Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

Denkmäler entdecken – Warum unser kulturelles Erbe zählt

Denkmäler sind mehr als langweilige alte Gebäude. Sie sind Zeugnisse vergangener Epochen, Kulturen und Ereignisse und damit ein zentraler Bestandteil unserer Gesellschaft. Sie erzählen nicht nur Geschichten, sondern machen sie auch sichtbar und helfen uns dabei, die Gegenwart besser zu verstehen und aus der Vergangenheit zu lernen. Gerade im Religions- und Ethikunterricht bieten sie so eine ungewohnte und spannende Einführung in verschiedene Themenbereiche.

Internationaler Denkmaltag

Neben historischen Bauwerken gibt es verschiedenste Denkmalarten, zum Beispiel Bodendenkmäler, Kunstwerke oder auch Industrie- und Infrastrukturbauten. Ein Denkmal ist also jedes Objekt, das aufgrund seiner geschichtlichen, künstlerischen oder kulturellen Bedeutung erhalten und geschützt wird. Gerade deshalb eignen sich Denkmäler hervorragend als Einstieg in den Unterricht. Sie ermöglichen einen anschaulichen Zugang zu Themen wie Philosophiegeschichte oder Aufbau und Bedeutung von Kirchengebäuden und regen zur Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gegenwart an.

Ein besonderer Anlass, sich damit zu beschäftigen, ist der Internationale Tag des Denkmals (International Day for Monuments and Sites) am 18. April. Dieser wurde 1982 vom internationalen Rat der Denkmalpflege ins Leben gerufen und 1983 von der UNESCO bestätigt. Ziel dieses Tages ist es, weltweit das Bewusstsein für die Vielfalt und zugleich die Verletzlichkeit unseres kulturellen Erbes zu stärken.

Denkmäler entdecken: drei Beispiele

Die Frauenkirche in Dresden

Wie sich Bedeutung und Zustand eines Denkmals im Laufe der Zeit verändern können, zeigt die Frauenkirche in Dresden. Heute ist sie ein Symbol der Versöhnung. Während der Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg kam es zum Feuersturm, in dessen Folge die Kirche am Morgen des 15. Februar 1945 einstürzte. Während der DDR-Zeit blieben die Trümmer über 45 Jahre unberührt und dienten als Mahnmal gegen den Krieg. Nach der Wiedervereinigung rief eine Bürgerinitiative zum Wiederaufbau auf. Der Wiederaufbau begann, zum Großteil finanziert durch Spendengelder aus aller Welt. Es wurden über 8000 Originalsteine aus dem Schutt geborgen und an ihrer ursprünglichen Stelle wieder eingebaut. Wenn man sich die Kirche heute anschaut, sieht man dunkle Steine in der ansonsten hellen Fassade. Das sind die Ruinenreste und verbildlichen so die „Narben“ der Vergangenheit. Die Kirche wird wieder für Gottesdienste und Andachten genutzt und ist so wieder Teil aktiven christlichen Lebens in Dresden.

La Sagrada Famila in Barcelona

Ein ganz anderes Beispiel ist die Sagrada Familia in Barcelona. Sie ist bis heute unvollendet und damit ein echtes Generationenprojekt. Die ursprüngliche Idee stammt von Josep Maria Bocabella, doch erst der Architekt Antoni Gaudí prägte die Gestaltung des Gebäudes entscheidend. Sein Entwurf umfasst 18 Türme und drei prachtvolle Fassaden. Gaudí selbst erlebte nur die Fertigstellung einer Fassade. Nach seinem Tod und durch die Zerstörungen im Spanischen Bürgerkrieg gingen viele Pläne verloren, sodass der Bau erst Jahrzehnte später fortgesetzt werden konnte. Finanziert wird der Bau der Basilika bis heute vor allem durch Spenden und Eintrittsgelder. Sie soll noch dieses Jahr fertig werden, zum 100. Todestag von Antoni Gaudí. Ob das wirklich möglich ist, ist noch abzuwarten. Doch auch in dieser Kirche finden regelmäßig Gottesdienste statt.

Das Hegel-Haus Stuttgart

Das denkmalgeschützte Hegel-Haus, das aus dem 16. Jahrhundert stammt,  lädt dazu ein, Philosophiegeschichte hautnah zu erleben. Das Musem befindet sich in der Stuttgarter Innenstadt und ist viel mehr als nur eine Gedenkstätte. Im Gebäude befindet sich das Hegel-Museum, das neben klassischen Exponaten, wie mit Hegel verbundenen Gegenständen, Briefen oder Notizbüchern, vor allem interaktive Stationen bereithält. Dazu gehört die multimediale Installation „Hegel für Anfänger“, die einen lebendigen Zugang zu seinen Ideen bietet, sowie ein „Escape-Room“. Hier tauchen die Schülerinnen und Schüler in Hegels Zeit an der Universität Jena ein und stehen vor der Aufgabe, die Veröffentlichung seines Hauptwerks „Phänomenologie des Geistes“ zu sichern.

Ideen für den Unterricht

Warum nicht Denkmäler aus der eigenen Umgebung in den Unterricht einbeziehen? Die Schülerinnen und Schüler können eigenständig recherchieren, welche Denkmäler es in der Nähe gibt, welche Geschichte dahintersteckt und welche Bedeutung sie heute haben. Dabei muss es nicht immer direkt eine Exkursion sein, eine Präsentation, ein Plakat oder eine digitale Karte bieten schon gute Möglichkeiten, sich kreativ mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Eine zusätzliche Gelegenheit bietet der Tag des offenen Denkmals am 13. September 2026. Unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“ öffnen zahlreiche Monumente ihre Pforten und ermöglichen es, Geschichte direkt vor Ort zu entdecken.

Zum Weiterlesen

In diesem Blogbeitrag findet ihr Vorschläge für virtuelle Erkundungen von Kirchengebäuden.

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Über die Autorin

Lena Neye

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