Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

Der Internationale Männertag im Unterricht

Nehmt den Internationalen Männertag zum Anlass, eure Lernenden auf toxische Männlichkeit als ein Problem für junge Männer z. B. im Kontext der Mannosphäre aufmerksam zu machen!

Internationaler Männertag

Der Internationale Männertag findet jedes Jahr am 19.11. statt. An diesem Tag werden strukturelle gesellschaftliche Probleme, von denen Männer betroffen sind, fokussiert wie bspw. die Tatsache, dass Männer im Schnitt deutlich früher sterben als Frauen.
Auch das Rollenbild von Männern in der Gesellschaft wird am Internationalen Männertag in den Blick genommen. Gerade das Rollenverständnis des Mannes hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt.
Ein aufkommendes Rollenverständnis findet sich in der sogenannten Mannospähre (engl. „manosphere“), die in den sozialen Medien präsent ist, und von vielen jungen Männern konsumiert wird. Hier wird u. a. ein nicht auf Gleichstellung ausgelegtes Geschlechterverhältnis vermittelt und eine Form der Männlichkeit, die als toxisch bezeichnet werden kann, propagiert. In der Szene der Mannosphäre ist ein traditionelles Rollenbild präsent, der Mann dann als positiv angesehen, wenn er sich anderen Geschlechtern gegenüber dominant verhält, nicht über Gefühle spricht oder diese zeigt.

Auch bestimmte Wertvorstellungen, wie die Ablehnung von Homosexualität oder eine naturgegebene Überlegenheit des Mannes sind in dieser Sphäre vertreten. Die Welt ist in der Mannosphäre nicht in Graubereiche unterteilt. Stattdessen werden einfache Lösungen geboten, die Welt wird in Schwarz und Weiß eingeteilt. Die Umsetzung solcher Lösungsvorschläge und die Anpassung des Verhaltens an die Ideale der Mannosphäre kann zu toxischem Verhalten der – oft jungen – Männer führen: toxisch für andere, für die Männer selbst und zwischenmenschliche Beziehungen. Selbstschädigendes Verhalten in diesem Kontext können z. B. das Unterdrücken von Gefühlen, das Verleugnen der eigenen Sexualität oder der Missbrauch von Substanzen wie Steroiden, um das Aussehen an das Ideal der Mannosphäre anzupassen, sein. Nicht zuletzt werden in der Mannospähre teilweise Inhalte verbreitet, die Verhaltensweisen propagieren, die in Deutschland strafrechtlich relevant sind, wie bestimmte dominante Verhaltensweisen des Mannes einer Frau gegenüber.

Internationaler Männertag – Warum im Unterricht?

Besonders im Jugendalter haben die Suche nach Orientierung und der eigenen Rolle in der Welt eine große Bedeutung. Heute suchen viele junge Menschen Antworten in den sozialen Medien. Selbst dann, wenn Jugendliche nicht explizit danach suchen, finden sich häufig Beiträge der Mannosphäre in ihrem Feed. Das Weltbild der Mannosphäre bietet Orientierung und eine Handlungsmöglichkeit in einer Phase von Verunsicherung und spricht so besonders Jugendliche – in der Mannosphäre explizit männliche Jugendliche – an, denn einfache Lösungen ohne kognitive Dissonanzen und Graubereiche sind „einfach“ umzusetzen.

Im Unterricht können die Mannosphäre und die – teils auch aus dieser Sphäre resultierende – toxische Männlichkeit thematisiert werden, damit die Lernenden ihr eigenes Rollenverständnis, ihr Verhalten oder auch das Verhalten ihrer Mitschüler reflektieren können, und einem Männlichkeitsbild entgegenwirken können, das schädlich ist.

Die britische Miniserie „Adolecence“ thematisiert eine mögliche Konsequenz toxischer Männlichkeit. Ein Schüler begeht eine Straftat an einer Mitschülerin. Die Straftat in der Serie steht in Zusammenhang mit der sogenannten Incel-Bewegung [1] und damit auch der Mannosphäre [2] und toxischen Männlichkeit. Die Serie wurde vielfach gestreamt, vielleicht auch von einigen eurer Lernenden. In Großbritannien soll die Miniserie in allen Sekundarschulen gezeigt und mit den Lernenden diskutiert werden [3]. Auch wenn die Geschehnisse fiktiv sind, wird ein realer Trend aus den sozialen Medien aufgegriffen, dem auch eure Lernenden begegnen.

Toxische Männlichkeit und Mannosphäre
im Unterricht [4]

Internationaler Männertag
Ein beispielhafter Exkurs zur Mannosphäre
(maximal 10 Minuten)

Seht euch mit euren Lernenden dieses Video der Bundeszentrale für politische Bildung an. Diskutiert die Inhalte des Videos im Plenum in Hinblick auf folgende Fragen, wobei die Lernenden die letzten beiden Fragen je nach Lerngruppe die Lernenden für sich selbst beantworten, aber nicht im Plenum teilen können:

  • Welche Probleme können für (junge) Männer durch die „manosphere“ entstehen?
  • Wie kann ich persönlich damit umgehen, wenn jemand in meinem Umfeld viele Inhalte der „manosphere“ konsumiert und sich sein Verhalten ändert?
  • Konsumiere ich selbst Inhalte der „manosphere“?
  • Welche (negativen) Konsequenzen kann der Konsum solcher Inhalte haben?

