Diese Frage kann man aus zwei Perspektiven beantworten: Aus theologischer Perspektive, die die inhaltliche Bedeutung religiöser Rituale in den Blick nimmt und aus der Perspektive der in Europa lebenden Muslime, die individuell entscheiden, auf welche Weise eigene und andere religiöse Traditionen eine Rolle spielen.
Aus islamischer Sicht hat Weihnachten als religiöses Fest keine Bedeutung. Jesus, dem aus christlicher Sicht gerade zu Weihnachten große Beachtung geschenkt wird, hat auch im Islam eine besondere Stellung. Er wird als einer der größten Propheten in der islamischen Tradition geehrt. Im Koran wird vor allen Dingen über seine Geburt und über seinen Status gegenüber Gott berichtet.
Jesus und Maria im Koran
Maria, arabisch Maryam, ist im Koran eine ganze Sure mit ihrem Namen gewidmet. Sie wird als äußerst gläubige Frau beschrieben, der eines Tages Engel Gabriel erscheint, um ihr die Geburt von Jesus anzukündigen: „(…) O Maryam, Allah verkündet dir ein Wort von Ihm, dessen Name al-Masīḥ ʿĪsā (Jesus), der Sohn Maryams ist, angesehen im Diesseits und Jenseits und einer der (Allah) Nahegestellten…“ (Al-i-IImran (3): 45-46). Maria ist daraufhin sehr bestürzt, da sie bislang unberührt ist. Im Koran wird beschrieben, wie Jesus sie als Baby aus seiner Wiege heraus verteidigt, nachdem die Gesellschaft Maria über ihre Empfängnis befragt: „Ich bin wahrlich Allahs Diener; Er hat mir die Schrift gegeben und mich zu einem Propheten gemacht. Und (…) angeordnet hat Er mir, das Gebet (zu verrichten) und die Abgabe (zu entrichten), solange ich lebe, und gütig gegen meine Mutter zu sein (…)“ (Maryam (19): 30-32). Jesus werden im Koran weitere Wunder zugeschrieben, unter anderem, dass er Kranke heilen und Tote ins Leben zurückholen konnte (Al-i-IImran (3): 49).
Jesus als Prophet Gottes im Koran
Das Verhältnis zwischen Gott und Jesus wird als das eines von Gott gesandten Propheten beschrieben, der mithilfe des zu überbringenden Evangeliums die Aufgabe hat, Gottes Botschaft an die Menschen weiterzugeben. So schildert es Jesus selbst im Koran „(…) ‚Gewiß, Allah ist mein Herr und euer Herr; so dient Ihm. Das ist ein gerader Weg‘.“ (Al-i-IImran (3): 51). Damit wird ein essentieller Unterschied zwischen dem Christentum und Islam benannt: Aus islamischer Sicht ist Jesus ein Prophet, aber nicht Sohn Gottes. Dies wird bekräftigt durch die Sure al-Ihlas (112: 1-4), in der es heißt „Sag: Er ist Allah, Einer, Allah, der Überlegene. Er hat nicht gezeugt und ist nicht gezeugt worden, und niemand ist Ihm jemals gleich.“
Muslime und Weihnachten
Vor diesem Hintergrund wird verständlich, dass Muslime mit Weihnachten ganz unterschiedlich umgehen. Während einige die christlichen Traditionen zwar wertschätzen, aber nicht übernehmen und demnach auch nicht feiern, schmücken andere einen Baum Zu Hause und beschenken sich. Diese Entscheidung wird individuell getroffen und weihnachtliches Gebäck oder die schöne Stimmung auf Weihnachtsmärkten kann man unabhängig davon genießen.
Islamische Festzeiten
Im Jahreslauf haben Muslime zwei Festzeiten, die ihnen so wichtig sind wie vielen christlichen Menschen Weihnachten: das Fest zum Fastenbrechen am Ende des Ramadans und das Opferfest zum Ende der Pilgerfahrt in Mekka. An diesen Festen wird gemeinsam gebetet, man besucht sich gegenseitig, genießt leckeres Essen und beschenkt sich – es ist also so festlich wie in der Weihnachtszeit.
Auf der Seite www.religionen-entdecken.de kann man noch mehr über den Islam und alle anderen Religionen nachlesen.
Zum Weiterlesen
Weitere Impulse und Unterrichtsmaterialien zum Thema „Muslime und Weihnachten“ findet ihr auch in unserem Blogartikel Weihnachten interreligiös.









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