Bereits seit Anfang Juni begegnen einem im Alltag vermehrt Regenbogenflaggen in jeglicher Form: Menschen lassen beispielsweise Fahnen aus dem Fenster hängen und viele Unternehmen ändern Logos oder machen gezielte Werbung zum sogenannten „Pride Month“. Im deutschsprachigen Raum kennt man ansonsten eher den Christopher Street Day (CSD). Die Hintergründe davon im Unterricht zu besprechen, stößt insofern bei vielen Lernenden auf Interesse und bietet sich besonders in den Fächern Ethik, Philosophie und Religion an, da hier schnell eine Brücke zu Lehrplaninhalten wie Toleranz und sexuelle Vielfalt geschlagen werden kann.
Der Christopher Street Day heute
Wie bunt es auf dem Christopher Street Day zugeht, können die Lernenden entweder durch eine Rechercheaufgabe selbst ermitteln oder durch von der Lehrkraft bereitgestellte Bilder erfahren (s. beispielsweise Bilder vom CSD 2021 in Berlin). Dies kann im Unterricht nicht nur einen ersten Eindruck der Feierlichkeiten vermitteln, sondern auch als Ausgangspunkt dienen, um zum Beispiel Fragen zu den zu sehenden Symbolen, Plakaten oder Abkürzungen wie LGBTIQ zu klären (s. Infokasten). Über eine Zuordnungsaufgabe (wie bei unserem Quiz zum Christopher Street Day) können die Begriffe und deren Bedeutungen beispielsweise von den Lernenden selbst erschlossen werden.
Wie der Fest- und Demonstrationstag heute gefeiert wird, kann auch ein Aftermovie vom CSD in Berlin 2021 zeigen: Der CSD heute wirkt für Zuschauende vordergründig wie eine Mega-Party: Die Teilnehmenden haben sich schrill herausgeputzt, tragen fantasievolle, teils sehr knappe Kostüme und tanzen zu lauter Musik durch die Straßen. Sie umarmen und küssen sich und fordern Liebe für alle. Doch in seinen Ursprüngen ist der CSD eigentlich eine sehr politische Veranstaltung, was für viele Teilnehmende auch immer noch im Vordergrund steht. Für den Unterricht kann es daher sinnvoll sein, diese Hintergründe mit den Lernenden näher zu beleuchten.
Infos zur Symbolik
Regenbogenfahne allgemein als Ausdruck der Hoffnung auf eine neue Zeit:
- Variante Pride Flag: 1978 in San Francisco entworfen, steht für die Vielfalt von Sexualität (Violett unten, Rot oben, insgesamt 6 Farben)
- Variante Anti-Kriegs-Flagge: 1961 in Italien entstandenen Pace-Fahne der Friedensbewegung (Violett oben, Rot unten, insgesamt 7 Farben)
LGBTIQ*: Lesbian – Gay – Bisexual – Trans – Intersex – Queer – Bezeichnungen für sexuelle Orientierungen und Identitäten
Die Ursprünge des Christopher Street Day
„Wie alles begann“ lässt sich ebenfalls über ein Video mit den Lernenden rekonstruieren: Homosexuellen Menschen war es zu jener Zeit verboten, sich in der Öffentlichkeit zu küssen oder sich in Bars zu treffen. Bei Zuwiderhandlungen wurden sie verhaftet. Die Polizei ging dabei oft gewaltsam vor. Dagegen baute sich in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 im „Stonewall Inn“, einer Schwulenbar in der Christopher Street in New York, großer Widerstand auf. Immer mehr Menschen demonstrierten und setzten sich in einer Straßenschlacht gegen die Polizei zur Wehr. Aus diesem Kampf entstand die „Gay Liberation Front“, die seit jener Zeit in der Öffentlichkeit für gleiche Rechte für Homosexuelle eintritt und bis heute viel für deren Gleichstellung erreichte.
Je größer der Erfolg der politischen Bewegung, desto unpolitischer scheinen die Christopher Street Day-Paraden geworden zu sein. Auf diese Kritik haben auch die Veranstalterinnen und Veranstalter anscheinend reagiert: So bezog sich das Motto 2018 „Mein Körper – meine Identität – mein Leben“ sehr auf das individuelle Standing, das aktuelle Motto – für Menschenrechte und Demokratie – greift dagegen eindeutig politische Forderungen auf – will also Party und Politik.
Mit einem kleinen Quiz kann das Gelernte am Ende einer solchen Erarbeitung abgeprüft werden. Je nach Lerngruppe können von hier aus verschiedene inhaltliche Schwerpunkte in der Unterrichtseinheit gesetzt werden.
Eine aktuelle Forderung des CSD lautet: „Wir fordern die deutschen Verlagshäuser Ernst Klett Verlag GmbH, Cornelsen Verlag GmbH und Westermann GmbH & Co. KG auf, Regenbogenfamilien und Diversität in Lehrmaterialien zu berücksichtigen und abzubilden.“ Was meint ihr dazu? Welche Wünsche hättet ihr hinsichtlich dieser Thematik an Unterrichtsmaterialien?
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In Leben leben 2 finden sich in Kapitel 2 Inhalte zu den Themen Liebe, Beziehung und sexuelle Identität.








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