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Der Duke Award: Persönlichkeitsbildung und Zukunftskompetenzen hautnah erleben

Wie das internationale Programm „Duke Award“ an der Goetheschule Wetzlar Schülerinnen und Schüler stark fürs Leben macht und warum sich die Teilnahme lohnt.

Der Duke of Edinburgh’s International Award

Der Duke of Edinburgh’s International Award ist ein Programm, bei denen man schon nach wenigen Wochen merkt: Hier passiert mehr als bloß ein weiterer Punkt auf dem Stundenplan. Ursprünglich 1956 von Prinz Philip ins Leben gerufen, hat sich das Konzept in über 130 Ländern bewährt und weltweit Millionen junger Menschen begeistert.

Die Grundidee ist so einfach wie kraftvoll: Jugendliche setzen sich in vier Bereichen eigene Ziele, arbeiten kontinuierlich daran und wachsen über sich hinaus – nicht im Vergleich zu anderen, sondern gemessen an ihrem persönlichen Fortschritt.

Der Duke Award an der Goetheschule Wetzlar

An der Goetheschule Wetzlar ist der Award inzwischen ein fester Bestandteil unseres außerunterrichtlichen Angebots. Wir verstehen ihn als praxisnahes Instrument zur Persönlichkeitsbildung – eingebettet in unser Schulprofil, das auf Werteorientierung, Eigenverantwortung und ganzheitliche Kompetenzentwicklung setzt. Dabei geht es um weit mehr als um sportliche oder fachliche Erfolge: Der Award ist ein Lernraum, in dem unsere Schülerinnen und Schüler lernen, sich selbst zu führen, Verantwortung zu übernehmen und ihre eigenen Stärken zu entdecken.

Theoretisch betrachtet greift der Award auf Konzepte zurück, die in der Bildungsforschung als entscheidend für eine gelingende Schullaufbahn und den Berufseinstieg gelten:

Selbstwirksamkeit als das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Ziele zu erreichen. Oder frei nach Albert Bandura: Der Glaube an die eigenen Fähigkeiten ist der Schlüssel zum Erfolg. Weitere „Bausteine“, die vermittelt werden, sind Future Skills, also Fähigkeiten wie Problemlösung, Teamarbeit, Kreativität und Resilienz, und sozio-emotionale Kompetenzen, z. B. Empathie, Konfliktfähigkeit und Durchhaltevermögen. Der Unterschied zu klassischen Unterrichtsformaten liegt darin, dass diese Kompetenzen hier nicht abstrakt vermittelt, sondern unmittelbar erfahren werden. Jede Herausforderung, jede Entscheidung, jeder Rückschlag ist real – und damit auch jede Lernerfahrung. Getreu dem Motto des Duke Awards: Du kannst mehr, als du glaubst!

Der Duke Award im Kontext der Unterrichtsfächer Ethik und Religion

Gerade für Fächer wie Ethik und Religion eröffnet der Duke Award besondere Anknüpfungspunkte. Themen wie Verantwortung, Solidarität, Gerechtigkeit, Menschenwürde oder Sinnfragen werden im Unterricht oft nur theoretisch erörtert – im Award-Programm werden sie erlebbar. Wenn Teilnehmende sich in sozialen Projekten engagieren, lernen sie praktisch, was Nächstenliebe, Empathie und gesellschaftliche Teilhabe bedeuten.

Die Expeditionen fordern Achtsamkeit im Umgang miteinander, fördern den Respekt vor der Natur und regen dazu an, über den eigenen Platz in der Gemeinschaft nachzudenken. Auch der Aspekt der Selbstreflexion, der in Ethik und Religion eine zentrale Rolle spielt, ist hier stark präsent: Teilnehmende setzen sich mit ihren Werten auseinander, hinterfragen eigene Entscheidungen und entwickeln eine Haltung, die über kurzfristige Erfolge hinausgeht.

