Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

Woran glauben Muslime eigentlich?

Viele Muslime essen kein Schweinefleisch, trinken keinen Alkohol und manche Frauen tragen Kopftuch, aber woran genau glauben Muslime eigentlich?

Wenn Muslime sich begegnen, begrüßen sie sich mit den Worten „as-salamu-aleikum“. Das ist arabisch und bedeutet „Friede sei mit dir!“ Das wichtigste Wort des Grußes lautet „salam“. Arabische Wörter haben eine Wortwurzel, die meistens aus drei Buchstaben besteht. Sie liefern die Grundbedeutung für alle weiteren Wörter, die daraus gebildet werden können. „Salam“, das auf den Wortstamm SLM zurückgeführt wird, bedeutet nicht nur Frieden, sondern auch Güte, Wohlstand, Vollkommenheit und Gesundheit. Auch die Begriffe „Islam“ und „Muslime“ gehören zu dieser Wortfamilie. Die beiden Begriffe bedeuten „Hingabe an Allah im Frieden“ – mit sich, Allah, seinen Mitmenschen und der Schöpfung.

Der Glaubenskern der Muslime

Für Muslime ist der Kern ihres Glaubens, dass sie an Allah glauben, als den einen, unteilbaren, einzigartigen Gott, der niemanden neben sich hat. In der Sure al-Ihlas wird das genau in Vers 3 und 4 beschrieben, indem es heißt: „Er hat nicht gezeugt und ist nicht gezeugt worden, und niemand ist Ihm jemals gleich.“ Allah ist auch ein arabisches Wort und bedeutet übersetzt „der (eine) Gott“.

Muslime glauben daran, dass Allah die Menschen mit Verstand und Gefühl, mit der Fähigkeit zu handeln und zu entscheiden ausgestattet hat. Das beinhaltet die Verpflichtung, diese Fähigkeiten zu nutzen, um sich Gott zu nähern und verantwortungsbewusst mit Seiner Schöpfung umzugehen. Aus islamischer Sicht hat Allah Propheten zu den Völkern geschickt, um die Menschen an diese Verantwortung zu erinnern. Im Koran werden 25 Propheten erwähnt, von denen sich auch viele in der Bibel wiederfinden. Muslime glauben an diese Propheten, z.B. auch Jesus, der für Muslime ebenso ein Prophet ist. Der letzte der Propheten ist Muhammad. Er hat den Muslimen nicht nur die Offenbarung Gottes, den Koran, überbracht, sondern er ist auch mit seinem Charakter und seiner Lebenshaltung ein großes Vorbild für die Muslime. In vielen Sammlungen sind daher seine Aussprüche und Taten überliefert (Sunna).

Quellen für das religiöse Leben der Muslime

Muslime glauben auch an verschiedene Schriften, wie z.B. die Thora und die Evangelien, die vor dem Koran vorhanden waren. Muslime glauben daran, dass der Koran die Botschaft Allahs enthält, die Muhammad von dem Engel Gabriel überliefert wurde. Auch „Koran“ ist ein arabisches Wort, es kommt von „qara’a“, das bedeutet „ungefähr (Vor)Lesen“, „Vortragen“ oder „Rezitieren“. Er ist in Kapitel – Suren – und Verse – Aya – gegliedert. Allah erinnert im Koran die Menschen daran, an Ihn zu glauben, Gutes zu tun und von dem Schlechten Abstand zu nehmen. Prophetengeschichten und Gleichnisse verdeutlichen Seine Botschaft. Einige der Regeln und Gebote, an die sich Muslime halten sollten, kann man im Koran nachlesen.

Viele Muslime lieben es, den Koran in einer besonderen und würdigen Art zu rezitieren, das klingt sehr schön – fast wie Musik.

Die Quellen der Muslime für ihr religiöses Leben sind also der Koran und die Sunna.

Woran Muslime noch glauben

Muslime glauben daran, dass es Engel gibt. Sie glauben auch daran, dass bestimmte Dinge im Leben vorherbestimmt sind. Ebenso glauben Muslime, dass sie für ihre Handlungen, die guten wie die schlechten Taten, Verantwortung übernehmen müssen. Dies offenbart sich im Glauben an den jüngsten Tag und an das Paradies.

