Christlicher Hintergrund von Karfreitag
An Karfreitag gedenken gläubige Christ:innen des Todes Jesu Christi am Kreuz. Es ist einer der wichtigsten Feiertage im Kirchenjahr. Das Leiden und Sterben Jesu steht theologisch in konkreter Beziehung zum Menschen. Nach christlicher Auffassung ist Jesus, das menschgewordene Wort Gottes, für den Menschen am Kreuz gestorben. Die Kreuzigung und der Tod Jesu gehen der Auferstehung, der an Ostern gedacht wird, voraus.
An Karfreitag verboten
Es gibt einige Regelungen zu verschiedenen Thematiken an stillen Feiertagen allgemein, wie auch Karfreitag im Speziellen. Das meistdiskutierte Verbot ist wohl das Tanzverbot, wobei auch das Verbot der öffentlichen Vorführung verschiedener Filme – darunter immer wieder in der Diskussion Monty Pythons „Das Leben des Brian“, aber auch „Mary Poppins“ – für Irritation sorgt. In diesem Jahr sorgt darüber hinaus das kurzfristige Verbot einer Aufführung von Richard Wagners „Walküre“ in Dortmund für Unverständnis. Zum Tanzverbot an Karfreitag gibt es je nach Bundesland verschiedene Regelungen. In Hamburg z. B. könnt ihr um vier Uhr am Morgen in einer öffentlichen Disco im Rahmen des Gesetzes tanzen, während ihr in Bayern um diese Zeit schon längst von der Tanzfläche geholt werden musstet. Wer als Veranstalter gegen das Verbot verstößt, macht sich strafbar. Nicht nur die Regelungen zum Tanzverbot sind verschieden, sondern auch die Meinungen zum Verbot. Laut YouGov-Umfrage im März 2024, bei der mehr als 13000 Erwachsene befragt wurden, lehnten 30% der Menschen eine Lockerung des Tanzverbots im Bundesgebiet ab oder eher ab, 21% machten keine Angabe oder waren unentschlossen und 50% befürworteten eine Lockerung eher oder vollumfänglich[1].
Seit Jahren wird das Tanzverbot immer wieder auch politisch diskutiert und gegen das Verbot auf verschiedene Weise protestiert. Im letzten Jahr (2024) versammelten sich beispielsweise Mitglieder der Jungen Liberalen mit einem Plakat mit der Aufschrift „Tanzverbot ans Kreuz nageln!“ in Wiesbaden vor dem hessischen Landtag, während die Jugendorganisationen von Grünen und SPD in Hessen als Protest eine Party an Karfreitag organisierten. Für und gegen die Beibehaltung diverser Verbote an Karfreitag gibt es Argumente. Im Folgenden sind einige Aussagen bekannter Personen aufgeführt, die einen Einblick in die Debatte geben.
- Für die Beibehaltung bestehender Regelungen sprachen sich z. B. Vertreter der Kirche bzw. Theologie aus: Heinrich Bedford-Strohm, 2014 bis 2021 Vorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), beschrieb im Jahr 2015 das Erinnern an das Leiden als wichtiges Kulturgut. 2022 stellte der evangelischen Theologen Berthold Höcker das Innehalten und gemeinsame Trauern an Karfreitag in der gesamten Gesellschaft heraus. Auch einige Politiker:innen sind gegen eine Abschaffung bestehender Regelungen. Lars Castellucci von der SPD benennt die nach einer Abschaffung sicher aufkommende Suche der Menschen nach Rhythmus und Struktur als Grund. Thomas Rachel von der CDU/CSU betont, dass der Respekt vor dem besonders für Protestant:innen wichtigen Feiertag erhalten bleiben solle[2].
- Ebenso gibt es aber auch Stimmen, die sich gegen die Beibehaltung aussprechen. Die religionspolitischen Sprecherinnen der Grünen und der FDP beispielsweise befürworteten 2024 eine Lockerung. Beide Sprecherinnen plädierten zwar für Rücksichtnahme auf Christ:innen an Karfreitag, warben aber dafür, dass Verbote, die Christ:innen in ihrer religiösen Praxis nicht störten, keinen Bestand mehr haben sollten[3].
In der kontroversen Debatte zu gesetzlichen Lockerungen von Verboten an Karfreitag geht es auch um Toleranz im Verhältnis von Religionsfreiheit und individueller Freiheit. Ist es intolerant der christlichen Religion gegenüber, an Karfreitag z. B. Tanzveranstaltungen mit lauter Musik zu erlauben und durchzuführen? Oder widerspricht es der individuellen Freiheit jedes Einzelnen, an einem Tag im Jahr nicht bei einer öffentlichen Veranstaltung tanzen zu dürfen? Müsste bei einer Abschaffung des Tanzverbots nicht auch der Feiertag selbst abgeschafft werden, weil die Bedeutung und der Hintergrund des Tages der Mehrheit im Land nichts mehr bedeutet? Oder hat der Tag inzwischen vielleicht sogar eher eine kulturelle Bedeutung für Deutschland als eine religiöse Bedeutung für Christ:innen, und sollten deswegen die Verbote beibehalten werden?
