Kneten im Religionsunterricht? Muss man sich da nicht wundern? – Nein. Wundererzählungen gehören auf den ersten Blick zu den anspruchsvollsten religionsdidaktischen Themenfeldern, da sie nicht in die Lebenswirklichkeit der Lernenden zu passen scheinen. Eine kreative Annäherung kann hier ganz „wunderbar“ bei der Erschließung unterstützen.
Worin liegt das didaktische Potenzial der Wundererzählungen ?
Nicht die Plausibilität des Wunders sollte im Vordergrund stehen, sondern die Entdeckung des Wundersamen und die Vielstimmigkeit der Texte vor dem Hintergrund ihrer Erzählsituation. Sie müssen methodisch lebendig erschlossen werden, um ihr besonderes Potenzial zu entfalten: ihre Erfahrungsdichte, ihre Identifikationsstärke, ihre Leiblichkeit und vor allem ihre Hoffnungsperspektive angesichts von Ausweglosigkeit.
Warum eignet sich das Kneten so gut?
Das Kneten von Figuren hat den Vorteil, dass es Sprachbilder, Metaphern und Symbole im wahrsten Sinne des Wortes greifbar macht, dynamisch, flexibel und anschaulich ist. Die knetende Person kann in die Erfahrungswelt der bildreichen Wundererzählungen eintauchen und kommt unmittelbar mit der religiösen Ausdrucksform und Sprache in Berührung und nimmt sie haptisch in Gebrauch. Die besonderen Dramaturgien der Wundererzählungen und deren Motive der Hoffnung, des Perspektivwechsels und der Aufrichtung können ideal zum Ausdruck gebracht und modifiziert werden. Am Beispiel der Heilung der gekrümmten Frau am Schabbat lässt sich dies gut veranschaulichen. Im ersten Teil der Erzählung ist die Frau gebeugt, gekrümmt, isoliert und perspektivlos. Nach der Wahrnehmung und Ansprache Jesu ist sie in der Lage, ihr Umfeld wahrzunehmen und sich aus ihrer Krümmung zu lösen.
In Kombination mit der Methode Texttheater können die jeweiligen Gedanken und Gefühle der Frau artikuliert und reflektiert werden.
Gestaltungen zur Sturmstillung nach Lk 8,22–25


Was ist für die unterrichtliche Umsetzung wichtig?
Die Stundendurchführung bietet sich im Sitzkreis mit einer gestalteten Mitte, in die Knetfiguren gesetzt werden können und dadurch für alle sichtbar sind, an. Als Knetunterlage eignen sich feste Pappen, z. B. von leeren Blöcken. Fotos der Knetfiguren zu den ersten Teilen der Wundererzählungen sollten über einen Beamer oder ein Activ-Panel präsentiert werden, um die Entwicklung reflektieren zu können. Ebenso ist ein Einspielen von Hintergrundmusik oder Geräuschen für einen meditativen Klangraum während des Knetens ratsam, da so Kommentare oder Gespräche vermieden werden.
Eine detaillierte Materialliste zu den Lernarrangements befindet sich im Downloadbereich.
Unterrichtskonkretionen
Im Downloadbereich stehen zwei Unterrichtsverläufe sowie Materialien zu zwei biblischen Basistexten im Bereich der Wundererzählungen, nämlich der Sturmstillung und der Heilung der gekrümmten Frau am Schabbat, zur Verfügung. Beide Settings verweben gestalterische, narrative und szenische Verfahren miteinander.
Weiterarbeit
Die Arbeit mit den Knetfiguren und deren Ensembles können durch Soziogramme, Fotocollagen, Elfchen oder der Gestaltung von Spannungskurven den Lernprozess absichern und zugleich vertiefen.
Wundererzählungen sind Hoffnungsgeschichten. In diesem Sinne wünsche ich allen eine hoffnungsvolle Zeit voller neuer Perspektiven.








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