Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

Advent und Weihnachten mit Leben gestalten

„Alle Jahre wieder“. Damit daraus nicht „Schon wieder“ und „Jedes Jahr das Gleiche“ wird, lohnt ein neuer Blick auf das alte Fest. Zum Beispiel ein mediendidaktischer – am Beispiel des Lehrwerks „Leben gestalten 1“ in der N-Ausgabe.

Das Kapitel zu den Festen in „Leben gestalten 1“ beginnt auf S. 97. Und die Kapitelauftaktseite sieht aus wie ein Druckfehler: Ein Bild ist da zu sehen, doch erkennbar ist nichts. Die Farben sind verschwommen und verwischt. Ein Fehldruck? Ein Fehler im Herstellungsprozess?

Weder das eine noch das andere ist richtig. Das merkwürdig gedruckte Bild ist ein Stereogramm, eine dreidimensionale Darstellung. Mit etwas Übung und Konzentration lässt sich ein Weihnachtsbaum entdecken: Man muss sich auf einen Punkt jenseits des Bildes konzentrieren, um ihn wahrnehmen zu können.

Feste brauchen den zweiten Blick, heißt das. Den Blick hinter die Kulissen. Feste enthalten Geheimnisse. Die katholische Liturgietradition nennt das Wort sogar ganz explizit: Da ist dann vom „Festgeheimnis“ die Rede.

Schon über dieses Stereogramm kann man jetzt im Advent im Unterricht viel nachdenken: Wer sieht es überhaupt? Was ist mit denen, die nicht sehen können – aus körperlichen Gründen oder weil sie den „Trick“ nicht herausbekommen? Sind die „festblind“? Oder gibt es ein Fest in mehreren „Hinsichten“? Gerade von Weihnachten wird man genau das behaupten können: Christinnen und Christen feiern ganz unterschiedlich. Es gibt die unterschiedlichsten Bräuche und Traditionen, je nach Konfessionen, Ländern und Regionen. Feiern da alle noch dasselbe? Nur auf je ihre Weise? Oder gibt es ganz viele Feste und Festbräuche, die sich nur zufällig alle auf einen Termin konzentrieren? Und gibt es neben der christlichen Weihnacht nicht auch noch viele weitere verschiedene Weisen, das Fest zu feiern?

Tipp zum Weiterlesen: Feiern Muslime Weihnachten?

Als kreative Fortsetzung zu diesen Überlegungen könnt ihr so ein Stereogramm auch im Unterricht erstellen. Dazu braucht es keine aufwändige Ausstattung mit Stereoobjektiven. Ein Smartphone, Tablet und/oder ein PC mit einem einfachen Grafikprogramm genügen. Recherchiert nach Tutorials für die Gestaltung von Stereogrammen und probiert es aus. Und dann sind die Lernenden dran – sie können Gegenstände und Symbole rund um das Weihnachtsfest als Stereogramm gestalten. Dazu müssen sie zunächst entsprechende Gegenstände und Symbole identifizieren und Bilder davon besorgen – eine basale religiöse Kompetenz. Jedes Bild enthält eine Deutungsperspektive auf das Fest – eine weitere religiöse Kompetenz.

Die fertigen Stereogramme können zunächst in der Gruppe vorgestellt werden. Und wenn daraus dann eine Weihnachtsausstellung für den zweiten, den tieferen oder anderen Blick wird, ermöglichen Medien religionsbezogene Kommunikation und Partizipation! Für die Betrachterinnen und Betrachter entsteht eine Ausstellung mit hohem Aufforderungscharakter und mit einem mehrfachen mediendidaktischen Wert: Der „andere“ Blick wird ja medial ermöglicht.

Diese ungewöhnlichen Darstellungen regen auch dazu an, im Austausch nach den „gewöhnlichen“ Medien zu fragen: Warum ist Weihnachten überhaupt so ein Medienereignis – in Gestalt von Weihnachtsfilmen, Weihnachtsliedern (von traditionell über kitschig bis Pop) und, ganz basal, Weihnachtsgeschichten? Verrätseln die auch etwas? Was ist eigentlich die Botschaft hinter all den Geheimnissen?

Und schließlich lässt sich natürlich auch diese Frage stellen: Was sehen eigentlich die, die in den Stereogrammen „nichts“ sehen?

Ein Medium nimmt Weihnachten ganz neu in den Blick. Lasst euch faszinieren und inspirieren! Frohe Weihnachten!

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Über den Autor

Prof. Dr. Markus Tomberg

Prof. Dr. Markus Tomberg ist katholischer Theologe. Er lehrt als ordentlicher Professor für Religionspädagogik an der Theologischen Fakultät Fulda und ist Herausgeber der Lehrwerksreihen Leben gestalten N, Leben gestalten S und Leben gestalten Oberstufe.

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