Memes sind seit einigen Jahren für viele Menschen zum täglichen Begleiter geworden. Das Internetphänomen kann auch im Unterricht gewinnbringend zum Einsatz kommen.
Was sind Memes?
Wer das Internet nutzt, kommt an Memes praktisch nicht mehr vorbei: Die witzigen Bilder werden im Netz über Social Media verbreitet und in vielen Freundesgruppen sogar auf täglicher Basis ausgetauscht.
Einfach gesagt handelt es sich hierbei um Bilder, die mit kurzen Texten kombiniert werden und zum Lachen anregen sollen. Prinzipiell kann alles ein Meme werden: ein Ausschnitt aus einem Film oder den Nachrichten, ein Foto einer Person oder auch eine Zeile aus einem Song. Entscheidend ist, dass die Bilder durch die Textkommentare einen anderen, komischen Sinn erhalten. Bei erfolgreichen Memes, die sich massenweise verbreiten (also „viral gehen“), bilden sich dadurch bestimmte Verwendungskonventionen heraus. Auf Websites wie knowyourmeme.com kann sogar nachgelesen werden, welche Bedeutung bekannte Memes haben und wie sie entstanden sind.
Warum Memes im Unterricht einsetzen?
Das Anschauen, Verbreiten und Verschicken von Memes gehört heute ganz selbstverständlich zum Alltag vieler Jugendlicher. Mehr als jeder Dritte ist dabei der Meinung, dass es sich dabei um Kunst handelt (siehe Infografik: Mehr als jeder Dritte nutzt Memes | Statista). Zweifellos ist vielen ein künstlerischer Wert nicht abzusprechen, verlangt ihre Erstellung doch Vorstellungskraft, Ideenreichtum und eine Portion Humor. Darüber hinaus sind ggf. ein analytischer Blick auf aktuelle gesellschaftliche Themen sowie die notwendigen handwerklichen Fähigkeiten zu ihrer Gestaltung nötig. Indem ein Meme das Prinzip der Inkongruenz nutzt, initiiert es auf Seiten der Lernenden einen Verstehensprozess. Damit einhergehend gibt es weitere gute Gründe, Memes im eigenen Unterricht einzusetzen oder sie gar von den Lernenden selbst (z. B. als Projekt- oder Lernaufgabe) gestalten zu lassen:
| Von Lehrenden eingesetzte Memes | Von den Lernenden selbst gestaltete Memes |
|---|---|
… lockern den Unterricht auf. … machen den Unterricht interessanter. … können motivierend wirken. … fördern kritisches Denken. | … fördern die Kreativität. … fördern kritisches Denken. … fördern die Medienkompetenz. … fördern den Umgang mit dem Urheberrecht. |
Wie bzw. wo lässt es sich im Unterricht einsetzen?
Memes lassen sich grundsätzlich in verschiedenen Phasen des Unterrichts einsetzen: Am Anfang einer Unterrichtsstunde kann das Zeigen von Memes beispielsweise als Gesprächsanlass dienen, um Vorwissen zu aktivieren und neugierig auf ein neues Thema zu machen. Häufig bieten die Aussagen der Memes auch Impulse, um vertiefend in eine Diskussion einzusteigen. Als Lehrkraft ist hier Kreativität bei der Erstellung gefragt, sollte der eigene Fundus nicht bereits geeignete Vorlagen liefern.
Mit selbstgestalteten Memes können die Lernenden nach der Erarbeitung eines Unterrichtsinhalts eine Transferleistung vollziehen und das bereits Gelernte anwenden. Als Lernaufgabe kann die Gestaltung zeigen, ob die vermittelten Inhalte verstanden wurden.

Besonders im Philosophie- und Ethikunterricht bietet sich die eigene Gestaltung von Memes durch die Lernenden an, da mit ihrer Hilfe u.a.
- auf ein moralisches oder ethisches Problem aufmerksam gemacht werden kann,
- ethische oder philosophische Positionen pointiert zusammengefasst werden können,
- ethische oder philosophische Perspektiven einander gegenübergestellt werden können.
Ein Meme im Ethikunterricht erstellen
In einem ersten Schritt sollte im Kurs festgelegt werden, zu welchem ethischen Problem oder zu welcher philosophischen Position die Lernenden die Memes erstellen sollen. Die Erarbeitung kann in Einzelarbeit oder gruppenweise erfolgen.
- In einem nächsten Schritt klärt die Gruppe, auf welche Weise die Memes erstellt werden können. Für die Erstellung bieten sich sogenannte „Mememaker“ in Form von Apps (z. B. „mematic“, „Memes“) oder webbasierte Memegeneratoren (z. B. makeameme.org, imgflip.com oder giphy.com) an.
Alternativ lassen sie sich auch „händisch“ erstellen, indem ausgedruckte Bilder beschriftet werden. - Anschließend wählen die Lernenden Bilder aus und beschriften diese. Zur Bildsuche eignen sich neben den genannten Seiten auch Plattformen, die Creative Commons-lizenziertes Bildmaterial anbieten.
- Unbedingt solltet ihr auf das Urheberrecht hinweisen und es erklären, denn auch Memes können gegen das Urheberrecht verstoßen (siehe dazu: Urheberrechtsverstoß durch Memes? Ja, das geht!)
- Nach der Fertigstellung der Memes werden diese veröffentlicht und vorgestellt. Dabei ist zu beachten, dass sie nur in einem der Gruppe zugänglichen Raum gezeigt werden dürfen (s. o.) bzw. Verwertungsrechte mit der Urheberin/dem Urheber geklärt werden müssen, sofern sie darüber hinaus präsentiert werden sollen. Die Präsentation kann z. B. über eine digitale Lern- oder Schulplattform geschehen oder als virtuelle Ausstellung (siehe dazu auch dieser Blogartikel) im Kursraum vorgenommen werden.
- Abschließend reflektieren die Lernenden die Memes bzw. die Arbeit daran, z. B.:
– Gab es Schwierigkeiten bei der Erstellung?
– Ist die (ethische) Aussageabsicht verständlich?
– Ist das Meme kreativ gestaltet (Bildauswahl und Text)?
– Wie lässt es sich ggf. weiterentwickeln? - Entweder zur Differenzierung von Anfang an oder aber als Vertiefung bietet sich an, anstelle eines einzelnen Memes eine ganze Memegeschichte zu gestalten, d. h. ähnlich eines Comics sich aufeinander beziehende Bilder zu einer kleinen Geschichte zusammenzustellen.
Habt ihr schon einmal Memes im Unterricht verwendet? Für welche Unterrichtsphasen bzw. bei welchen Themen bietet sich das eurer Meinung nach am besten an?
Autorin/Autor: Sina Weiß, Dr. Peter Ley








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