Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

„Apostel der Iren“ – Der Heilige Patrick und die Christianisierung Irlands

Am 17. März feiert man insbesondere in Irland und Nordamerika den Saint-Patrick‘s-Day. Der Tag ist dem Heiligen Patrick gewidmet, der im fünften Jahrhundert zahlreiche Menschen zum Christentum bekehrt haben soll. Der Heilige Patrick soll am 17.03.461 n. Chr. ums Leben gekommen sein, der Tag seines Todes ist heute irischer Nationalfeiertag.

Ein bewegtes Leben im Nebel der Geschichte

Wie im Fall von vielen Heiligen gibt es heute wenig gesichertes historisches Wissen über den Heiligen Patrick. Von ihm selbst sind zwei Schriftstücke überliefert, sein Bekenntnis (dt. Text: Bekenntnis* | St. Patrick’s Confessio) sowie ein Brief an die Soldaten des Coroticus (engl. Text: Letter to the soldiers of Coroticus | St. Patrick’s Confessio). Die historisch verlässliche Aussagekraft der Schriften wird diskutiert. Ebenso ist das Geburtsjahr unbekannt, zur Welt gekommen ist er wahrscheinlich im heutigen Wales. Als Jugendlicher wurde er von keltischen Briganten nach Irland verschleppt, wo er die nächsten sechs Jahre die dortige Kultur und Sprache kennenlernte. Im Anschluss gelangte er nach Frankreich, wo er Theologie studierte und es in der kirchlichen Hierarchie bis zum Bischof geschafft haben soll. Danach kehrte er nach Irland zurück und begann sein Missionswerk. Vermutlich hatte Patrick in Irland mit Widerstand aus der heidnischen Religion zu kämpfen. Dennoch muss seine Missionstätigkeit aus christlicher Sicht sehr erfolgreich gewesen sein, auch wenn sein eigenes Zeugnis, dass er 365 Kirchen habe bauen lassen und selbst tausende Menschen bekehrt habe, etwas hochgegriffen erscheinen mag. Als ein wesentlicher Schlüssel für Patricks Erfolg gilt heute seine Sprachfähigkeit. Dadurch, dass er die irische Sprache erlernt hatte, konnte er während seiner Missionstätigkeiten sowie beim Gottesdienst darauf zurückgreifen, sodass seine Worte von den keltischen Stämmen Irlands wirklich verstanden werden konnten.

Patrick und die Legendenbildung

Die Verehrung des heiligen Patrick setzte bereits früh nach seinem Tod ein. Sie begann in Irland schon im 6. Jahrhundert, später dann auch in Frankreich. Schnell wurde er als Begründer der katholischen Tradition in Irland gepriesen. Zu den bekanntesten Legenden um sein Leben gehört, dass er den Iren die Dreifaltigkeit anhand eines Kleeblattes erklärt haben soll. Das Kleeblatt gilt deshalb auch heute noch als Wahrzeichen Irlands. Darüber hinaus soll er auch alle Schlangen von Irland nach England vertrieben haben, weshalb es bis heute auf der grünen Insel keine Schlangen mehr geben soll.

Dreifaltigkeit Kleeblatt

Heute ist das Gedenken an St. Patrick ungebrochen, wenn auch die Schwerpunkte sich innerhalb der Erinnerungskultur gewandelt haben. Es steht nicht mehr so sehr das religiöse Wirken Patricks im Vordergrund, sondern die Kommerzialisierung des Tages und der Person. So wird in Irland St. Patrick zunehmend zu touristischen Zwecken in Beschlag genommen, etwa in Form des St. Patrick’s Trail. Der St.-Patrick‘s-Day selbst, der nicht nur in Irland, sondern auch an der nordamerikanischen Ostküste, wo viele Amerikaner irische Wurzeln haben, gefeiert wird, ist ebenfalls stark durchkommerzialisiert. Am bekanntesten dürften die großen Paraden, Kostüme und allerlei grüne „Devotionalien“ sein, die für den St.-Patrick’s-Day erwerbbar sind. Unlängst sind Forderungen laut geworden, sich wieder stärker auf die Ursprünge des Tages zurückzubesinnen.

St. Patrick's Parade

Anknüpfungsmöglichkeiten im Unterricht

Eine als heilig geltende Person wie Patrick im Unterricht zu thematisieren, steht vor einer doppelten Herausforderung: Zum einen ist sind Begriff und Vorstellung von „heilig/Heiligkeit“ sperrig (hört dazu unser Erklär-Audio: Heilige, als Download unter diesem Beitrag), andererseits lassen sich historisch gesichertes Wissen und Legendenbildung zur Person oftmals nur schwer auseinanderdividieren. Eine Annährung an eine Person wie Patrick gelingt insbesondere dann, wenn die Lernenden erkennen, dass Patrick in seinem bewegten Leben auf Kraftquellen und Fähigkeiten zurückgegriffen hat, die auch in ihrem Leben heute zur Bewältigung eigener Herausforderung bedeutsam sein könnten. Als Einstieg kann dabei der Impuls stehen, darüber nachzudenken, mit welchen positiven wie negativen Herausforderungen die Lernenden im eigenen Leben zu tun haben, wie sie diese angehen und woraus sie ihre Motivation und Kraft schöpfen. Im Anschluss werden sie mit einem kurzen Zitat aus dem Bekenntnis des Heiligen Patrick konfrontiert, etwa den ersten Sätzen aus dem zwölften Abschnitt. Die Lernenden könnten Vermutungen anstellen, was die Person bedrückt und welche Art von Person dahinterstehen mag. Danach werden diese Aussagen Patricks z. B. zu einem Bildimpuls eines Umzugs am Patrick’s-Day in Kontrast gesetzt, sodass mindestens eine Irritation zwischen den Kontingenzaussagen Patricks und dessen Verehrung entstehen sollte. In der Erarbeitungsphase gehen die Lernenden der Geschichte und dem Wirken von Patrick selbst nach (s. z. B. Medientipps unten), sie können z. B. einen Steckbrief verfassen (nutzt dazu unsere Vorlage, als Download unter diesem Beitrag). Anschließend reflektieren die Lernenden in der Transferphase die Bedeutung von Patrick für ihr eigenes Leben, z. B: Wie hat er seine Herausforderungen gemeistert? Haben seine Lösungen auch für mich Bedeutung? Wer oder was hat ihm Kraft gegeben? Kann auch ich Kraft aus diesen Quellen schöpfen? Abschließend besteht die Möglichkeit, ein „Short“, ein kurzes Erklärvideo, für Patrick mit dem eigenen Smartphone zu erstellen, in dem die Lernenden ihm erklären, wie es nach seinem Tod mit ihm weitergegangen ist.

Kostenlos zum Download

Ist der St. Patrick’s-Day Thema in eurem Unterricht? Haben Heilige wie Patrick den Lernenden überhaupt noch etwas zu sagen? Was meint ihr?

24 Personen haben sich für diesen Beitrag bedankt.
Danke!

Über den Autor

Dr. Peter Ley

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und verstanden.

Nach oben