Der Duke Award in der praktischen Umsetzung

Die praktische Umsetzung an unserer Schule beginnt mit einer ausführlichen Einführung. Die Jugendlichen lernen die vier Award-Bereiche kennen:

  • freiwilliges soziales Engagement,
  • Fitness,
  • das Erlernen einer neuen Fähigkeit (Talente) und
  • die Expedition

und überlegen gemeinsam mit uns Leadern, einem Lehrkräfte-Team, das als Mentoren den Prozess begleitet und durchführt, welche Ziele sie sich setzen wollen. Dabei achten wir darauf, dass die Ziele zwar ambitioniert, aber realistisch sind, sodass Erfolge motivierend wirken und Rückschläge als Teil des Lernprozesses verstanden werden.

Engagement

Schon im Bereich des freiwilligen sozialen Engagements zeigen sich große Unterschiede in den Interessen: Einige Teilnehmende engagieren sich in der Jugendarbeit oder der Unterstützung von Mitschülern (Nachhilfe u. Ä.) an unserer Schule, andere setzen sich für den Tierschutz ein, geben Schwimmkurse für Kinder und Jugendliche oder helfen in Flüchtlingseinrichtungen beim Erlernen der deutschen Sprache. Eine Schülerin, die zu Beginn eher zurückhaltend war, berichtete später, dass sie nie gedacht hätte, dass sie sich vor einer Gruppe hinstellen und etwas anleiten könne. Jetzt traue sie sich das sogar zu und es mache ihr Spaß. Genau das ist Selbstwirksamkeit in Reinform: zu erleben, dass man durch eigenes Handeln Wirkung entfalten kann.

Eine ältere Schülerin gibt einer Gruppe jüngerer Schüler Nachhilfeunterricht

Fitness

Zwei Schülerinnen beim Lauftraining

Im Bereich Fitness trainieren manche für ihren ersten Zehn-Kilometer-Lauf, andere arbeiten an ihren Schwimmtechniken oder probieren neue Sportarten wie Kugelstoßen oder Rudern aus. Ein Schüler, der anfangs kaum motiviert schien, schaffte es nach Monaten kontinuierlichen Trainings, seine Ausdauerleistung zu verdoppeln. Er berichtete, dass er früher schnell aufgegeben habe, wenn es anstrengend wurde. Jetzt wisse er, dass er durchhalten könne – auch bei anderen Dingen im Leben.

Talente

Das Erlernen einer neuen Fähigkeit ist oft der kreativste Teil: vom Klavierspielen über das Erlernen einer neuen Sprache, dem Kochen internationaler Gerichte bis hin zum Schreiben eines Buches. Beeindruckend ist es zu sehen, wenn die Teilnehmenden ihre Ziele formulieren – wenn beispielsweise Kreisschülerratssitzungen geplant und durchgeführt werden, oder die Mitarbeit und Weiterentwicklung im lokalen Jugendforum stattfinden, dann zeigt dieser Bereich besonders deutlich, wie der Award Lernfreude jenseits von Noten und Prüfungen anregt: Die Motivation kommt von innen, nicht von außen.

Ein Schulorchester mit verschiedenen Instrumenten probt

Expedition

Zwei Schüler auf einer Wanderung mit Karte und Kompass

Die Expedition schließlich ist für viele der Höhepunkt – und oft auch die größte Herausforderung. Mehrtägige Wanderungen mit Karte, Kompass, Zelt und Kochausrüstung erfordern Teamgeist, Organisationstalent und Durchhaltevermögen. Eine Gruppe musste auf ihrer Tour aufgrund eines plötzlichen Wetterumschwungs umplanen und eine alternative Route finden. „Am Anfang waren wir total frustriert, weil unser Plan nicht mehr ging“, erinnert sich ein Teilnehmer. „Aber dann haben wir gemerkt, dass wir zusammen eine Lösung finden können. Am Ende waren wir sogar stolz, dass wir flexibel reagiert haben.“ Solche Erlebnisse schulen Resilienz und zeigen, dass Flexibilität und Zusammenarbeit oft der Schlüssel zum Erfolg sind.

Nachhaltige Wertebildung

All diese Erfahrungen lassen sich im Unterricht aufgreifen und reflektieren: Ein Auswertungsgespräch im Ethik- oder Religionsunterricht kann die Brücke zwischen Erfahrung und Theorie schlagen, indem Fragen nach Sinn, Verantwortung, moralischem Handeln oder persönlicher Haltung gestellt werden. So wird der Duke Award nicht nur zu einem Projekt „neben der Schule“, sondern zu einem Teil gelebter Schulkultur und Wertebildung.