Muslime gehen davon aus, dass sie von Geburt an Muslime sind. Wer später zum Islam konvertieren will, kann einfach das Glaubensbekenntnis vor Zeugen aussprechen. Es bedeutet: „Es gibt keine Gottheit außer Allah und Muhammad ist Sein Gesandter“.

Die Glaubenspraxis der Muslime

Es gibt verschiedene Rituale, die die islamische Glaubenspraxis ausmachen. So beten Muslime fünfmal am Tag zu festgelegten Zeiten.

Muslime, die die Pubertät erreicht haben und körperlich dazu in der Lage sind, fasten einmal im Jahr im Fastenmonat Ramadan vom Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Das bedeutet nicht nur, auf Essen und Trinken zu verzichten, sondern auch, sich schlechter Angewohnheiten und Streit zu entziehen und zu versuchen, sich Allah zu nähern. Diesen Monat lieben die Muslime, denn er ist damit verbunden, gemeinsam am Abend zu essen und zu beten. Beendet wird der Ramadan mit einem großen Fest, dem Id ul-Fitr und einem speziellen Festtagsgebet.

Muslime sind dazu verpflichtet, von ihrem Vermögen einen Teil abzugeben. Das nennt man Zakat. Jeder finanziell dazu fähige Muslim sollte einmal im Jahr ca. 2,5% seines Vermögens an Bedürftige geben.

Einmal im Leben pilgern die Muslime, wenn sie dies finanziell und gesundheitlich schaffen können, nach Mekka. Während der Hadsch besuchen sie die Kaaba, das erste Haus Allahs, das von dem Propheten Ibrahim (Abraham) und dessen Sohn Ismael erbaut wurde. Die Kaaba gibt die Gebetsrichtung für alle Muslime vor. So beten alle Gläubigen in der Welt in diese Richtung, egal, wo sie sich gerade befinden. Die Hadsch ist eine große körperliche Anstrengung und seelische Herausforderung, sie soll an den Propheten Ibrahim, seine Frau Hajjar und ihren Sohn Ismael erinnern. Das Ende der Pilgerfahrt wird von allen Muslimen auf der ganzen Welt gefeiert. Dieses Fest nennt man Opferfest, Id ul-Adha. Dabei wird ein Schaf oder anderes Tier geschlachtet, und das Fleisch wird mit Bedürftigen geteilt.  Dieses Ritual erinnert an die große Prüfung Ibrahims, in der er von Allah aufgefordert wird, aus Hingabe seinen Sohn Ismael zu opfern. Allah hat dieses Opfer nicht eingelöst, stattdessen wurde ein Opfertier geschlachtet.

Der Grundgedanke im Islam ist, sich beständig weiterzuentwickeln zu einem Menschen mit bestem Charakter, der im Einklang mit seinem Glauben lebt.

Zum Weiterlesen

Auf der Seite www.religionen-entdecken.de könnt ihr noch mehr über den Islam und alle anderen Religionen nachlesen.

Empfehlenswert sind auch die Bücher

  • Sohaib, Sultan: Der Koran für Dummies, WILEY-VCH Verlag, Weinheim, 2006
  • Reidegeld, Ahmad: „Handbuch Islam“, Spohr Verlag, 2008
59 Personen haben sich für diesen Beitrag bedankt.
Danke!

Über die Autorin

Annett Abdel-Rahman

Ich unterrichte islamische Religion und bilde an der Uni und im Studienseminar Lehrkräfte für islamische Religion aus. Außerdem erstelle ich gemeinsam mit anderen die Curricula und Unterrichtsmaterialien für unser neues Fach. Ehrenamtlich arbeite ich mit an dem Projekt www.religionen-entdecken.de. Ich bin neugierig, wie andere Menschen leben, deshalb reise und lese ich gerne. Und ich liebe es, im Garten zu arbeiten und zwar zu jeder Jahreszeit.

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und verstanden.

Nach oben