshauses entbrannt.
Aus der Reihe: Notre-Dame im Religionsunterricht
Die Kathedrale und die Ereignisse um sie bieten eine Fülle an möglichen Zugängen und Fragen für den Religionsunterricht: Warum all diese Anstrengung für einen Wiederaufbau eines alten Gotteshauses in der laizistischen Gesellschaft Frankreichs, während an vielen Orten in Frankreich und Europa Kirchen abgerissen oder umgewidmet werden? Inwiefern spielt es noch eine Rolle für den Wiederaufbau, dass es sich bei Notre-Dame in aller erster Linie um einen religiösen Ort handelt? Was lässt sich aber auch Grundsätzliches an ihr über den Kirchenraum und den gotischen Baustil einer Kathedrale erfahren?
Um sich diesen Fragen anzunähern, bietet sich eine virtuelle Kirchenraumerkundung in Form der Gestaltung einer virtuellen Ausstellung zur Kathedrale an, die über das Gebäude als religiösem Raum auch explizit die soziale und historischen Ebene berücksichtigt. Sie vermittelt damit auch einen Blick dafür, dass Kirchengebäude grundsätzlich einen „Sitz im Leben“ haben, also in der Erinnerungskultur und dem sozialen Gefüge einer Stadt/Gesellschaft fest verankert sind.
On Top: Chancen für den fächerübergreifenden Unterricht
Eine Beschäftigung mit Frankreichs berühmtestem Gotteshaus bietet zudem die Chance für ein Projekt im Rahmen des fächerübergreifenden Unterrichts. Im Geschichtsunterricht können die historischen Zusammenhänge ihrer Entstehung und Bedeutung erarbeitet werden. Eine Zusammenarbeit mit Französischkursen ermöglicht die Erschließung wichtiger Quellen und Reaktionen zum Brand aus dem Französischen.

Tipps zur Durchführung der digitalen Ausstellung
- Als problemorientierte Leitperspektive für die Unterrichtseinheit kann z. B. die Frage dienen, ob das zerstörte Gotteshaus (aus religiöser Perspektive) genauso wiederaufgebaut werden sollte, wie es war, oder ob es auch in anderer Form wiederhergestellt werden darf? Unter dieser Perspektive lassen sich z. B. Geschichte, Bedeutung und Architektur des Gebäudes beleuchten.
- Ein problemorientierter Einstieg kann mit einem Bild oder einem Filmausschnitt der brennenden Kathedrale erfolgen. Dieser Einstieg ermöglicht eine erste Reflexion der Funktion und Bedeutung des Gebäudes. Je nach Bildauswahl können sich die Lernenden dabei in die Perspektive von Personen versetzen, die den Brand beobachtet oder die Brandbekämpfung begleitet haben (eine Bildauswahl ist z. B. zu finden unter: Notre-Dame Brand: Bilder eines verheerenden Feuers | STERN.de)
- In einem nächsten Schritt werden arbeitsteilige Gruppen gebildet und die Themen zusammengestellt, die in der virtuellen Ausstellung gezeigt werden sollen, das können z. B. sein:
1. Die Geschichte von Notre Dame de Paris.
2. Stimmen zur kulturellen und religiösen Bedeutung des Gotteshauses aus Vergangenheit und Gegenwart.
3. Ein erläuternder Grundriss des Kirchengebäudes.
4. Informationen zum Baustil und zum Gebäude selbst.
5. Darstellung der Kontroverse um die Form des Wiederaufbaus. - Im Anschluss daran werden die Informationen arbeitsteilig zusammengetragen. Erste Anlaufstellen für geeignete Materialien finden sich hier:
Offizielle Webseite
Linksammlung zu einzelnen Themen
Beitrag des Deutschlandfunks zur (religiösen) Bedeutung der Kathedrale
Kontroverse um den Wiederaufbau - Die Gruppen entscheiden anschließend einzeln oder gemeinsam, auf welche Weise sie ihre Ergebnisse virtuell präsentieren wollen. Dazu gehört die Auswahl von geeignetem Bildmaterial, zu dem kurze erläuternde Texte formuliert werden. In Kursen mit Tablets könnten diese z. B. als Präsentationswerkzeuge dienen, die an verschiedenen Stellen im Raum platziert werden. Hilfen zur virtuellen Ausstellung gibt es z. B. hier.
- Zusätzlich kann geprüft werden, ob sich die Ausstellung für eine Erweiterung mit QR-Codes eignet. QR-Code-Generatoren gibt es zahlreich kostenlos im Netz oder als App.
- Abschließend werden die Ergebnisse präsentiert. Dabei sollten alle Beteiligten die Möglichkeit bekommen, die Ausstellung individuell zu besuchen. Anschließend sollte die Gelegenheit gegeben werden, Rückfragen zu Ausstellungsinhalten zu stellen, die Ausstellung zu reflektieren (Kopiervorlage zum Download) und ein eigenes Urteil zur Ausgangsfrage zu formulieren.
Habt ihr schon einmal eine Kirchenraumerkundung im Religionsunterricht durchgeführt? Welche Erfahrungen habt ihr bisher mit virtuellen Ausstellungen um Unterricht gemacht?








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