Der Duke Award zielt auf nachhaltige Entwicklungsschritte bei den Teilnehmenden ab. Daher wird der Award auch in drei Stufen angeboten – Bronze, Silber und Gold.

Bronze als die Einstiegsebene ist für Jugendliche ab etwa 14 Jahren geeignet und dauert mindestens sechs Monate. Silber folgt ab rund 15 Jahren und erfordert – je nach Vorerfahrung – zwölf oder sechs Monate. Gold ist die höchste Stufe, beginnt ab etwa 16 Jahren und dauert zwölf beziehungsweise 18 Monate. In allen Stufen engagieren sich die Teilnehmenden in den drei Bereichen und unternehmen eine Expedition; auf Gold-Niveau kommt zusätzlich ein mehrtägiges Residential Project hinzu. Mit jeder Stufe steigen Umfang, Anspruch und Eigenverantwortung.

Stark für die Zukunft

Für uns als Lehrkräfte ist die Begleitung dieses Prozesses eine besondere Erfahrung. Wir sehen, wie Jugendliche, die anfangs unsicher oder passiv wirkten, Schritt für Schritt sicherer auftreten, wie sie in Gesprächen reflektierter werden und wie sie beginnen, ihre eigene Entwicklung bewusst wahrzunehmen. Der Award wirkt oft wie ein Katalysator: Er beschleunigt persönliche Reifeprozesse, weil er Verantwortung nicht simuliert, sondern tatsächlich überträgt.

Entscheidend sind in dem Prozess die begleitenden Austauschmomente zwischen Teilnehmenden „Dukee“ und dem Leader (Lehrkraft), die dann reflexiv auf die Entwicklung eingehen. Dabei werden die zuvor gesetzten smarten Ziele (SMART: spezifisch-messbar-attraktiv-realistisch-terminiert) in den drei Bereichen in den Blick genommen. Diese Begegnung auf Augenhöhe liefert eine ganz andere Dimension der Beziehungsarbeit in Schule. Hier werden sich ergebende Hürden eruiert und gemeinsam Lösungsstrategien (weiter-)entwickelt.

Die feierliche Verleihung der Urkunden ist dabei nur der sichtbare Abschluss eines langen Prozesses. In Wirklichkeit ist sie der Startpunkt für etwas Größeres: Die Kompetenzen, die hier aufgebaut werden, bleiben. Sie bilden ein Fundament, das unsere Schülerinnen und Schüler in Ausbildung, Studium und Beruf immer wieder nutzen können – und vielleicht sogar an die nächste Generation weitergeben.

Der Duke of Edinburgh’s Award an der Goetheschule Wetzlar ist deshalb weit mehr als ein Zusatzangebot. Er ist ein Schlüssel, der Türen öffnet – zu Selbstvertrauen, zu Teamgeist, zu Verantwortungsbereitschaft und zu einer Haltung, die sagt: „Ich kann etwas bewirken.“ Und genau das möchten wir unseren Jugendlichen mit auf den Weg geben – im Leben, in der Schule und in den Fächern, in denen Werte und Sinnfragen nicht nur diskutiert, sondern gelebt werden.

Weiterführende Informationen

Der Duke Award ist ein bereichernder Weg, der Selbstvertrauen, Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein und Zukunftskompetenzen wachsen lässt. Vielleicht ist der Duke Award auch etwas für eure Schule?

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Über den Autor

Stefan Lesser

Stefan Lesser ist Studienrat an der Goetheschule Wetzlar und unterrichtet die Fächer Geschichte und Ethik. Besonders am Herzen liegt ihm, junge Menschen zu ermutigen, über sich hinauszuwachsen – sei es im Unterricht, in Projekten zur Erinnerungskultur oder im Rahmen des Duke of Edinburgh’s International Award. Sein Ziel: Schülerinnen und Schüler dabei zu begleiten, ihre Stärken zu entdecken und Verantwortung für sich und die Gesellschaft zu übernehmen.

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