- Dietrich Bonhoeffer: der Widerstandskämpfer
Dietrich Bonhoeffer stellte sich gegen das grausame Regime seiner Zeit. Sogar das Mittel eines Attentats auf Hitler unterstützte er und arbeitete an den Plänen zum Tyrannenmord mit. Er setzte sich für andere ein, brachte sein Leben in Gefahr und verlor es schließlich, um Widerstand gegen eine menschenverachtende und autoritäre Regierung zu leisten. Bonhoeffer wurde am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet, kurz bevor dieses am 23. April 1945 von den Alliierten befreit wurde.
- Dietrich Bonhoeffer: der gläubige Christ
Bonhoeffer war ein gläubiger Christ und gilt für einige heute als Vorbild im Glauben. Noch in der Haft, in der Leid Alltag war, wird sein starkes Vertrauen in Gott deutlich, z. B. in seinem letzten Brief an seine Verlobte, in dem Gedicht „Von guten Mächten“, das bis heute – besonders in einer Liedversion – bekannt ist.
- Dietrich Bonhoeffer: der Theologe
Dietrich Bonhoeffer ist einer der bekanntesten evangelischen Theologen des 20. Jahrhunderts. In seinen theologischen Schriften spiegeln sich auch die Probleme seiner Zeit und sein persönlicher Lebensweg. Beispielsweise beschreibt er dort indirekt seinen Gewissenskonflikt mit dem Tyrannenmord. Er ist der Auffassung, dass es Situationen gibt, in denen der Mensch, egal wie er sich verhält – ob er handelt oder nicht handelt –, schuldig wird. Handelt Bonhoeffer, indem er an den Plänen zum Attentat auf Hitler, einem Mordversuch, beteiligt ist, lädt er Schuld auf sich, hofft aber, dadurch noch Schlimmeres zu verhindern. Er versucht so, verantwortlich in der Nachfolge Christi zu leben. Würde er nicht handeln und nicht an den Attentatsplänen mitarbeiten, so würde er ebenfalls Schuld auf sich laden. Er würde nicht dazu beitragen, das Regime zu beenden, wodurch noch mehr Leid entstünde. Schuld vergeben kann – nach Bonhoeffer – nur Gott.
Umsetzung im Unterricht
Bonhoeffer kann im Unterricht bei den Lernenden Eindruck hinterlassen: Er war ein gläubiger Christ und Theologe, der sein Leben durch die Mitarbeit an einem Attentat aufs Spiel setzte und heute als moralisches Vorbild gesehen wird. Bonhoeffer kann in vielerlei Weise und zu verschiedenen Themen im Unterricht eine Rolle spielen.
Mit seinem Hintergrund und der Einbettung in den historischen Kontext kann er „nebenbei“ zu einem geschichtlichen Verständnis beitragen und die historische Verantwortung Deutschlands für die Lernenden begreiflicher machen. Im Folgenden sind drei Kontexte aufgeführt, in denen ihr seine Person im Religions- und/oder Ethikunterricht einbinden könnt, sowie eine Idee, wie ihr den aktuellen Film „Bonhoeffer“ im Unterricht nutzt.
1) Die NS-Zeit
Ein naheliegender Einsatz Bonhoeffers in den Unterricht ist der, ihn im Kontext der Betrachtung der NS-Zeit und des Kirchenkampfs zu behandeln. Am Lebensweg Bonhoeffers können z. B. historisch bedeutsame Ereignisse eingeordnet werden. Diese Einordnung kann mithilfe eines Zeitstrahls stattfinden, den die Lernenden gemeinsam gestalten und der im Klassenzimmer ausgehängt werden kann. Lasst eure Lernenden den zeitlichen Verlauf von 1933 bis 1945 in Deutschland mit verschiedenen Schwerpunkten z. B. „Das Leben Bonhoeffers“, „Die Bekennende Kirche und die Deutschen Christen“ und „Der Staat (Erlasse, Deportation, Bücherverbrennung etc.)“ arbeitsteilig nach Interesse erarbeiten. Erstellt im Anschluss gemeinsam einen Zeitstrahl, indem die Lernenden ihre Aspekte chronologisch vorstellen und im Klassenzimmer aufhängen.
