Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

Religionsunterricht mit Einfach Leben – eine moderne Schulbuchkonzeption im Blick

„Was hat mein Leben eigentlich mit Gott zu tun?“ – Fragen wie diese entstehen nicht aus dem Lehrbuch, sondern im Leben der Lernenden. Genau hier setzt ein moderner Religionsunterricht an: bei Erfahrungen, Unsicherheiten und dem Wunsch, die eigene Welt besser zu verstehen, das Gottes- und Glaubensverständnis zu erweitern und letztlich sich selbst besser kennenzulernen. Der Religionsunterricht greift Situationen auf, „in denen Fragen nach Grund, Sinn, Ziel und Verantwortung des Lebens aufbrechen“ und knüpft damit bewusst an die Lebenswelt der Lernenden an.

Religionsunterricht mit Einfach Leben

Wie kann ein Religionsbuch Lernprozesse so gestalten, dass sie sowohl fachlich fundiert als auch lebensnah sind? Und wie gelingt es, religiöse Inhalte so aufzubereiten, dass sie Lernende nicht nur verstehen, sondern auch für ihr eigenes Leben deuten können?

Ein Blick in „Einfach leben 1” zeigt eine Konzeption, die genau dort ansetzt: Ausgangspunkt sind konsequent die Lernenden selbst – ihre Erfahrungen, Fragen und Weltdeutungen. Von diesen aus entfaltet sich ein Unterricht, der sich vom „Ich” hin zum „Wir” entwickelt und dabei zentrale Themen wie Identität, Gemeinschaft und Verantwortung erschließt.

Inhaltlich verbindet das Lehrwerk persönliche Zugänge mit theologischen Perspektiven, etwa durch biblische Texte, Gebete und religiöse Traditionen. Methodisch setzt es auf vielfältige, klar strukturierte Lernangebote, die eigenständiges Denken ermöglichen und gleichzeitig Orientierung geben. Zugleich steht die Förderung prozessbezogener Kompetenzen im Mittelpunkt: Wahrnehmen, Deuten, Urteilen, Kommunizieren und Gestalten.

Religion als Thema im Unterricht

Religionsunterricht berührt grundlegende Fragen: Wer bin ich? Woran glaube ich? Was trägt mich im Leben? Solche Fragen lassen sich nicht einfach „beantworten“ – sie müssen entdeckt, durchdacht und manchmal auch ausgehalten werden. Der Schwerpunkt liegt hier auf der Verbindung persönlicher Erfahrungen mit religiösen Traditionen und der Möglichkeit für die Lernenden, eigene Antworten zu entwickeln.

Lernen am Beispiel: „Auf der Reise des Lebens“

REB-Unterricht-Religion-Weggabelung

Lebenswege von Schülerinnen und Schülern / Wegsymbolik, Quelle: Einfach Leben 1, S.74; ShutterStock.com RF (GagoDesign)

In einer Unterrichtssequenz gestalten die Lernenden ihren eigenen Lebensweg. Wichtige Erfahrungen werden markiert und prägende Momente sichtbar gemacht. Die Frage nach Gott knüpft dabei an das eigene Erleben an und eröffnet einen Zugang zu biografischen und theologischen Deutungen.

Religiöse Sprache neu entdecken: Das Vaterunser als Emoji-Text

Die Arbeit mit Emoji-Texten ermöglicht einen kreativen Zugang zu religiösen Inhalten. Lernende setzen sich intensiv mit Texten auseinander, deuten Symbole und reflektieren ihre Bedeutung. Diese Methode bietet einen niedrigschwelligen Zugang, hohe Motivation und gute Differenzierungsmöglichkeiten.

Darüber hinaus fördert der Einsatz von Emojis zentrale Kompetenzen des Religionsunterrichts: Schülerinnen und Schüler übersetzen Inhalte in eine andere Ausdrucksform, interpretieren Bedeutungen und setzen sich aktiv mit Sprache, Symbolik und persönlichen Deutungen auseinander. Gerade religiöse Texte arbeiten häufig mit Bildern, Metaphern und Symbolen – Emojis knüpfen an diese Symbolsprache an und machen sie für Lernende greifbarer.

Didaktisch betrachtet unterstützt die Methode einen handlungs- und schülerorientierten Unterricht. Die Lernenden werden nicht nur zu Konsumentinnen und Konsumenten von Texten, sondern zu aktiven Gestalterinnen und Gestaltern von Bedeutung. Hierbei spielt auch Symbollernen eine Rolle. Durch das „Übersetzen“ eines Textes in Emojis müssen zentrale Aussagen erkannt, gewichtet und reduziert werden. Dies fördern Textverständnis, Transferleistungen sowie die Fähigkeit zur theologischen Deutung. Gleichzeitig entstehen Gesprächsanlässe über unterschiedliche Interpretationen und individuelle Zugänge zu religiösen Themen. Besonders gewinnbringend ist die Methode in heterogenen Lerngruppen. Emojis ermöglichen auch sprachschwächeren Lernenden oder Lernenden mit geringeren Lesekompe-tenzen eine aktive Teilnahme. Durch offene Aufgabenstellungen können verschiedene Leistungsniveaus berücksichtigt werden – von einfachen Symbolzuordnungen bis hin zur eigenständigen Gestaltung komplexer Emoji-Botschaften oder ganzer Bibeltexte.

