Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

Welttag der sozialen Gerechtigkeit am 20. Februar

Es ist eine traurige Wahrheit, dass die Welt durch soziale Ungerechtigkeit geprägt ist. Jedes Jahr am 20. Februar, am Welttag der sozialen Gerechtigkeit, machen die Vereinten Nationen darauf besonders aufmerksam.

Soziale Ungerechtigkeit bestimmt den Alltag vieler Menschen weltweit. Rund 260 Millionen Menschen haben pro Tag weniger als 1,90 US-Dollar zu Verfügung. Es gibt soziale Ungerechtigkeit innerhalb einzelner Länder, in denen beispielsweise der Zugang zu Gesundheits- und Bildungsangeboten nur durch finanzielle Mittel erreicht werden kann oder bestimmten Gruppen, wie zum Beispiel Frauen, komplett versagt wird. Doch auch zwischen einzelnen Ländern besteht soziale Ungerechtigkeit: wenn der Wohlstand einer Gesellschaft auf Kosten einer anderen Gesellschaft erreicht wird.

Soziale Gerechtigkeit – schwierig in der Umsetzung

Um soziale Gerechtigkeit zu erlangen, braucht es Regeln für ein gerechtes Verhalten aller Akteure. Diese Regeln müssen allgemein akzeptiert werden und aus ihnen muss eine gerechte Güterverteilung abgeleitet werden. Die konkrete Ausgestaltung dieser Verteilung muss in einem gleichberechtigten Diskurs ausgearbeitet werden.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Irene Becker und der Wirtschaftswissenschaftler Richard Hauser haben für dieses Grundproblem das Modell eines magischen Vierecks entworfen. Soziale Gerechtigkeit muss in den Dimensionen Chancengerechtigkeit, Leistungsgerechtigkeit, Bedarfsgerechtigkeit und Generationengerechtigkeit entwickelt werden. Eine formale Umsetzung dieser Dimensionen ist aber nicht ausreichend. In Deutschland ist es beispielsweise gesetzlich geregelt, dass alle Menschen den gleichen Zugang zu Bildung haben. Faktisch sind jedoch Personen unterer Einkommensschichten nach wie vor mit hohen Hürden beim Zugang zu Bildung konfrontiert. Es braucht folglich mehr als staatliche Gesetze. Engagement für Gerechtigkeit ist auf allen gesellschaftlichen Ebenen gefragt.

Was ist gerecht?

Zur Annäherung an dieses Thema könnt ihr mit euren Lernenden zunächst diskutieren, was für sie überhaupt gerecht oder ungerecht ist. Dazu könnt ihr folgende Aussagen vorlesen und von den Lernenden bewerten lassen:

  • Du hilfst deinen Eltern im Haushalt. Sie haben dir dafür fünf Euro versprochen. Du bist fast fertig mit deiner Arbeit, da hilft deine Schwester auch noch ein paar Minuten mit. Eure Eltern geben jedem von euch fünf Euro.
  • Du teilst dir mit Freundinnen und Freunden eine Pizza. Jeder zahlt den gleichen Betrag. Alle können so viel essen, wie sie möchten. Manche schaffen zwei, andere drei Stücke.
  • Du und deine Freundin tragen Zeitungen aus. Jeder wird nach der Anzahl der Zeitungen bezahlt, die er oder sie ausgetragen hat.
  • In einem Supermarkt gibt es ein Gewinnspiel. Jeder 100. Besucher erhält einen Gutschein über zehn Euro. Eine fremde Person lässt dich an der Kasse vor. Dadurch bist du der 100. Besucher und gewinnst.

Beispiele von Ungerechtigkeit

Um den Welttag der sozialen Gerechtigkeit mit eurer Lerngruppe zu gestalten, könnt ihr sie zu einem konkreten Fall sozialer Ungerechtigkeit recherchieren lassen. Dabei können sie ihren eigenen Interessen folgen. Mithilfe der Beispiele könnt ihr dann am 20. Februar eine Ausstellung in der Schule gestalten und auf die Probleme hinweisen. Vorbereitend könnt ihr mit dem Material „Einsatz für soziale Gerechtigkeit“ arbeiten, welches ihr am Ende des Beitrags kostenlos herunterladen könnt.

Das Thema soziale Gerechtigkeit ist jeden Tag aktuell. Dennoch lohnt es sich, den 20. Februar zum Anlass zu nehmen, eure Lernenden für den Einsatz von sozialer Gerechtigkeit zu sensibilisieren.

Kostenlos zum Download

Produktempfehlung

Diese und viele weitere Kopiervorlagen findet ihr im Einfach Leben Kopiervorlagenband.

11 Personen haben sich für diesen Beitrag bedankt.
Danke!

Über den Autor

Claudius Kretzer

Ich arbeite als Lektor und Autor in den Bereichen Philosophie/Ethik sowie Religion.

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und verstanden.

Nach oben