Wenn ihr den Zeitstrahl zu Beginn einer Unterrichtsreihe mit den Lernenden erarbeitet, haben die Lernenden zusätzlich die Möglichkeit, neue Ereignisse mithilfe des Zeitstrahls direkt in einen größeren Kontext einzuordnen.
- Didaktischer Hinweis: Es ist sinnvoll, wenn die verschiedenen Schwerpunkte jeweils mit verschiedenfarbigem Papier dargestellt werden.
- Empfehlung: Religions- oder Ethikunterricht ab Jahrgangsstufe 9
2) Ethisches Handeln: Dilemmasituation mit historischem Bezug
Im Kontext des Themenschwerpunkts „Ethik“ können – besonders in der Sekundarstufe II – Bonhoeffers ethische Überlegungen eingebunden werden. In Texten, die später als das Buch „Ethik“ zusammengestellt wurden, beschreibt Bonhoeffer ethisches Handeln als verantwortliches Handeln in der Welt. In seinem Werk „Nachfolge“ stellt er dar, dass eine konsequente Nachfolge Christi zum Handeln führt. Die ethischen Aussagen, die Bonhoeffer trifft, sind keine banalen Sprüche. Es geht ihm mit seinen Beschreibungen nicht darum, ein „Rezeptbuch“ für eine utopische Welt zu entwerfen. Stattdessen spielen für ihn ethische Überlegungen dann eine große Rolle, wenn Handeln schwierig wird und wenn sowohl Handeln als auch Nichthandeln nicht „moralisch gut“ ist. Es steht wohl außer Frage, dass Bonhoeffer Gebote wie das Tötungsverbot grundsätzlich für richtig hielt und ein Mord ohne Anlass für ihn weder verantwortliches noch richtiges Handeln wäre. Bei der Planung des Attentats auf Hitler war die Wahl nicht die Wahl zwischen einem Mord und keinem Mord, sondern die Wahl zwischen einem Mord und einem Nichthandeln, das aus Bonhoeffers Sicht mehr Leid nach sich gezogen hätte als das Attentat.
Die Überlegungen Bonhoeffers können ein guter Anlass sein, mit den Lernenden ins Gespräch zu kommen. Die Situation, in der sich Bonhoeffer befand, spiegelt zwar nicht die Lebenswelt der Lernenden wider, kann aber durch den biografischen Bezug sehr greifbar sein. Mit der Anführung der ethischen Problematik, in der Bonhoeffer sich befand, kann die Debatte an Tiefe gewinnen. Außerdem kennen die Lernenden die historische Zeit, in der das Dilemma stattfand, aus verschiedenen Unterrichtsfächern und ggf. sogar die Person Bonhoeffer, sodass das Thema „Ethisches Handeln“ in einen gut bekannten Kontext eingebettet ist. Handeln in einer Dilemmasituation wird damit konkret und bleibt nicht abstrakt. Es kann auch davon ausgegangen werden, dass das ethische Dilemma des Tyrannenmordes weniger emotional betrachtet als beispielsweise medizinethische Themen und mit soliden Quellen geführt wird. Fakenews sind hier z. B. kein Thema. Die Lernenden erfahren zudem sowohl wie sich Bonhoeffer entschieden hat, als auch wie der Attentatsversuch ausgegangen ist und welche Konsequenzen Bonhoeffers Entscheidung hatte.
