Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

Methodenfeuerwerk vs. Sinnhaftigkeit (digitaler) Methoden im Unterricht

Schule und Unterricht sind ständig im Wandel: Vom Frontalunterricht über Methodenvielfalt bis hin zum Onlineunterricht im 21. Jahrhundert.

7:30 Uhr irgendwo in Deutschland. Eine Schulklingel. Eine Lehrkraft, viele Lernende, 45 Minuten. Ordnung und Struktur. Aber was passiert in diesen 45 Minuten eigentlich? Ein ständiger Wandel. Während es für Oma und Opa noch üblich war, dass der Unterrichtsstoff frontal vermittelt wurde, rückte man von dieser Sozialform in den letzten Jahren immer weiter ab. Bildungsforschende sprachen sich für Methodenvielfalt im Unterricht aus.

Aber wie sinnvoll ist das überhaupt? Wenn nach der achten Unterrichtsstunde Lisa und Max gar nicht mehr wissen, mit wem sie in der ersten Stunde zusammen in der Gruppe gearbeitet haben oder mit wem sie eigentlich im Geschichtsunterricht in der Expertengruppe sind, dann sollten sich alle an Bildung Beteiligten nach der Sinnhaftigkeit der eingesetzten Methoden fragen.

Methodeneinsatz im Unterricht ist immer dann richtig, wenn er sinnvoll ist. Niemand sollte Methoden nur einsetzen, um Methoden eingesetzt zu haben. Jeder kennt noch diese Unterrichtsstunden, in welchen man selbst benotet wurde – irgendwann im Vorbereitungsdienst. Unterrichtsstunden, in denen es ein Feuerwerk an Methoden gab. Wenn nicht mindestens zwei Methodenwechsel stattgefunden hatten, konnte es schon gar keine gute Note mehr werden.

Aber warum ist aus Oma und Opa trotzdem was geworden – hatten sie doch durchgehend nur Frontalunterricht? Einfache Antwort: Die Jugendlichen müssen vom Unterricht begeistert werden, um etwas zu lernen!

Wie ihr das erreicht, ist zweitrangig. Zündet kein Methodenfeuerwerk, sondern entzündet die Begeisterung eurer Lernenden!

Denken wir uns an dieser Stelle einmal alle Hürden des digitalen Lernens weg, stellen uns vor, dass alle eine ausreichend schnelle, ruckelfreie Internetverbindung haben sowie hinreichend mit Rechnern und Software ausgestattet sind.

Gerne möchte ich euch drei Methoden vorstellen, die ich euch für den digitalen Einsatz in der Klasse empfehle – die jedoch auch analog gut funktionieren:

  • eine Methode zum Unterrichtseinstieg
  • eine für die Erarbeitung
  • und eine Methode zur Ergebnissicherung.

Der Wissensrucksack

Der Wissensrucksack eignet sich hervorragend, wenn ihr in ein neues Thema einführen möchtet. Jeder Lernende hat eine andere Lernausgangslage. Wenn ihr diese Methode digital durchführen möchtet, könnt ihr das Arbeitsblatt eurer Klasse im Vorfeld zur Verfügung stellen.

So geht‘s:

Die Lernenden beantworten die Fragen so gut sie können. Im Anschluss bittet ihr einige Jugendliche um Vorstellung ihrer Ergebnisse, um ein Stimmungsbild zu erhalten. Es kann auch ein Austausch in Zweier- oder Dreiergruppen stattfinden.

Elevator Pitch

Eine Methode für die Erarbeitungsphase ist der Elevator Pitch – die „Aufzugspräsentation“. Es handelt sich dabei um eine Methode mithilfe derer die „Mitreisenden“ von etwas überzeugt werden sollen. Eure Lernenden lesen zum Beispiel einen Text oder schauen sich eine Sequenz zu einem Thema an und sollen sich hierüber eine eigene Meinung bilden. Die Aufgabe besteht darin, genügend Argumente zu sammeln, indem sich eure Jugendlichen in einen virtuellen Aufzug begeben.

So geht‘s:

Jeder Jugendliche darf jederzeit in den Fahrstuhl ein- und auch wieder aussteigen. Bittet die Lernenden, dies über ihre Kameras zu steuern. Jeder, der sein Bild angeschaltet hat, befindet sich im Aufzug und darf sich mit den anderen „Mitreisenden“ unterhalten und kontrovers seine Argumente vorbringen. Möchte jemand aus dem Aufzug aussteigen, schaltet er seine Kamera aus. Ihr könnt natürlich ebenfalls jederzeit in den Aufzug ein- oder aussteigen.
Die Methode eignet sich besonders dann, wenn es zu einem Thema verschiedene Standpunkte gibt. Ich habe sie zum Beispiel in Zusammenhang mit der Erarbeitung der Frage „Ist würdevolles Sterben durch Sterbehilfe möglich?“ durchgeführt. Bei diesem sensiblen Thema haben Jugendliche sehr unterschiedliche Auffassungen. Die Methode eignet sich gut, um Pro- und Kontra-Argumente vorzutragen.

Die Hashtag-Methode

Die Hashtag-Methode eignet sich besonders gut für die Ergebnissicherung. Abhängig von der zur Verfügung stehenden Zeit innerhalb des Unterrichts kann die Anzahl der Hashtags variieren. Drei bis fünf Hashtags sind empfehlenswert.

So geht‘s:

Die Lernenden werden gebeten, die wichtigsten Unterrichtsinhalte als Hashtag auf ein Blatt Papier zu schreiben. Wichtig: Ein Hashtag besteht immer aus nur einem Wort. Dies macht es für Lernende teilweise kompliziert, die Unterrichtsinhalte zusammenzufassen. Anschließend stellen die Jugendlichen ihre Hashtags kurz vor.

Variante 1: Lasst das Thema der Unterrichtsstunde in Form einer Textnachricht mit 160 Zeichen zusammenfassen.

Variante 2: Lasst zum Stundenthema ein Ein-Minuten-Statement vorbereiten.

Bleibt bei eurer Unterrichtsvorbereitung entspannt. Ab und zu eine Stunde Frontalunterricht ist nicht schlimm – und vielleicht sind euch Max und Lisa sogar dankbar dafür!? Methoden im Unterricht sollten immer dann eingesetzt werden, wenn sie zielführend sind!

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Über den Autor

Tim Reukauf

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