Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

KI im Ethik- und Philosophieunterricht: Im Gespräch mit Philosoph*innen

Eine vielfach genannte Idee zum Einsatz von KI ist, sie zu benutzen, um mit historischen Persönlichkeiten ins Gespräch zu kommen. Auch in der Philosophie könnte es spannend sein, direkt mit Denker*innen wie Friedrich Nietzsche, Margaret Cavendish oder Platon zu diskutieren.

In einer typischen Unterrichtseinheit im Fach Ethik oder Philosophie setzen sich die Lernenden mit dem Leben und den Gedanken unterschiedlicher Philosoph*innen auseinander. In der Regel geschieht dies anhand von Texten. Um die Erarbeitung abwechslungsreicher zu gestalten, können die Lernenden in einer interaktiven Unterrichtsstunde eine KI nutzen, die die Rolle von Philosoph*innen einnimmt. So kann diese Person von den Jugendlichen direkt „befragt“ werden, was eine neue, motivierende Auseinandersetzung mit den Inhalten befördern kann.

Im Gespräch mit Philosoph*innen: Impulse für den Unterricht

Der erste hier vorgestellte Einsatz eines Chatbots ist relativ unkritisch, da die Fehlerwahrscheinlichkeit relativ gering ist und Informationen ggf. leicht zu überprüfen sind.

  • Die Lernenden wählen eine/einen Philosoph*in aus, die sie vorstellen möchten. Dazu befragen sie die KI nach biografischen Daten und Details aus dem Leben der Person und zu den hauptsächlichen Inhalten ihrer Arbeit. Im Anschluss fassen sie die Ergebnisse in einer eigenen Präsentation zusammen (Steckbrief, Lebenslauf, Interview…).

Bei den folgenden Ideen ist zu bedenken, dass die KI unter Umständen komplexe Theorien von Philosophen und Philosophinnen nicht ganz exakt oder nur vereinfacht darstellt. Die Lernenden können sich daher nicht darauf verlassen, dass ihre „Gesprächspartner“ immer die richtige Auskunft geben. Auch werden in einem Gespräch keine Quellen angegeben, sodass eine direkte Überprüfung der Chat-Antworten nicht möglich ist. Dennoch kann es ein Gewinn sein, sich auf diese Weise mithilfe einer KI einen Überblick über Leben und Denken eines Philosophen oder einer Philosophin zu verschaffen.

  • Die Lernenden überprüfen zum Ende einer Unterrichtseinheit, was sie von den Theorien der behandelten Philosoph*innen verstanden haben. Dazu gehen sie mit der KI-Persönlichkeit ins Gespräch und stellen ihr ihr Verständnis vor. Dann bitten sie um Rückmeldung, fragen nach, erörtern offene Punkte usw. Durch diesen direkten Austausch können Unklarheiten aufgedeckt und kann ein vertieftes Verständnis erzielt werden.
  • Die Lernenden bitten die Philosoph*innen zu Beginn einer Einheit, einzelne Aspekte ihrer Theorie zu erläutern. Sie stellen Nachfragen, bis sie glauben, diesen Aspekt verstanden zu haben. Daraufhin erarbeiten sie den Aspekt mithilfe der „klassischen“ Texte und vergleichen die Ergebnisse. Ggf. können sie die KI anschließend mit Unterschieden und fehlerhaften Darstellungen konfrontieren.
  • Die Lernenden nehmen eine Gegenposition zu derjenigen der Philosoph*innen ein und versuchen im Gespräch, diese von ihrer Meinung zu überzeugen. Auf diese Weise schulen die Lernenden nicht nur das inhaltliche Verständnis, sondern zusätzlich ihre Fähigkeiten im Argumentieren.
  • Die Lernenden stellen den Philosoph*innen Fragen zu aktuellen Problemen (z. B. in Form von Fallbeispielen) und erörtern mit ihr die Ergebnisse, bis sie eine schlüssige Antwort erhalten. So bekommen die Jugendlichen einen ersten Eindruck davon, wie die Theorien der Philosoph*innen auch auf die heutige Zeit übertragbar sind und in ihrem Leben angewendet werden können, auch wenn die Ergebnisse wegen der zeitlichen Differenz nicht immer ganz stimmig sind.
  • Die Lernenden stellen den Philosoph*innen ein konkretes Problem (auch hier eignen sich Fallbeispiele) vor, das sie mithilfe der Theorie der Befragten bearbeitet haben. Die Lernenden bitten die Philosoph*Innen um eine Beurteilung ihrer Arbeit und kommen im zweiten Schritt ins Gespräch über Stärken und Schwächen der Theorien.

Linktipps

Einfacher wird der Einsatz im Unterricht, wenn man auf vorgefertigte Profile von Philosoph*innen zurückgreifen kann. Ihr findet dazu immer mehr Beispiele auf verschiedenen Internetseiten, zum Beispiel:

Generell sollte am Ende einer solchen Unterrichtseinheit eine Reflexion und eine kritische Einordnung erfolgen, um den Lernenden auch die Grenzen dieser Methoden bewusst zu machen. Insgesamt können die Chatbots den Unterricht aber an vielen Stellen bereichern und es lohnt sich, sich einmal mit Platon zum Tee zu verabreden!

Produktempfehlungen

3 Personen haben sich für diesen Beitrag bedankt.
Danke!

Über die Autorin

Inga Piel

Ich bin Gruppenleiterin für den Bereich Religion/Ethik im Ernst Klett Verlag. Studiert habe ich Deutsch und Philosophie SII/SI auf Lehramt. Nach dem Staatsexamen und dem Referendariat habe ich zuerst drei Jahre als Lehrkraft an einem Gymnasium und einer Realschule unterrichtet, bevor ich dann durch einen Zufall auf ein Stellenangebot eines Verlages stieß. Ich wollte unbedingt etwas Neues ausprobieren, bin in die Verlagsbranche gewechselt und dort „hängengeblieben“. Denn es macht mir ebenso viel Spaß, gute Schulbücher herzustellen wie sie zu benutzen.

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und verstanden.

Nach oben