Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

Feste interreligiös: Von Pessach zu Ostern

Die Feste Pessach und Ostern stehen unmittelbar vor der Tür. Pessach und Ostern sind im Judentum und im Christentum von zentraler Bedeutung. Schaut man genauer hin, finden sich etliche Gemeinsamkeiten. Diese reichen von theologischen Analogien wie dem Motiv der Freiheit und dem des neuen Lebens bis hin zu konkreten Praxen während der Feiertage. Das wundert nicht. Denn Jesus selbst war Jude.

Das jüdische Pessachfest

Das jüdische Pessachfest beginnt am Vorabend zum 1. Vollmond nach der Tag- und Nachtgleiche im Frühling, im jüdischen Monat Nissan und dauert eine Woche. Es erinnert an den Auszug der Israeliten aus Ägypten und der Befreiung aus der Sklaverei. Pessach wird jährlich gefeiert und ist ein Fest der Freiheit, des Neubeginns und der Hoffnung. Pessach bedeutet „hinwegschreiten, verschonen“ (2. Mose 12).

Das Pessachfest beginnt mit dem Pessach-Seder, ein Abendmahl mit einer festen Ordnung (Seder), das mit der großen Familie und Freunden gefeiert wird. Um diese Ordnung zu halten, wird aus der Haggada gelesen: einem Buch mit der Reihenfolge des Sederabends, der Erklärungen der symbolischen Speisen, Segenssprüchen, Liedern und der Geschichte des Auszugs aus Ägypten. Vor dem Seder wird die Wohnung von gesäuerten Lebensmitteln gereinigt und die Kerzen vor Einbruch der Dunkelheit angezündet. Auf einem festlich weiß gedeckten Tisch steht ein Teller mit den „symbolischen“ Speisen (siehe „Pessach feiern“), die an die Auszugsgeschichte erinnern und an diesem Abend erklärt und auch gegessen werden. Der Pessach-Seder beginnt mit dem Kiddusch, dem Segen über dem Wein. Es folgt die Handwaschung, das Eintunken von Kräutern in Salzwasser und das Brechen der Mazza (Brot). Dazu gibt es jeweils einen Segensspruch. Anschließend wird die Auszugsgeschichte erzählt.

Für die Erarbeitung des Pessachfestes im Unterricht kann ein Erklärfilm auf der interreligiösen Webseite relithek.de angeschaut werden.

Ergänzend dazu dienen folgende Materialen:

Das christliche Osterfest

Das Neue bzw. Zweite Testament berichtet davon, dass Jesus am Abend vor seiner Kreuzigung mit seinen Jüngern ein Mahl einnimmt. Traditionell wird an dieses Mahl am Gründonnerstag in den Gottesdiensten erinnert. Es wird am Abend vor Karfreitag, der Kreuzigung Jesu, als Abendmahl/Kommunion gefeiert. In der Forschung ist umstritten, was es mit diesem Mahl Jesu eigentlich auf sich hatte. Ist es ein Mahl, wie man es zu Pessach eingenommen hat, oder ist es einfach nur ein Abschiedsmahl? Die Überlieferung der Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas legen Ersteres nahe. Die Erzählung im Johannesevangelium lässt vermuten, dass das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern kein Pessachmahl war. Gleichwohl lassen sich zwischen Pessach, das zum Zeitpunkt des Todes Jesu in Jerusalem gefeiert wurde, und dem Osterfest gewisse Analogien feststellen. Denn Jesus war ja Jude. Warum also sollte dies nicht auch eine Rolle für ihn gespielt haben?

Für die Erarbeitung des Osterfestes kann Folgendes verwendet werden:

Von Pessach bis Ostern

Der Ostsonntag wird am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang gefeiert. Pessach und Ostern finden also fast zeitgleich statt. Aber nicht nur die zeitliche Nähe verbindet beide Feste. Es gibt einige Analogien, angefangen vom gemeinsamen Mahl bis hin zur Bedeutung der Traditionen rund um Pessach und Ostern.

  • In beiden Festen spielen z. B. die Elemente Brot und Wein eine entscheidende Rolle. Jesus deutet sie bei seinem Mahl: Das Brot steht für seinen Leib. Der Wein für sein Blut. Beim Pessachmahl erinnert das „Brot“ an das ungesäuerte „Brot“ beim Aufbruch aus Ägypten, die Mazza. Der Wein ist ein Symbol der Freude und der Dankbarkeit, weil Gott das Volk aus der Sklaverei erlöst hat.
  • Bei beiden Festen spielt das geopferte Lamm eine besondere Rolle. Bei Pessach „rettet“ das Blut des geopferten Tieres die Erstgeborenen der Israeliten. Beim Osterfest wird Jesus mit dem wahren Lamm verglichen, das die Menschen vom Tod errettet (hier Joh 1,29b).
  • Bei beiden Festen geht es um das Motiv der Befreiung: Moses befreit die Israeliten aus der Sklaverei und führt sie durch die Fluten des Meeres in die Freiheit. Jesus befreit von der „Herrschaft“ des Todes und geht durch den Tod hindurch zu neuem Leben.

Ob die Bezüge zwischen beiden Festen im Unterricht bearbeitet werden, entscheidet ihr selbst, in Abhängigkeit vom Lernstand eurer Gruppe. Beide Feste können getrennt voneinander behandelt werden. Beide Feste können aber auch in ihrem Bezug zueinander erschlossen werden, um auf die enge Verwobenheit von Christentum und Judentum hinzuweisen.

Von Pessach bis Ostern: Der kleine Durchlauf durch diese beiden Hauptfeste in Judentum und Christentum zeigt, wie nah sich die beiden Religionen bei aller Verschiedenheit sind. Es lohnt sich in jedem Fall, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen!

Zum Weiterlesen

Über die Autorinnen

Was ich beruflich mache: Studienleiterin am Religionspädagogischen Institut in Frankfurt

Was mir Spaß macht: Lesen, Joggen und Sport, unsere Hündin

Freiberufliche Referentin für jüdische Kultur

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