Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

Sprachbildender Religionsunterricht: eine Nacherzählung zum barmherzigen Samariter schreiben

Lernenden fällt es zunehmend schwerer, Inhalte in eigenen Worten wiederzugeben. Schon mit einigen wenigen Tools können wir sie bei dieser Aufgabe unterstützen. Hier erfahrt ihr, wie eine Nacherzählung im Religionsunterricht gelingt.

Eine Nacherzählung im Religionsunterricht

Ihr erarbeitet mit Lernenden die Geschichte vom barmherzigen Samariter. Eine Aufgabe hierzu lautet: „Jesus erzählt dem Schriftgelehrten eine Geschichte. Erzähle die Geschichte in deinen eigenen Worten nach.“

Was nach einem vermeintlich einfachen Arbeitsauftrag aussieht, kann einige der Lernenden vor sprachliche Herausforderungen stellen:

  • Was genau habe ich da überhaupt gelesen?
  • Die Geschichte ist sehr lang. Wo fange ich da an? An was kann ich mich eigentlich noch erinnern?
  • Der Text, den ich geschrieben habe, klingt total blöd! Den lese ich nicht vor!

Einige wenige, schnell umsetzbare Tools können den Lernenden Sichherheit bei der Bewältigung dieser Aufgabe verschaffen, was ich euch im Folgenden am Beispiel des Bibeltexts zum barmherzigen Samariter zeigen möchte:

Am Anfang: die Leseaufgabe mit Leseaufträgen bewältigen

Um eine Nacherzählung schreiben zu können, muss zunächst der Text gelesen werden. Bereits bei diesem Schritt können Leseaufträge eine Unterstützung bieten. Gute Leseaufträge nehmen die Komplexität der Leseaufgabe ernst und geben den Lernenden Zeit, ihr Vorwissen zu aktivieren und damit den Prozess vorzuentlasten.

So kann es zum Beispiel – wie beim Arbeitsblatt, das ihr unten zum Download findet – helfen, nach dem ersten Lesen Verstehensinseln festzuhalten: Was habe ich behalten? An was kann ich mich erinnern?)

Weitere Ideen zur Leseförderung findet ihr auch im Blogebeitrag zum Thema „Gott prüft Abraham.“

Und dann: Nacherzählung? Was ist denn das?

Was im Deutschunterricht in verschiedenen Schritten aufwendig geübt wird, wird im Religionsunterricht oft als bekannt vorausgesetzt: Wie schreibe ich eine Nacherzählung? Womit fange ich an? Worauf muss ich achten? Mit einigen wenigen Hinweisen könnt ihr die Lernenden dabei unterstützen, eine Struktur für ihren Text zu entwickeln: Leitfragen für Einleitung, Hauptteil und Schluss geben Orientierung. Auf dem Arbeitsblatt zum Download gibt es einen kurzen Tippkasten, der erklärt, was für eine Nacherzählung wichtig ist.

Zum Schluss: zur Selbstkorrektur anregen mit der Textlupe

Eine gute Möglichkeit, die Lernenden dabei zu unterstützen, sich auch selbst verbessern zu können, sind Checklisten. Checklisten können zum Beispiel zum Aufbau des Textes, zur Sprache, zur Rechtschreibung, zur Zeichensetzung oder wie auf der downloadbaren Kopiervorlage zur Verwendung verschiedener Satzanfänge genutzt werden. Die Lernenden können das Schreiben guter Texte so auch im Religionsunterricht üben.

Möglich ist es auch, die Verbesserung eines Textes als kooperative Methode anzubieten. Die Methode der „Textlupe“ beispielsweise wird in Kleingruppen angewendet. Die Texte der Lernenden werden reihum gelesen und auf je einem Rückmeldezettel mit kurzen Kommentaren wie Lob, Kritik oder Tipps versehen. Der Rückmeldezettel kann dann zur Überarbeitung des Textes genutzt werden.

Was, wenn meine Lernenden noch mehr sprachliche Unterstützung brauchen?

Manche Lernende brauchen vielleicht noch mehr Unterstützung. Wichtig ist hier das Prinzip der kalkulierten Herausforderung: Die sprachliche Unterstützung sollte nur so groß sein, dass die Lernenden die Aufgabe selbstständig bewältigen können, aber auch groß genug, damit diese noch eine Herausforderung bleibt und die nächste Entwicklungsstufe erreicht werden kann. Die Kopiervorlagen könnten also noch um weitere Ideen ergänzt werden:

  • Textbausteine: Die Lernenden schreiben keinen eigenen Text, sondern bringen die Textbausteine einer Nacherzählung in eine richtige Reihenfolge. Sie lernen damit den Aufbau einer Nacherzählung kennen.
  • Möglich ist es auch, zur Orientierung Wörter vorzugeben, die im Text vorkommen sollten. Das kann des Textes nach der Frage „Was ist denn hier jetzt eigentlich wichtig?“ eine gute Unterstützung sein.

Vielleicht ist hier ja schon die ein oder andere Idee für eure Lerngruppe dabei? Zu welchen Themen oder sprachlichen Anforderungen wünscht ihr euch weitere Tipps?    

Kostenlos zum Download

Produktempfehlung

Im Kopiervorlagenband „Sprachbildung im Religionsunterricht 5/6“ , aus dem die beiden Kopiervorlagen aus diesem Blogbeitrag stammen, werden die verschiedenen sprachlichen Fertigkeiten (Hören, Lesen, Schreiben, Sprechen) in den Blick genommen. Durch die Unterscheidung in vier Fertigkeiten wird es möglich, gezielt diejenigen Bereiche zu fördern, bei denen ihr für die einzelnen Lernenden noch Entwicklungspotenziale identifizieren könnt. Da alle Kopiervorlagen auch als editierbare Word-Dateien angeboten werden, könnt ihr diese an die sprachlichen Bedürfnisse eurer Lernenden anpassen.

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Über die Autorin

Katharina Olgun

Katharina Olgun ist Referentin für Religionsunterricht und Schulkultur im Bistum Essen.

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