Neue Gemeinschaft im Religions- und Ethikunterricht
Gerade in Religion und Ethik ist es oft so, dass nicht im Klassenverband unterrichtet wird, sondern die Lernenden aus unterschiedlichen Klassen eines Jahrgangs in neuen Lerngruppen zusammengestellt werden. Dann heißt es erst einmal, in der Gruppe die Grundlagen für ein vertrauensvolles Miteinander zu legen. Gerade in diesen Fächern ist das eine Grundvoraussetzung für gelingenden Unterricht, da hier auch persönliche Ansichten und sensible Themen zur Sprache kommen. Ein offener Austausch gelingt dann nur, wenn die Jugendlichen sich in der Gruppe sicher fühlen und sich untereinander vertrauen.
Vertrauen in der Lerngruppe aufbauen
Gemeinschaft innerhalb einer Lerngruppe entsteht nicht von einer Stunde auf die nächste. Und auch nicht, indem ihr sie als Lehrkraft einfordert. Gemeinschaft wächst über einen längeren Zeitraum und ihr könnt diesen Prozess unterstützen. Bewährt haben sich dazu Kennenlern- und Vertrauensübungen, mit denen ihr versuchen könnt, den Grundstein für ein gutes Gruppengefüge zu legen.
Beispiele für den Einsatz von Kennenlern- und Vertrauensübungen
Der Anfang in einer neuen Lerngruppe könnte zum Beispiel folgendermaßen aussehen:
Auftakt der ersten Stunden mit einem Kennenlernspiel, z. B.:
- Nachfolger: Im Klassenraum wird eine Linie mit Klebeband o. Ä. markiert, an einem Ende wird ein + an der anderen ein – angebracht. Die Jugendlichen stellen sich auf der Linie auf. Nun nennt ihr ein Merkmal, z. B. „Größe“ und die Teilnehmenden müssen sich der Reihe nach sortieren, der/die Jugendliche mit dem höchsten Wert steht schließlich beim +, der/die mit dem niedrigsten beim –. Weitere Merkmale, mit denen die Teilnehmenden auch ins Gespräch kommen, könnten sein: Geburtstag, Nachname (Aufstellung nach Alphabet), Schuhgröße, Wohnort, Quersumme des Alters … Kniffeliger wird es, wenn die Teilnehmenden auf einer Langbank stehen und bei der Aufstellung diese nicht verlassen dürfen.
- Handschlag: Die Jugendlichen gehen unter Musikbegleitung durch den Raum. Ihr stoppt die Musik und ruft ein Merkmal in den Raum, z. B. Hobby, Schuhgröße, Lieblingsfach, Lieblingsfarbe … Die Teilnehmenden wenden sich der nächststehenden Person zu und die zwei begrüßen sich gleichzeitig mit „Gestatten: Lea (der eigene Vorname wird genannt) Handball (das Merkmal wird hinzugefügt).“ Stimmen zwei Merkmale überein, klatschen sich die beiden ab und rufen „We are the Champions!“ Dann startet die Musik erneut und das Spiel geht weiter.
- Atome bilden: Die Jugendlichen gehen durch den Raum. Ihr ruft „Stopp“, haltet die Hände hoch und zeigt eine Zahl. Die Teilnehmenden finden sich in Gruppen mit dieser Zahl zusammen. Sie haben nun etwas Zeit, sich den anderen in der Kleingruppe vorzustellen und etwas über sich zu erzählen. Bleiben Personen übrig, kommen sie zu euch und stellen sich euch vor.
Kennen sich die Lernenden nach einigen Stunden besser, können die Kennenlernspiele durch Vertrauensspiele ersetzt werden, z. B.:
- Weitergeben im Kreis: Die Jugendlichen stehen Schulter an Schulter im Kreis, heben ihre Unterarme an und halten die Handflächen in die Kreismitte. Eine Person stellt sich in die Mitte, macht sich steif, schließt die Augen und lässt sich in eine Richtung fallen. Die Teilnehmenden im Kreis fangen sie mit den entgegengestreckten Händen auf und schieben sie sanft in eine andere Richtung, in die die Person dann fällt. So wird sie eine Zeit lang im Kreis „herumgereicht“.
- Schmelzende Eisscholle: Es werden zwei Gruppen gebildet. Für beide wird ein Bereich in der Klasse mit Zeitung ausgelegt, sodass alle bequem mit einigem Abstand darauf stehen können. Du erklärst, dass es sich um eine Eisscholle handelt, die langsam schmilzt und reißt nach und nach immer mehr von der Zeitung weg. Die Gruppen müssen nun versuchen, auf der immer kleineren Fläche der Zeitung zu bleiben. Tritt eine Person neben die Zeitung, ist für diese Gruppe das Spiel beendet. Geben die Gruppen ein Zeichen, dass der Platz nicht mehr kleiner werden kann, wird der Stand festgehalten und wenn beide Gruppen fertig sind, verglichen.
- Elektrozaun: In der Klasse wird ein Hindernis aufgebaut, z. B. eine gespannte Schnur, das nicht einfach durch Hinübersteigen zu überwinden ist. Die Gruppe muss nun alle Teilnehmenden auf die andere Seite dieses „Zauns“ befördern. Berührt einer der Teilnehmenden das Hindernis, müssen alle wieder von vorn beginnen. Die Schwierigkeit kann dadurch erhöht werden, dass die Teilnehmenden nicht miteinander sprechen dürfen oder dass nur wenige oder keine Gegenstände im Raum benutzt werden dürfen. Achtet bei der Durchführung darauf, dass es nicht zu gefährlicher „Akrobatik“ kommt!
Parallel zu diesen Übungen können im Unterricht Inhalte zu den Themen „Gemeinschaft“ und „Ich und die anderen“ erarbeitet werden, die die Lehrpläne vorgeben und zu denen die meisten Schulbücher auch Material beinhalten.
Im weiteren Verlauf des Schuljahres kann das Thema Gemeinschaft immer wieder aufgegriffen werden, auch wenn es explizit nicht mehr Thema im Unterricht ist. Das kann z. B. geschehen, indem sich die Jugendlichen gegenseitig eine positive Rückmeldung geben.
Hierzu eignen sich Reflexionsübungen, z. B.
- Beobachtungstag: Die Jugendlichen bekommen eine andere Person aus der Gruppe zugelost und einen geeigneten Tag, an dem sie diese Person in der Schule „beobachten“ sollen. Am Ende des Tages sucht sich der/die Teilnehmende eine Situation aus und beschreibt sie folgendermaßen auf einem Blatt Papier: „Als ich gesehen/gehört habe, dass/wie du…, habe ich mich gefreut/fand ich das gut, weil …“. In der nächsten Stunde überreicht der/die Teilnehmende dann der beobachteten Person den Zettel.
- Warme Dusche: Hier klicken und den Beitrag zur Warmen Dusche lesen
Es lohnt sich, sich Zeit für diese oder andere Übungen zu nehmen und sie im Laufe des Schuljahres wieder aufzugreifen und so das gegenseitige Kennenlernen und das Vertrauen der Lerngruppe immer weiter auszubauen. Und das nicht zuletzt, weil sie neben dem positiven Ergebnis für die Gemeinschaft auch viel Spaß bringen!
Zum Weiterlesen
Noch mehr Tipps zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls gibt es im Blogbeitrag „Die Bingo-Gruppenchallenge“








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