Internationaler Männertag –
Ein beispielhafter Unterrichtsverlauf zum Thema (toxische) Männlichkeit und „manosphere“
(empfohlen ab Jahrgangsstufe 9)

Einstieg:
Die Lernenden werden zum Thema der Stunde hingeführt, indem sie sich mit ihrem eigenen Rollenverständnis zum Mann, auseinandersetzen, indem sie Eigenschaften/Aussagen, wie ein „echter Mann“[5] sein sollte bzw. was er tun sollte oder nicht, notieren bzw. zuordnen (KV1, A1). Im Anschluss diskutieren die Lernenden zu zweit Eigenschaften/Aussagen, die sie verschieden zugeordnet haben (KV1, A2).

Erarbeitung:
Die Lernenden recherchieren in Kleingruppen die Bedeutung von toxischer Männlichkeit und den Zusammenhang dieser mit der „manosphere“ und stellen ihre Ergebnisse dar (KV1, A3). Die Möglichkeit des digitalen Plakats bietet den Lernenden die Gelegenheit, digitale Inhalte – z. B. Videos – in ihre Präsentation einzubinden.

Sicherung:
Eine Gruppe stellt ihre Ergebnisse der Erarbeitung vor und die anderen Lernenden ergänzen diese. Die Vorstellung dient als Grundlage zur anschließenden Diskussion dazu, inwiefern der

Vertiefung:
Vertiefend setzen sich die Lernenden mit ihrem eigenen Konsum von Content der sozialen Medien – explizit Inhalten aus der „manosphere“ – auseinander, indem sie begründen, ob sie zukünftig Videos aus der „manosphere“ konsumieren wollen oder nicht (KV1, A6). Die Bonusaufgabe (KV1) kann als Möglichkeit genutzt werden, die eigene Sichtweise auf Männlichkeit zusätzlich zu reflektieren.

Transfer:
Als Transferaufgabe bietet sich ein Präventionsprojekt gegen toxische Männlichkeit im Kontext von sozialen Medien an (KV 2). Ein solches Projekt nimmt zwar viel Zeit in Anspruch, kann aber nicht nur eurer Lerngruppe, sondern der gesamten Schulgemeinschaft einen Mehrwert liefern. Aktuell hat außerdem die Miniserie „Adolecence“ große Aufmerksamkeit, die einen guten Anknüpfungspunkt für ein solches Projekt bietet und die Motivation der Lernenden zusätzlich erhöhen kann.

Zum Download

Bietet euren Lernenden mit diesem Exkurs die Möglichkeit, Medieninhalte kritisch zu betrachten, und ein Männlichkeitsbild zu reflektieren, das ihnen in der digitalen Welt begegnet!

[1] Der Begriff „Incel“ ist eine Selbstbezeichnung einiger heterosexueller Männer, die unfreiwillig sexuell enthaltsam leben. Schuld an ihrer unfreiwilligen Enthaltsamkeit sind sie ihrer Meinung nach nicht selbst, sondern die Schuld liege bei den Frauen.
[2] https://www1.wdr.de/nachrichten/incels-warnzeichen-psychologie100.html (Stand: 04.11.2025).
[3] https://www1.wdr.de/nachrichten/adolescence-unterricht-filme-paedagogik-100.html (Stand: 28.10.2025).
[4] Hinweis: Wenn die Mannosphäre thematisiert wird, werden in vielen Beiträgen direkte Verbindungen zur politischen Rechten gezogen. In den folgenden Unterrichtsideen wird bewusst – soweit wie möglich – darauf verzichtet, damit sich Lernende, die Inhalte der Mannosphäre konsumieren, nicht „in die Ecke gedrängt“ fühlen und so ein offenes Gesprächsklima ohne eine (gefühlte) implizite Vorwurfshaltung geschaffen werden kann. Außerdem wird versucht die Folgen für junge Männer selbst zu fokussieren und weniger die Folgen für andere Geschlechter in den Mittelpunkt gestellt.Im Unterricht bietet sich statt des Begriffs der Mannosphäre die Nutzung der englischen Variante „manosphere“ an, da diese den Lernenden eher vertraut ist.
Achtung: Weder in diesem Beitrag noch auf der Kopiervorlage wird auf ein geschlechtliches Spektrum oder das soziale und biologische Geschlecht eingegangen. In der Mannospähre wird i. d. R. – wenn nicht immer – von einem Mann ausgegangen dessen soziales und biologisches Geschlecht männlich ist.
[5] Hinweis: Die Bezeichnung „echter Mann“ wird im Verlauf des Unterrichtsverlaufs reflektiert.

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Über die Autorin

Anne Kleiner

Ich arbeite als Redakteurin im Bereich Religion/Ethik im Ernst Klett Verlag. Davor habe ich die Fächer Evangelische Theologie und Physik auf Lehramt für Gymnasien und Gesamtschulen studiert, das Referendariat abgeschlossen und eine Zeit lang als Lehrerin gearbeitet.

Ein Kommentar

  1. Ulrike 18. Dezember 2025 um 8:42 Uhr - Antworten

    Hilfreich könnte auch die „Misogynization“ Theorie von Franz Jedlicka sein, ist gut im Netz zu finden.

    LG Ulrike

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