3) Gottvertrauen
In vielen Schriften wird Bonhoeffers unerschütterliches Vertrauen in Gott deutlich. Gottvertrauen, obwohl Leid erlebt wird, ist für Lernende oft schwer begreiflich. Die Theodizee schwingt in vielen Diskussionen mit. In diesem Kontext kann das Beispiel Bonhoeffers für Lernende deutlich machen, dass Menschen trotz Leiderfahrungen glauben und Gott vertrauen. Anders als das bekannte biblische Beispiel, Hiob, ist Bonhoeffer eine Person, die nachgewiesen gelebt hat und dessen Schriften, z. B. Briefe aus der Haft, überliefert sind. Daher kann die Existenz und das Gottvertrauen Bonhoeffers von den Lernenden nicht angezweifelt werden. Der Text „Von guten Mächten“ bietet eine zugängliche Möglichkeit, sich mit dem Thema Vertrauen und Gottvertrauen auseinanderzusetzen. Hier bietet es sich an, den Lernenden die bekannte Liedversion vorzuspielen. Eine Liedversion findet ihr z. B. auf Youtube. Für eine Unterrichtseinheit zum Thema könnt ihr gerne die Kopiervorlage „(Gott-)Vertrauen“ nutzen.
- Didaktischer Hinweis: Die Liedversion wird häufig bei Beerdigungen gespielt und kann daher bei Lernenden, die sie aus diesem Kontext kennen, zu starken Reaktionen führen.
- Empfehlung: Religionsunterricht für die Jahrgangsstufen 7 bis 10
Filme zu Bonhoeffer im Unterricht
Das Leben Bonhoeffers ist mehrfach verfilmt worden. Zu Beginn einer Unterrichtsreihe könnt ihr beispielsweise die beiden Filmtrailer von „Bonhoeffer – Die letzte Stufe“ aus dem Jahr 2000 und dem kürzlich erschienenen Film „Bonhoeffer“ (Originaltitel: „Bonhoeffer: Pastor. Spy. Assassin.“) aus dem Jahr 2024 im Unterricht nutzen, indem die Darstellung Bonhoeffers im Film von den Lernenden analysiert und anschließend im Laufe der Unterrichtsreihe mit der Person Bonhoeffers verglichen wird, wie sie sie aus anderen Quellen kennenlernen. Nutzt dazu gern die Kopiervorlage „Dietrich Bonhoeffer im Film“.
Im Anschluss an A3 der Kopiervorlage können die Fragen der Lernenden gesammelt und sortiert werden. Sie können im Anschluss auf (farbiges) Papier geschrieben und im Klassenraum aufgehängt werden. Wenn eure Lernenden sich mit Bonhoeffer beschäftigen, können ihre Fragen so im Laufe der Unterrichtsreihe beantwortet werden. Zum Abschluss einer solchen Reihe könnt ihr euch ggf. einer der beiden Spielfilme mit den Lernenden vollständig ansehen und besprechen. Wenn ihr euch hierbei für „Bonhoeffer – Die letzte Stufe“ aus dem Jahr 2000 entscheidet, findet ihr auf dieser Seite Impulse.
Didaktischer Hinweis: Beide Filme beschäftigen sich mit dem Leben Bonhoeffers und der NS-Zeit. Der aktuelle Film steht allerdings z. B. durch Nachfahren Bonhoeffers in der Kritik, die eine Verdrehung der Geschichte, indem Bonhoeffer als evangelikaler Heiliger dargestellt werde, durch die Produktionsfirma sehen, die als rechts-evangelikal bezeichnet wird. Außerdem gibt es im Film Abweichungen von historischen Fakten, was inhaltlich am Film kritisiert wird. Die Gründe dafür könnt ihr genauer z. B. auf den Seiten der Tagesschau und der EKD nachlesen.
Dennoch kann der Trailer als aktueller und einigen Lernenden von Plakaten bekannter Film, im Unterricht unter Einbeziehung der Kritik genutzt werden. Er bietet durch die Aktualität einen guten Ansatzpunkt, um das Interesse der Lernenden zu wecken. Außerdem können sie auf die bestehenden Kritikpunkte am Film hingewiesen werden und diese eigenständig einordnen bzw. können sie die Kritik diskutieren.
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Nehmt den 120. Geburtstag Dietrich Bonhoeffers zum Anlass, verschiedene Inhalte mit Bezug zu der konkreten, spannenden und facettenreichen Person Dietrich Bonhoeffer zu verbinden und so eure Lernenden für diese Themen neu zu motivieren.







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