Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

Sprachbildender Religionsunterricht: Das Sprechen fördern mithilfe von Bildergeschichten

Gleichzeitig flüssig und richtig zu sprechen und dabei noch möglichst komplexe Satzstrukturen zu verwenden, ist ganz schön schwierig. Durch geeignete Erzählanlässe können Lernende Kompetenzen erwerben, die für sprachkomplexe Äußerungen und den Erwerb von Bildungssprache hilfreich sind. Lest hier, wie ihr im Religionsunterricht das Sprechen fördern könnt!

Habt ihr euch schon einmal gefragt, wieso manche Lernende Probleme damit haben, frei zu sprechen? Dann möchte ich euch zu einem kleinen Selbstversuch einladen:

Sucht euch eine Gesprächspartnerin oder einen Gesprächspartner und erzählt ihr oder ihm in eurer schwächsten Fremdsprache von eurer letzten Woche. Ihr habt dafür drei Minuten Zeit. Achtet dabei in der ersten Minute besonders darauf, grammatikalisch richtig zu sprechen, in der zweiten, besonders flüssig (also ohne Stocken oder Stottern) zu kommunizieren und in der dritten, eure Erlebnisse sprachlich möglichst komplex zu formulieren.

Und? Wie hat das geklappt?

Vermutlich hat es an der ein oder anderen Stelle gehakt. Josef Leisen zufolge ist das kein Wunder: Zur Illustrierung seiner Erklärung dessen greift er auf ein Bild von drei streitenden Geschwistern zurück, die nicht alle gleichzeitig kontrollierbar seien. Dabei symbolisieren die Geschwister die sprachlichen Aspekte Richtigkeit, Flüssigkeit und Komplexität. „Wer auf Sprachrichtigkeit fixiert ist, dem wird es an Sprachflüssigkeit mangeln und die Sprachkomplexität reduzieren. Wer Letztere mutig angeht, wird durchgängig auf Sprachrichtigkeit verzichten müssen.“ Demnach müssen also die verschiedenen Aspekte des Sprechens bei der Sprachförderung unterschieden werden.

Im Religionsunterricht das Sprechen fördern: Zur Rolle der Bildungssprache

Menschen nutzen beim Sprechen verschiedene sprachliche Register und können je nach Anlass und Gegenüber im Gespräch zwischen ihnen wechseln. Für den Schulerfolg ist das Register der Bildungssprache maßgeblich.

Unter Verwendung der Bildungssprache können Informationen oder Einschätzungen situationsunabhängig und so präzise wie möglich formuliert werden. Für die immer komplexer werdenden Fachinhalte wird es mithilfe von Bildungssprache möglich, Aussagen zu verdichten und zu verallgemeinern. Damit Lernende sich angemessen am fachlichen Diskurs beteiligen und ihr fachliches Wissen mitteilen können, müssen sie sich demnach bildungssprachlich ausdrücken können. Besonders für die Sprachkomplexität spielt dieses Register also eine wichtige Rolle.

Erzählen als Brücke zur Bildungssprache

Das mündliche Erzählen kann dabei als Brücke zum Erwerb der Bildungssprache dienen: Lernende können sich über das Erzählen unter anderem grammatische Phänomene erschließen, die Herstellung von Textzusammenhängen durch die Verwendung von sprachlichen Mitteln erproben und den Perspektivwechsel sowie den Einsatz von direkter und indirekter Rede üben.

Bildergeschichten als Erzählanlass – ein Beispiel

Bereits in Kindergarten und Vorschule gibt es Erzählanlässe. Hier werden oft Bildergeschichten als solche genutzt. Daher sind sie den meisten Lernenden gut bekannt, wenn sie auch in der Sekundarstufe I eingesetzt werden.

Die Kopiervorlage aus dem Band „Sprachbildung im Religionsunterricht 5/6“, die ihr unten zum Download findet, nutzt eine Bildergeschichte zum Thema „Konflikte“ als Erzählanlass und unterstützt das Erzählen darüber hinaus auf verschiedene Weisen, die auch auf die Verwendung anderer Bildergeschichten und Themen übertragen werden können:

  • Die Verwendung von Schlüsselwörtern kann helfen, den Blick auf die wichtigsten Bestandteile der Erzählung zu lenken.
  • Das Ausfüllen von Sprechblasen kann als Zwischenschritt dienen, um bewusst die Anteile der direkten Rede herauszustellen.
  • Zum Erzählen der vollständigen Geschichte können weitere Formulierungshilfen in Form von Satzmustern angeboten werden.
  • In der letzten Aufgabe wird schließlich der Übergang vom mündlichen zum schriftlichen Erzählen angeregt. Die Lernenden sollen die Geschichte weiterdenken und eine Lösung des Konflikts in Stichpunkten festhalten.

Welche Erzählanlässe nutzt ihr im Religionsunterricht? Wie unterstützt ihr eure Lerngruppe beim freien Sprechen? Ich freue mich auf einen Ideenaustausch in den Kommentaren!

Kostenlos zum Download

Produktempfehlung

Im Kopiervorlagenband „Sprachbildung im Religionsunterricht 5/6“ werden die verschiedenen sprachlichen Fertigkeiten (Hören, Lesen, Schreiben, Sprechen) in den Blick genommen. Durch die Unterscheidung in vier Fertigkeiten wird es möglich, gezielt diejenigen Bereiche zu fördern, bei denen ihr für die einzelnen Lernenden noch Entwicklungspotenziale identifizieren könnt. Da alle Kopiervorlagen auch als editierbare Word-Dateien angeboten werden, könnt ihr diese an die sprachlichen Bedürfnisse eurer Lernenden anpassen.

Copyrighthinweis: Sprachdiagnose und Sprachfehler. Sprachfehler diagnostizieren und korrektiv damit umgehen. Unter: http://www.sprachsensiblerfachunterricht.de/sprachfehler (Zugriff 11.08.2023, gek.)

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Über die Autorin

Katharina Olgun

Katharina Olgun ist Referentin für Religionsunterricht und Schulkultur im Bistum Essen.

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