Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

Franz von Assisi. Tierschützer, Minimalist und Friedensstifter

Der mit den Tieren spricht: Franziskus – nicht erst, seit Jorge Bergoglio sich als Papst so genannt hat, ist als der mittelalterliche Aussteiger in vieler Munde. Bereits 1979 wurde Franz von Assisi von einem anderen Papst, nämlich von Johannes Paul II., zum Patron des Umweltschutzes ernannt. Alois Prinz hat über den „Poverello“ eine Biografie für Jugendliche geschrieben. Ich habe sie für euch gelesen.

Franziskus – oder Franz von Assisi – ist religionsdidaktischer Standard. Sein Sonnengesang lässt sich lernen und weiterdichten und wurde – bis zum Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegen den Autor von „Laudato si“  – wohl auch gern gesungen. Legenden, die von ihm erzählt werden, besonders bekannt die sogenannte „Vogelpredigt“, veranschaulichen sein Leben und seine Botschaft und eröffnen einen Zugang zur religiösen Sprache.

Kirchengeschichte erhält mit ihm ein freundliches, angesichts seiner Unterredung mit Sultan al-Kamil während der Kreuzzüge sogar interreligiös sensibles Gesicht. Nicht umsonst hat es diese Begegnung 2019 auch auf eine Briefmarke der Deutschen Post geschafft: Bundesfinanzministerium – 1219 – Franziskus und der Sultan! Mit Franziskus lässt sich gut Schule machen!

 Eine Reise …

Alois Prinz nähert sich dem mittelalterlichen Heiligen anders. Im Juli 2021, so erzählt er, „wanderte ich auf dem Franziskusweg in Italien, von Assisi nach Rom.“ Über die Landschaft, mit der Franziskus „verwachsen“ war, und zu Fuß soll eine Begegnung möglich werden. Denn: „Das Zufußgehen war ein Ausdruck seines Glaubens, eine Botschaft, eine Lebensform. Also ging ich los“ (S. 7). Und, anders als die Tradition und die Legenden es wollen, durchaus komfortabel: Prinz bewegt sich auf den Spuren Franziskus‘ als „ein moderner Mensch, ausgestattet mit allem Möglichen, das die Freizeitindustrie zu bieten hat, von der Sonnenbrille über den Rucksack bis zu den neuen Trekkingschuhen. Ganz zu schweigen vom Handy samt Powerbank und der Brieftasche mit Kreditkarte“ (S. 9).

… voller Begegnungen

Doch trotz, vielleicht gerade wegen dieser erkennbaren Distanz zum Poverello eröffnen sich neue Perspektiven. Prinz führt seine Leserinnen und Leser zu vielen Begegnungen am Rand des Franziskuswegs. Angesichts der Corona-Pandemie sind das vorsichtige, Distanz haltendende Begegnungen. Aber gerade sie eröffnen eine neue Begegnung mit dem Kaufmannssohn aus Assisi.

Der muss vielen damals tatsächlich verrückt (vgl. S. 65) vorgekommen sein. Besonders deutlich wird das an der berühmten Szene auf dem Marktplatz von Assisi. Prinz erzählt sie so: Franz „ist kein Mann des Wortes. Wenn er etwas zu sagen hat, dann tut er das durch Handlungen und Gesten. Er beginnt sich auszuziehen, bis er nackt dasteht. Seine Kleider und das Geld übergibt er dem Vater, der gekränkt und grollend abzieht.“ Doch damit ist die Szene für Prinz nicht vorbei.

Franziskus geht für ihn auf Distanz: „Franziskus so splitternackt dastehen zu sehen, muss für die Menschen ein gewaltiger Schock gewesen sein. Nicht weil sie moralisch entrüstet waren, sondern weil die Botschaft dieses Aktes so körperlich eindringlich war. Franz ist nackt wie ein kleines Kind. Als ob er neu geboren werden würde. Buchstäblich kein Faden mehr verbindet ihn mit seinem alten Leben. Indem er mit seinem Vater bricht, bricht er mit der Welt der Bürger, mit ihren Werten wie Geld, Besitz, Erfolg, Macht, Gewalt.“ (S. 66f.)

Auf der Suche nach Franz von Assisi und seiner Religion

Auf seiner Reise durch die Toskana, durch Umbrien und durch die Marken begegnet Prinz so nicht nur Franz von Assisi auf eine neue Weise. Er trifft auch auf Menschen, die Momente des Gedenkens an Franz bis heute wachhalten. Mit ihren Geschichten verwebt er kunstvoll Episoden aus dem Leben des Heiligen. Den erlebt Prinz als guten Menschen – und als jemanden, der aus religiösem Antrieb handelt. Ohne diesen Antrieb, so Prinz, ist sein ganzes Leben nicht zu verstehen. Aber es gilt auch umgekehrt: Was Religion ist und bewirken kann, zeigt sich im Leben des Poverello aus Assisi.

Ihr merkt schon: Es lohnt sich, mit Prinz auf Franz zu schauen. Das Buch lohnt als Ferienlektüre, passt in den Herbst (am 4. Oktober ist der Gedenktag des Heiligen) oder auch in euren Unterricht. Und wäre es nur, indem ihr es einigen Lernenden für ein Referat empfehlt!

Nach Paulus, Jesus Christus, Dietrich Bonhoeffer oder auch Ulrike Meinhof jetzt Franz von Assisi: Alois Prinz interessiert sich sehr für Menschen, die aus einer intensiven Intuition, das Richtige zu tun, handeln. Für den Religionsunterricht sind seine Biografien ein Glücksfall. Denn es gelingt Prinz immer wieder, auch die ganz großen Figuren gegen den Strich zu bürsten, Brüche und Widersprüche aufzuzeigen. Und dabei konsequent nachzufragen: Warum handeln sie so, wie sie handeln? Ich finde: Das lohnt.

Textzitate: Alois Prinz: Franz von Assisi. Tierschützer, Minimalist und Friedensstifter. Biografie über den Heiligen Franziskus. Thienemann Stuttgart 2023

Franz von Assisi

von Alois Prinz
272 Seiten
Thienemann, ISBN 978-3-522-30590-7

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Über den Autor

Prof. Dr. Markus Tomberg

Prof. Dr. Markus Tomberg ist katholischer Theologe. Er lehrt als ordentlicher Professor für Religionspädagogik an der Theologischen Fakultät Fulda und ist Herausgeber der Lehrwerksreihen Leben gestalten N, Leben gestalten S und Leben gestalten Oberstufe.

Ein Kommentar

  1. Markus Hartl 7. Oktober 2024 um 12:10 Uhr - Antworten

    Vielen Dank für die interessanten Informationen. In Zeiten des Klimawandels und dem Aussterben zahlreicher Tierarten ist Franz von Assisi aktueller denn je.

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