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Philosoph des Monats: John Rawls – Theorie der Gerechtigkeit

Mit seiner „Theorie der Gerechtigkeit“ wurde John Rawls zu dem bekanntesten Theoretiker der Gerechtigkeit. In diesem Jahr wäre er 102 Jahre alt geworden.

Wann ist ein Staat gerecht? Auf diese Frage lässt sich nur schwer eine Antwort finden, da bei der Beantwortung viele Aspekte von Bedeutung sind. Fragt man beispielsweise danach, wie gerecht es in Deutschland zugeht, kann man zu verschiedenen Bewertungen gelangen. Auf der einen Seite geht die Spanne zwischen arm und reich immer weiter auseinander. Laut dem Verteilungsbericht des DGB von 2021 verdienen die wohlhabendsten 10 Prozent der Bevölkerung über 65 Prozent des Gesamtnettovermögens Deutschlands. Diese Verteilung würden die meisten als eher ungerecht bewerten. Bezogen auf die Grundgesetze, die für jeden Menschen gelten, könnte man dagegen auch die Meinung vertreten, dass dies weitestgehend gerecht ist, da jede Person vor dem Gesetz die gleichen Chancen auf Wohlstand besitzt. Der Staatsphilosoph John Rawls beschäftigte sich ebenfalls mit der Möglichkeit von Gerechtigkeit innerhalb von Staaten. In seiner „Theorie der Gerechtigkeit“ bietet er einen Lösungsansatz, der die politische Philosophie bis heute nachhaltig beeinflusst.

John Rawls: Langjährige Professur an der Harvard University

John Rawls wurde am 21. Februar 1921 in Baltimore in Maryland als eines von fünf Kinder geboren. Sein Interesse an politischen Themen wurde schon früh durch seine politisch hoch engagierte Mutter und seinen Vater, der Anwalt war, geweckt. 1939 begann er an der Princeton University zu studieren, wo er sich für Philosophie zu interessieren begann und das Studium 1943 abschloss. Im Anschluss daran verließ er die Universität zunächst wieder, um zur Armee zu gehen und als Soldat im Zweiten Weltkrieg zu kämpfen. Nach seinem Besuch des zerstörten Hiroshimas nach dem Abwurf der Atombombe entschied sich Rawls allerdings gegen eine militärische Laufbahn und kehrte an die Princeton University zurück, wo er in Philosophie promovierte. Nach verschiedenen Professuren an der Oxford University und in Amerika, wechselte er 1979 an die Harvard University, wo er bis zu seiner Emeritierung lehrte. Nach mehreren Schlaganfällen starb John Rawls am 24. November 2002 im Alter von 81 Jahren.

Eine Staatskonzeption vor einem „Schleier des Nichtwissens“

John Rawls zählt zu den bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts. Sein Werk „A Theory of Justice“ (dt.: „Eine Theorie der Gerechtigkeit“) von 1971 ist seine bekannteste und gleichzeitig einflussreichste Arbeit. In dieser geht er der Frage nach, unter welchen Bedingungen eine Gesellschaft als gerecht gelten kann. Bei der Entwicklung seiner Gerechtigkeitstheorie bezieht er sich dabei unter anderem auf die klassischen Vertragstheorien von Locke und Kant. Kern der Arbeit ist John Rawls’ berühmtes Gedankenexperiment, mit dem ermittelt werden kann, unter welchen Voraussetzungen eine Gesellschaft als gerecht gelten kann. Darin geht er von einem Urzustand aus, in dem Menschen diskutieren, wie sie einen möglichst gerechten Staat konzipieren können. Diese Diskussion müsse Rawls zufolge unter einem „Schleier des Nichtwissens“ stattfinden, sodass keiner der Beteiligten weiß, welchen Platz er oder sie in der zukünftigen Gesellschaft einnehmen wird. Nur mithilfe dieser Vorbedingung sei davon auszugehen, dass alle Beteiligten nicht von Eigeninteressen geleitet werden.

Die Anwendung dieser Imagination führe Rawls zufolge zu zwei Grundprinzipen, denen alle Mitglieder zustimmen müssten, damit ein Staat als gerecht gelten kann. An erster Stelle steht das Recht auf das umfangreichste Gesamtsystem an Grundfreiheiten, welches für jedes Staatsmitglied gleichermaßen gilt. Das zweite Prinzip bezieht sich auf eine gerechte Verteilung gesellschaftlicher Güter. Soziale und gesellschaftliche Ungleichheiten seien Rawls zufolge nur legitim, wenn die am schlechtesten Gestellten in einer Gesellschaft davon profitieren und diese Ungleichheiten mit Ämtern verbunden sind, die allen Mitgliedern offenstehen. Unter dieser Bedingung lehnt Rawls eine ungleiche Güterverteilung zwar nicht ab. Allerdings muss jedes Gesellschaftsmitglied über die gleichen Chancen und Freiheiten verfügen, das eigene Potenzial voll entfalten zu können.

Mit seiner Gerechtigkeitstheorie gilt John Rawls bis heute zu den wirksamsten Verfechtern des egalitären Liberalismus. Auch wenn seine Überlegungen an manchen Stellen anfechtbar sind, so ist es Rawls mit seinem Ansatz gelungen, den abstrakten Begriff der Gerechtigkeit in eine strukturierte und ausdifferenzierte Staatstheorie einzubetten.   

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Zum Weiterlesten

Anregungen zum Thema „Soziale Gerechtigkeit“ anlässlich des Welttags der sozialen Gerechtigkeit am 20. Februar findet ihr in diesem Blogbeitrag.

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Über die Autorin

Miriam Dalege

Ich bin im Ernst Klett Verlag als Werkstudentin in der Redaktion Religion/Ethik tätig und studiere parallel dazu Kommunikationswissenschaft und Philosophie im Master.

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