Karl Marx bezeichnete Religion als Opium des Volkes, da sie die Menschen seiner Ansicht nach betäubt. Würde Karl Marx heute leben, würde seine Religionskritik anders ausfallen?
Wer die Kritik verstehen will, die Marx im 19. Jahrhundert geäußert hat, muss die Umstände verstehen, unter denen Marx seine Kritik formuliert hat.
Wo ist das Reich Gottes?
Das 19. Jahrhundert war geprägt von der sozialen Frage. Die Menschen arbeiteten in den neu gegründeten Fabriken für Hungerlöhne und lebten in großer Armut. Denken und Glauben dieser Menschen waren jedoch viel stärker als heute auf das Jenseits fokussiert. Das Reich Gottes, das Jesus in der Bergpredigt als ein Reich voller Gerechtigkeit präsentiert, war für die Menschen ein fernes Reich, das erst nach dem Tod erreichbar war und nicht ein Reich, das in der diesseitigen Welt umgesetzt werden sollte. Von der Kanzel kam entsprechend Vertröstung und keine Aufforderung zum Klassenkampf. Die katholische Kirche hatte vielmehr eigene Kämpfe mit dem Staat auszutragen, insbesondere den Kulturkampf und die Sorge über den zunehmenden Modernismus. Sozialistische Gedanken, wie die eines Karl Marx, waren eher besorgniserregend.Und die evangelische Kirche? Sie war politisch eng an den Staat gebunden, Kritik an einem ungerechten System war undenkbar. Die soziale Frage war zu diesem Zeitpunkt eine Frage einzelner herausragender Kirchenvertreter (in beiden Konfessionen), aber nicht der Kirchen in ihrer Gesamtheit.
Die Menschen vertrösten, beruhigen und schweigen, das war Marx ein Dorn im Auge.
Etwas ändert sich
Mit Marx im Unterricht die richtigen Fragen stellen
Damals hatte Marx nicht ganz unrecht. Und heute? Das Reich Gottes wird von den Kirchen nicht mehr bloß als geistiges Reich verstanden, sondern als ein im Diesseits angebrochenes Reich, an dessen Verwirklichung alle Christinnen und Christen mitarbeiten sollen. Wer an die Leistungen der Befreiungstheologie in Südamerika denkt, an die Leistungen der Kirchen bei den Protesten in der DDR, an Christinnen und Christen, die sich heute deutlich aus dem eigenen Glauben heraus gegen eine menschenverachtende Politik einsetzen, erkennt, dass Religion schon lange kein Betäubungsmittel mehr ist, um Menschen ruhig zu halten. Im Gegenteil, heute kritisieren Politikerinnen und Politiker die Kirchen dafür, sich zu sehr einzumischen. Marx‘ Kritik an der Religion würde heute ins Leere laufen.
Aber an diesem Punkt sollte man nicht stehen bleiben: Marx‘ Gedankengang ist höchst aktuell. Nur das Bezugsobjekt muss getauscht werden. Die Lernenden können entsprechend diskutieren, was heute die Rolle des Opiums für das Volk eingenommen hat (z. B. Sport, soziale Medien, Gaming, Künstliche Intelligenz) und inwiefern diese durch Marx‘ Kritik getroffen werden. Als Hilfestellung für eine solche Unterrichtseinheit findet ihr am Ende des Beitrags ein passendes Material mit historischen Informationen, Primärliteratur und passenden Arbeitsanregungen zum Download.
Auch wenn Marx‘ Kritik im Detail nicht mehr zutrifft, kann seine Perspektive auch heute noch helfen, die richtigen Fragen an Gesellschaft und Staat zu stellen. Dabei wünsche ich euch und euren Lernenden viel Erfolg!
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Passend zum ergänzten Thema „Religion – ‚Opium des Volkes‘? Die Religionskritik von Karl Marx“ im Themenfeld „Religionskritik“ des hessischen Kerncurriculums SII, Katholische Religion, 2024.








GLAUBENSFRAGEN
Man kann an so vieles glauben,
einem Gott Vertrauen schenken.
Doch sollte man sich erlauben,
zuweilen selber zu denken.😉
Wer ist Gott, und wenn ja, wie viele?
Welche Religion führt zum Ziele?
Gott im Himmel oder im Hirn?
Da glüht so manche Denkerstirn.
Wir lesen Bibel und Koran,
die Veden und Zarathustra.
Was ist der große Weltenplan?
War Gott oder Mensch zuerst da?
Gott ist in uns, in jeglichem Getier,
in toter Materie, sprießender Flur;
in allem, was am Himmel sehen wir,
in des Universums Architektur.
Es braucht kein höheres Wesen,
keine religiösen Thesen.
Der Humanismus kann geben
uns ein lebenswertes Leben.
Jeder kann glauben, was er will,
Frieden und Freiheit unser Ziel.
Es liegt alles in Menschenhand,
keine Himmelsmacht ist Garant.
Mit oder ohne Religion,
Welt ohne Kriege die Vision.
Rainer Kirmse , Altenburg
Herzliche Grüße aus Thüringen