Videospiele, Serien oder Streamingplattformen – Medien spielen in dem Leben von Kindern und Jugendlichen eine immer wichtigere Rolle. Dabei machen sie natürlich auch nicht Halt vor der Schule und begegnen uns Lehrkräften in den unterschiedlichsten Kontexten. Aber ab wann ist der Medienkonsum eigentlich problematisch?
Im Zuge der Corona-Pandemie hat die Nutzung von Medien stark zugenommen. Durch Lockdowns und Homeschooling waren Kinder und Jugendliche sich oft selbst überlassen und haben viel Zeit am Handy, am Tablet, an der Konsole oder dem PC verbracht. Dies konnte die Langeweile vertreiben und war in vielen Fällen eine willkommene Flucht vor der teilweise harschen Realität. Dabei hat sich im Verlauf der Pandemie gezeigt, dass die phasenweise Rückkehr zu einer gewissen Normalität nicht automatisch auch in der Abnahme des hohen Medienkonsums mündete.
Reden wir drüber!
Schule ist als Lern- und Lebensraum wie auch unsere Unterrichtsfächer besonders für das Verstehen und Reflektieren des eigenen (veränderten) Verhaltens geeignet. Dabei geht es nicht darum, den Medienkonsum generell zu stigmatisieren oder ihn zu reglementieren, sondern ihn zu verstehen und in einen Austausch über ihn zu gehen. Darüber hinaus sollte das allgemeine Problembewusstsein bei den Kindern und Jugendlichen geschärft werden, da nicht nur ihnen die entsprechende Reflexion schwerfällt, sondern sie außerdem häufig in einem sozialen Umfeld aufwachsen, wo die Dauerberieselung gesetzt ist.
Von der Beschreibung zur Reflexion
Bevor die Kinder und Jugendlichen überhaupt in die Lage versetzt werden können zu erkennen, dass ihr Medienkonsum vielleicht problematisch sein könnte, hilft es in erster Instanz, den eigenen Medienkonsum schriftlich festzuhalten. Damit eine gute Vergleichbarkeit entsteht, sollte ein Zeitraum von mindestens drei und maximal sieben Tagen gewählt werden. Zur Unterstützung kann in den Einstellungen vieler Smartphones die Funktion „Bildschirmzeit“ (iOS) oder „Digitales Wohlbefinden“ (Android) aktiviert werden, was zumindest die Smartphonenutzung automatisiert akribisch erfasst. Zur Unterstützung kann das Arbeitsblatt „Medientagebuch“ (siehe unten) dienen, was die Lernenden beim Festhalten ihres gesamten Medienkonsums über den Erfassungszeitraum unterstützt.
Was ist jetzt so schlimm?
Im Allgemeinen wissen viele Kinder und Jugendliche, dass sie „zu viel am Handy sind“, da sie das häufig aus ihrem sozialen Umfeld gespiegelt bekommen. Es ist aber auch deutlich anzumerken, dass ein bestimmtes Nutzungsverhalten Anzeichen einer beginnenden Sucht sein kann, welche sich durch den Alltag betroffener Jugendlicher zieht. Dabei sind die Anzeichen – wie allgemeines Desinteresse, Abgeschlagenheit, zunehmende Isolation – vergleichbar zu denen von „altbekannten“ und besser erforschten Süchten. Das Medientagebuch bietet eine erste Grundlage für weiterführende Gespräche, zur Vertiefung und zum anregenden Nachdenken. Gegebenenfalls werden auch Muster beim Medienkonsum deutlich, die eine gute Basis für die Gefühlsarbeit darstellen. So können beispielsweise eine Vielzahl Kinder und Jugendlicher nicht mehr ohne das Laufen eines Videos im Hintergrund vernünftig einschlafen oder fühlen sich durch das permanente Eintrudeln vielzähliger Push-Benachrichtigungen unglaublich gestresst. Die Gründe zur Nutzung sind vielfältig. Medien wirken ablenkend und betäubend und sie können beim Umgang mit einem geringen Selbstwertgefühl behilflich sein und Erfahrung der Selbstwirksamkeit ermöglichen. Es kann lohnend sein, gemeinsam mit den Lernenden die Benachrichtigungseinstellungen ihrer Smartphones zu analysieren und ihnen dabei zu helfen, die Einstellungen ihren Bedürfnissen entsprechend anzupassen.
Medien sind nicht mehr wegzudenken und haben sich fest in unser aller Leben verankert. Es ist nun an uns, gemeinsam mit unseren Lernenden einen gesunden Umgang damit zu finden und in den Austausch zu gehen. Dabei können alle etwas lernen. Wichtig ist es für uns Lehrkräfte, die eigenen Grenzen zu kennen und sich bei Unsicherheit Unterstützung im Kollegium und von Experten und Expertinnen zu holen.
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Zum Weiterlesen
Tipps für Erziehungsberichtigte und Lehrkräfte zum Umgang mit dem zunehmenden Medienkonsum Kinder und Jugendlicher von der Europäischen Initiative „klicksafe“: Hier weiterlesen
„Ins Netz gehen“ ist ein Informationsangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, welches sich insbesondere an Lernende richtet: Hier weiterlesen








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