Zudem greift die Methode die Lebenswelt der Lernenden auf: Emojis sind Teil ihrer alltäglichen Kommunikation und schaffen Nähe, Motivation und Identifikation. Die Verbindung digitaler Ausdrucksformen mit religiösen Inhalten kann dazu beitragen, Religion als relevant und anschlussfähig für die eigene Lebenswelt wahrzunehmen. Gleichzeitig bietet die Methode Anlass, über Chancen und Grenzen von Symbolsprache und digitaler Kommunikation ins Gespräch zu kommen. Kinder und Jugendliche allen Alters haben Freude daran – das zeigt der Praxiseinsatz!

Vaterunser mit Emojis

REB-Unterricht-Religion-Vaterunser

Emoji-Version des „Vater Unser“, Quelle: Einfach Leben 1, S.94; Gotteslob, Teil 3: Grundgebete und Glaubenstexte, Nummer 3.2: Das Gebet des Herrn (Vaterunser). Katholische Bibelanstalt Stuttgart 2013, S. 35; Abbildungen: ShutterStock.com RF (Carboxylase, JosepPerianes, Yukhym Turkin, weberjake, Cosmic_Design); Thinkstock -Getty Images Deutschland GmbH (denisgorelkin); Getty Images Plus (Turkan Rahimli/iStock); stock.adobe.com (Parvin, sebastian);

Theologisieren mit den Lernenden anhand einer Bildbetrachtung

In Einfach Leben 1, S. 17 findet sich das Misereor Hungertuch von 2017/2018, welches von Chidi Kwubiri gestaltet wurde und den Titel „Ich bin, weil du bist“ trägt.

Die Betrachtung von Kunstwerken ermöglicht es den Lernenden theologische Kernaussagen ganzheitlich zu erfassen. Mithilfe einfacher Bildbetrachtungsimpulse, wie z. B. „Ich sehe …“ oder „Ich denke …“ werden sie zum Wahrnehmen und Deuten angeleitet. In Verbindung mit einem Bibeltext, hier Gen 1,27 zur Gottesebenbildlichkeit des Menschen, kann die zentrale theologische Aussage im Gespräch erschlossen werden. Dabei fungiert die Lehrkraft als Moderatorin oder Moderator im Lernprozess, gibt Impulse, greift wichtige Aussagen der Lernenden auf und verbindet sie, als theologische Expertin oder theologischer Experte, zu einem Deutungsangebot. Daran knüpfen die Lernenden individuell an.

Religionsunterricht als Erfahrungs- und Handlungsraum

Die Lehrkraft begleitet den Lernprozess der Lernenden, greift ihre Gedanken auf und eröffnet Deutungsangebote. So entsteht ein Unterricht, in dem gedacht, gesprochen und gestaltet wird. Manchmal bietet es sich an, im Religionsunterricht oder aus ihm heraus reale Handlungsräume zu ermöglichen. Es geht nicht darum, nur darüber zu reden und nachzudenken, wie wir z. B. die Schöpfung bewahren können, sondern auch darum, tätig zu werden. Hier bieten sich kleine Projekte wie die Beteiligung am World Cleanup Day oder auch große Projekte wie die WELTfairÄNDERER-Woche des BDKJ an. Auch soziale Projekte sind eine gute Möglichkeit, in ethischen Handlungsfeldern aktiv zu werden und verantwortliches Handeln einzuüben und zu reflektieren.

Zum Titel

Fazit: Ein Schulbuch, das begleitet

Nicht nur Inhalte vermitteln, sondern Lernprozesse begleiten und Deutungsräume eröffnen – genau darin liegt die Stärke des Lehrwerks „Einfach leben”. Überzeugt euch selbst und bringt neue Impulse in euren Religionsunterricht – mit einem Buch, das Lernen mit Leben verbindet.

Autorenteam

Lehrer Sek I, Lehrbeauftragter Kath. Religionslehre/Medienbildung am Seminar für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte Rottweil, Autor Einfach Leben Ausgabe S

Seminarschulrätin, langjährige Unterrichtserfahrung in SEK I, Ausbilderin für Katholische Religion/Medienbildung am Seminar für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte Schwäbisch Gmünd (GS und SEK I), Autorin Einfach Leben Ausgabe S

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