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Philosoph des Monats: Günter Ropohl

Günter Ropohl zählt zu den bedeutendsten Philosophen im Bereich der Technikphilosophie. Im Juni dieses Jahres jährt sich sein Geburtstag zum 84. Mal.  

Technik ist aus unserem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken: Technische Geräte wie Staubsauger oder Waschmaschinen helfen uns bei alltäglichen Aufgaben im Haushalt. Durch Maschinen und automatisierte Produktionsprozesse ist es industriellen Betrieben möglich, um ein Vielfaches schneller und präziser zu produzieren als Menschen dies könnten. Besonders bedeutsam sind dabei die Entwicklungen innerhalb der Informationstechnologie. Unterwegs WhatsApp-Nachrichten schreiben, Produkte im Internet bestellen, Filme und Serien streamen – all diese Dinge sind für uns heute selbstverständlich. Allerdings bringen diese Entwicklungen auch neue Fragen mit sich. Datenschutzregelungen, der Einfluss von Social Media oder Cyberkriminalität sind einige der Themen, die in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen haben. Zuletzt gibt es viele Diskussionen um die Weiterentwicklung und Nutzung von KI-Chatbots wie beispielsweise ChatGPT. Einer der Kritikpunkte besteht darin, dass deren Weiterentwicklung zu schnell voranschreite, obwohl es bislang keine festgelegten Regeln gibt, wann und wofür KI-Chatbots genutzt werden dürfen. Mit genau solchen Problemen beschäftigte sich auch der Philosoph und Ingenieur Günter Ropohl in seinen Arbeiten. Seine Ansätze beziehen sich dabei voranging auf die Nutzung von Maschinen und technischen Geräten, lassen sich aber auch auf moderne Technikentwicklungen übertragen.

Günter Ropohl: Lehrtätigkeiten in Karlsruhe und Frankfurt am Main

Günter Ropohl wurde 1939 in Köln geboren. Er studierte Maschinenbau und Philosophie an der Universität Stuttgart, wo er anschließend auch promovierte. 1978 habilitierte er sich an der Universität Karlsruhe in den Fächern Philosophie und Soziologie. In seiner Arbeit beschäftigte er sich mit Technik und den Entwicklungen in diesem Bereich, wobei er einen systemtheoretischen Ansatz verfolgte. Im Anschluss daran lehrte Günter Ropohl Philosophie und Soziologie in Karlsruhe, bevor er 1981 an die Goethe-Universität in Frankfurt am Main wechselte und dort bis 2004 als Professor für Allgemeine Technologie tätig war. Im Januar 2017 verstarb Günter Ropohl im Alter von 77 Jahren.

Die Nutzung technischer Mittel als „soziotechnisches Handeln“

Durch die immer weiter fortschreitende Technisierung verfügen die Menschen Ropohl zufolge heute über eine technische Handlungsmacht. Diese zeichnet sich zum einen dadurch aus, dass technische Gegenstände menschliche Arbeiten ersetzen und ihnen nur noch die Zielsetzung dieser Arbeit überlassen wird. Zum anderen erweitert Technik das menschliche Handeln und Erleben. Schon lange sind es keine Einzelpersonen mehr, die über diese technische Handlungsmacht verfügen. Die moderne Technik ist heute auf eine arbeitsteilige Gesellschaftsstruktur angewiesen, innerhalb derer technische Mittel auf verschiedene Art und Weise eingesetzt werden. Maschinen, Geräte oder auch Informationssysteme sind demnach nicht nur einigen Wenigen zugänglich, sondern können von allen Menschen genutzt werden. Dabei können technische Mittel auch in Handlungskontexten eingesetzt werden, für die sie ursprünglich nicht gedacht waren. Ihre Nutzung und Entwicklung bezeichnet Günter Ropohl daher als „soziotechnisches Handeln“, da Handlungen in diesem Bereich nicht mehr nur einem Individuum zugeschrieben werden können. Daraus ergibt sich die Frage nach der Verantwortbarkeit solcher Handlungen.

Technikbewertung als systemtheoretischer Ansatz

In seinem Buch „Ethik und Technikbewertung“ (1996) plädiert Günter Ropohl dafür, Technikfolgen nicht erst im Nachhinein zu bewerten, sondern schon während des Entwicklungsprozesses zu berücksichtigen. Eine solche „innovative Technikbewertung“ stellt einen kontinuierlichen Steuerungs-, Bewertungs- und Korrekturprozess dar, durch den unerwünschte Nebenfolgen möglichst früh erkannt und vermieden werden können. Dabei verfolgt Ropohl einen systemtheoretischen Ansatz und beschreibt Technikbewertung als ein System von Teilaktivitäten, die den Bewertungsablauf strukturieren und währenddessen immer wieder aufeinander bezogen werden. Zu diesen Teilaktivitäten gehören unter anderem die Abgrenzung des Problems, die Beschreibung alternativer Lösungsansätze und die Abschätzung der Folgen mithilfe verschiedener Methoden. Ropohl unterschiedet dabei zwei Arten der Technikbewertung. Die technikinduzierte Technikbewertung bezieht sich auf bereits existierende technische Entwicklungen und untersucht, ob deren Einsatz mit samt ihren Folgen als gerechtfertigt gelten kann. Bei der probleminduzierten Technikbewertung wird sich bei der Entwicklung technischer Mittel an den Bedürfnissen innerhalb einer Gesellschaft orientiert. Die Zwecksetzung eines Produktes geht dessen Entwicklung dabei voraus und muss mit anderen geltenden Grundsätzen innerhalb einer Gesellschaft abgeglichen werden. Voraussetzung dafür ist die Festlegung konkreter Bewertungskriterien, die sowohl gesellschaftlich als auch politisch legitimiert sein müssen. Die Technikbewertung obliegt dabei nicht einer einzelnen Person, sondern basiert auf der Zusammenarbeit von Expertinnen und Experten unterschiedlicher Fachgebiete.

In seinen Arbeiten geht es Günter Ropohl darum aufzuzeigen, wie eine adäquate Technikbewertung in der Praxis aussehen könnte. Dabei bezieht er sich viel auf die Entwicklungen der letzten Jahre im Städte- und Industriebereich. Aber auch für die sich immer weiterentwickelnde Technik im IT-Bereich können seine Ideen hilfreich sein. Hier lassen sich ebenfalls Nutzen und Folgen abschätzen und können Anhaltspunkt geben, wie der Umgang mit derartigen Technologien geregelt werden sollte. Dies ermöglicht eine Perspektive, die nicht nur den technischen Fortschritt, sondern auch die Auswirkungen auf Gesellschaften mitberücksichtigt.

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Über die Autorin

Miriam Dalege

Ich bin im Ernst Klett Verlag als Werkstudentin in der Redaktion Religion/Ethik tätig und studiere parallel dazu Kommunikationswissenschaft und Philosophie im Master.

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