Diskussion zum Tanzverbot an Karfreitag – eine Unterrichtsidee
Nutzt für diese Unterrichtseinheit gern die Kopiervorlage „Soll das Tanzverbot an Karfreitag abgeschafft werden?“
Holt zu Beginn der Stunde ein Meinungsbild eurer Lerngruppe mit der Methode der Positionslinie zur Frage „Soll das Tanzverbot an Karfreitag abgeschafft werden?“ ein. Nutzt anschließend eines der folgenden Videos, falls sich eure Lernenden nahezu alle gleich an einem Ende der Positionslinie positioniert haben, um direkt zu Beginn der Stunde deutlich zu machen, dass es Vertreter:innen beider Positionen gibt.
Video 1 Die Lernenden sind (fast) alle gegen die Abschaffung des Verbots.
Video 2 Die Lernenden sind (fast) alle für die Abschaffung des Verbots.
Im Anschluss an die Positionslinie und ggf. einem kurzen Videoimpuls wird der christliche Hintergrund von Karfreitag kurz erklärt. Hierzu kann die A1 der KV von den Lernenden erarbeitet werden, wobei je nach Lerngruppe die Fragen auch ohne das kurze Video (ca. 2,5 Minuten) beantwortet werden können. Die christliche Bedeutung von Karfreitag soll in dieser Stunde zwar nebensächlich sein, wird aber von den Lernenden benötigt, um Argumente zum Tanzverbot verstehen und einordnen zu können.
Im Großteil der Stunde setzten sich die Lernenden dann mit verschiedenen Argumenten für und gegen das Tanzverbot auseinander, um zum Abschluss eine eigene begründete Stellungnahme formulieren zu können. Zur Erarbeitung der Argumente könnt ihr A2 der KV nutzen und zwischen Variante A und Variante B je nach Lerngruppe wählen. Variante A eignet sich eher für leistungsstärkere Lerngruppen und benötigt mehr Zeit als Variante B. Für Variante A benötigt ihr zusätzlich die Kopiervorlage „Soll das Tanzverbot an Karfreitag abgeschafft werden? – Rollenkarten“
Variante A
In Variante A werden den Lernenden verschiedene Rollen zugewiesen. Die Rollen nennen Aussagen fiktiver Personen in Bezug auf das Tanzverbot an Karfreitag. Die Lernenden müssen in Gruppen die Position der Rolle, die ihnen zugewiesen ist, notieren und Argumente für die Position „ihrer“ Rolle finden. Falls eine Gruppe mit der Aufgabe fertig ist, könnt ihr dieser zusätzlich eine leere Rollenkarte geben, mithilfe derer die Gruppe eine weitere fiktive Person mit einer Aussage zum Thema erstellen kann und so zusätzliche Argumente erarbeiten kann. Im Anschluss treffen die fiktiven Personen, durch je eine:n Lernende:n verkörpert, in einer Talkshow aufeinander, die Argumente werden ausgetauscht und im Idealfall bereits während der Talkshow diskutiert. Didaktischer Hinweis: Bei dieser Diskussion bietet es sich an, wenn ihr die Moderation selbst übernehmt, da die Argumente der Lernenden sehr vielfältig und subjektiv sein können. Falls eure Lerngruppe allerdings sehr erfahren mit der Methode ist, kann die Moderation auch durch eine:n Lernende:n erfolgen.
Variante B
Alternativ können die Lernenden mit Variante B in Einzel- oder Partnerarbeit Argumente für und gegen das Tanzverbot sammeln und recherchieren, ohne auf Aussagen fiktiver Personen Bezug zu nehmen. Es kann sich hierbei anbieten, die Lerngruppe Pro und Contra arbeitsteilig erarbeiten zu lassen. Im Anschluss an A2 – unabhängig von der Variante – werden mithilfe von A3 die Argumente im Plenum gesammelt, ihre Korrektheit (z. B. die Aktualität bzw. Quellen von Umfragen zum Thema oder die Objektivität eines Arguments) geprüft und ihr Bezug zur Fragestellung überprüft (KV A3 a). Sollte Variante A genutzt worden sein, können die Lernenden an dieser Stelle weitere eigene Argumente einbringen.
Nach Sammlung und Prüfung aller Argumente notieren die Lernenden die Argumente, die der Prüfung standgehalten haben, in einer vorgegebenen Tabelle (KV A3 b) und bewerten, welche Argumente sie persönlich wie sehr überzeugen (KV A3 c). Schließlich beziehen die Lernenden Stellung. Hierzu kann A4 der KV genutzt werden, wobei ihr den Lernenden entweder selbst die Auswahl überlassen könnt, welche Form der Meinungsäußerung sie wählen oder vorher eine Entscheidung für eure gesamte Lerngruppe treffen könnt.
Zum Abschluss der Unterrichtseinheit kann eine erneute Abfrage der Meinungen der Lernenden mithilfe der Positionslinie erfolgen.
Kostenlos zum Download
Nutzt ein jährlich aktuelles Thema, das Tanzverbot an Karfreitag, um mit euren Lernenden zu diskutieren und nebenbei sowohl die Herkunft bzw. Bedeutung von Karfreitag zu vermitteln als auch eine Auswirkung der christlichen Prägung Deutschlands beispielhaft zu zeigen.
[1] https://yougov.de/topics/society/survey-results/daily/2024/03/24/9aef0/3
[2] https://www.kirche-und-leben.de/artikel/gruene-fuer-gelockertes-tanzverbot-massstab-kann-nur-konkrete-ruecksicht-sein
[3] https://www.kirche-und-leben.de/artikel/gruene-fuer-gelockertes-tanzverbot-massstab-kann-nur-konkrete-ruecksicht-sein








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