Reli-Ethik-Blog
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Spirituelle Reise an der Algarve – Ein Erfahrungsbericht vom Yoga-Retreat

Wie fühlt es sich an, den Tag mit Yoga auf einer Bergspitze zu beginnen, ohne digitale Ablenkung, umgeben von der Natur? In diesem Bericht schildere ich meine Erfahrungen im Rahmen eines Retreats im Süden Portugals – und welche Impulse ich daraus für meinen Alltag mitgenommen habe.

Eine spirituelle Reise stand eigentlich für dieses Jahr nicht auf meinem Plan. Doch als mir eine Yoga-begeisterte Freundin von einem Retreat erzählte, das sie gebucht hatte, wurde ich neugierig. Ich selbst hatte bereits erste Erfahrungen mit Yoga gesammelt – daheim vor dem Fernseher, mittels Workouts von YouTube angeleitet – und das Konzept dieses Retreats klang vielversprechend: eine Kombination aus täglicher Yogapraxis, kreativen Workshops und Nähe zur Natur. Dies schien mir eine perfekte Auszeit vom beruflichen Alltag. Ohne genau zu wissen, was mich erwartete, meldete ich mich an.

Das Yoga-Retreat: Habitat im Grünen

Das Retreat fand in einem ökologisch geführten Habitat statt, eingebettet in die hügelige, naturbelassene Landschaft der Algarve. Übernachtet wurde in stilvollen Glamping-Zelten und kleinen Holzkabinen auf erhöhten Flächen mit Blick in die Bäume und eigenen Ökotoiletten. Die gesamte Anlage war liebevoll gestaltet: ein Gemüsegarten, unzählige Obstbäume, frei herumlaufende Hühner, offene Gemeinschaftsräume und zahlreiche Rückzugsorte vermittelten von Anfang an ein Gefühl der Geborgenheit und Naturverbundenheit. Das Habitat war erkennbar auf Nachhaltigkeit ausgerichtet – von der Architektur über den Wasserverbrauch bis zur Küche.

Die Tagesstruktur war klar gegliedert, ohne dabei starr zu sein: Die Tage begannen meist um 7 Uhr mit einer kleinen Wanderung hinauf zu einer am Habitat gelegenen Bergspitze, wo die erste Yogastunde stattfand – morgens gab es Vinyasa Yoga, begleitet vom Sonnenaufgang. Danach gab es ein gemeinsames Frühstück mit ökologischen, oft selbstangebauten Zutaten. Vormittags gab es zwei Optionen: Einige Teilnehmende fuhren zum Surfen an die Atlantikküste, während andere (wie ich) an kreativen Workshops teilnahmen, etwa zur Herstellung von Naturkosmetik oder zum Kerzengießen.

Am Abend kehrten wir erneut auf die Bergspitze zurück – diesmal für ruhigere Praktiken wie Yin Yoga oder Yoga Nidra. Manchmal gab es auch kleine Überraschungen wie Acro Yoga am Strand oder eine Einheit „Sound Healing“. Das anschließende vegetarische oder vegane Abendessen rundete den Tag ab und wurde zum Raum für Gespräche, Austausch oder anschließendes gemeinsames Singen oder Spielen in der Gruppe.

Die Tagespläne wurden erst am Vorabend auf eine Tafel geschrieben, die bei den Gemeinschaftsräumen stand. Dadurch, dass man nicht Tage im Voraus plante, konnten wir uns bewusst auf den jeweiligen Tag konzentrieren. So lebte man mehr „im Moment“, ohne den ständigen Blick auf das Programm der Woche, und es entstand ein Tagesrhythmus, der mehr vom Erleben geprägt war.

Yoga Retreat Tagesprogramm

Was ist „spirituell“ an so einer Reise?

Anders als eine klassische Wellnessreise, welche oft auf eine kurzfristige Erholung oder körperliche  Optimierung ausgerichtet ist, wurde im Retreat eine ganzheitliche Perspektive kultiviert. Es ging nicht nur darum, fit zu werden oder abzuschalten, sondern vielmehr um Verbundenheit mit dem eigenen Körper, der Natur und der Gruppe – als Teil eines größeren Ganzen. Achtsamkeit war hier kein Schlagwort, sondern wurde gelebt:  in den stillen Momenten auf der Matte ebenso wie beim sorgsamen Umgang mit der Natur.

Spirituelle Elemente fanden sich in vielen kleinen Ritualen wieder, etwa in gemeinsamen Affirmationen, dem bewussten Atmen sowie dem Erspüren von Energiezentren im Körper. Das Retreat knüpfte so auch an religiös-spirituelle Traditionen an, insbesondere an die hinduistisch geprägte Yoga-Philosophie. Anfangs hatte ich gewisse innere Hürden: Zu einigen spirituellen Elementen – etwa dem Ziehen von Tarot-Karten oder der Chakren-Lehre, die in der Yoga-Praxis integriert war – hatte ich keinerlei Bezug und sie lösten ein gewisses Gefühl der Befremdung bei mir aus.

Doch da dies alles mit wenig Druck oder Dogmatik vermittelt bzw. angeboten wurde, konnte ich mich leichter darauf einlassen, ohne gleich alles logisch einordnen zu wollen. Diese Elemente eröffneten so die Möglichkeit, sich mit anderen Zugängen zur eigenen Erfahrung auseinanderzusetzen. Dadurch ging es dabei vor allem um Resonanz: Was berührt mich und was wirkt in mir nach?

Mit der Reduktion von den äußeren Reizen (keine E-Mails, keine Termine, kein Konsum) stellte sich auch schnell innere Entspannung ein. Die tägliche Bewegung, das Gestalten mit den Händen und Nähe zur Natur taten mir spürbar gut. Besonders berührend war auch die Herzlichkeit und das Gemeinschaftsgefühl innerhalb der Gruppe. Obwohl die meisten sich vorher nicht kannten, entstand schnell eine Atmosphäre von Vertrauen und Offenheit.

Was nehme ich mit in den Alltag?

Yoga Retreat Toepfern

Der spontane Entschluss für diese Reise war in vielfacher Hinsicht eine große Bereicherung. Zu ihrem Ende stellte ich mir die Frage, wie ich etwas „Yoga-Retreat“ auch in meinen Alltag nach Deutschland mitnehmen könnte. Ich nehme mir vor, wieder regelmäßiger Yoga in meinen Alltag zu integrieren – nicht als Pflicht, sondern als Form der Selbstfürsorge. Ebenso möchte ich mir öfter kreative Räume schaffen, sei es durch Schreiben, Gestalten oder Kochen.

Außerdem ist mir der Wert von Gemeinschaft und Achtsamkeit neu bewusst geworden und wie sehr wir diese auch im beruflichen und privaten Alltag brauchen. Ich nehme aus dem Retreat mit, dass bereits kleine Veränderungen Wirkung zeigen können: zum Beispiel regelmäßige Bewegung oder kurze Phasen bewusster Ruhe. Auch ein reflektierterer Umgang mit Ressourcen ist für mich ein Ziel, welches ich im Alltag weiterverfolgen möchte. Die Impulse, die ich aus der kurzen Reise mitnehmen konnte, sind insofern vielzählig. Nur ob ich nochmal Tarotkarten ziehen muss – da wäre ich mir nicht sicher.

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Über die Autorin

Sina Weiß

Als Redakteurin beim Ernst Klett Verlag bin ich für Lehrwerke in den Fächern Ethik und Philosophie zuständig.

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