Der Internationale Kindertag ist in Deutschland heute einer von zwei Tagen im Jahr, an denen Kinderrechte in den Mittelpunkt gestellt werden. Grund dafür, dass es zwei solcher Tage gibt – anders als bspw. beim Internationalen Frauentag – ist, dass sowohl in der DDR als auch in der BRD ein Tag „für Kinder“ eingeführt wurde. Hier sollten die Kinder überall auf der Welt sowie ihre Rechte und Probleme (z. B. Kinderarmut) im Fokus stehen. In der BRD wurde der Weltkindertag, der am 20.09. im Kalender steht, eingeführt und in der DDR – vier Jahre früher als in der BRD – der Internationale Kindertag am 01.06.
Abgesehen von kalendarischen Unterschieden, ist der Internationale Kindertag aber in östlichen Bundesländern kein Tag wie jeder andere, wird gefeiert und scheint weit mehr im Bewusstsein der Kinder dort zu sein als es der Weltkindertag in den westlichen Bundesländern für Kinder ist. Das fiel mir besonders im Gespräch mit anderen Mitarbeitenden im Ernst Klett Verlag auf, die – anders als ich – in Bundesländern der ehemaligen DDR aufgewachsen sind. Um euch das zu verdeutlichen, hier einige Aussagen von Mitarbeitenden unseres Verlags:
Stimmen zum Internationalen Kindertag in der Zeit der DDR
„Es war nicht bedeutungslos, es war immer klar: Der 1. Juni ist Kindertag.“
„Der 1. Juni war eine feste Größe im Jahr. Er wurde auch durch staatliche Einrichtungen gesteuert. In der Schule gab es Veranstaltungen, es wurde mit Wimpelchen geschmückt und es war alles ein bisschen lustiger als sonst. So eine Art Kinderparty.“
„Das hatte auch etwas mit Propaganda zu tun.“
„Ich wusste bis später gar nicht, dass es noch andere Kindertage gibt. Ich dachte, der Internationale Kindertag wird überall auf der Welt gefeiert. Wie international das wirklich war, weiß ich gar nicht.“
„Es war wie ein Minigeburtstag. Man bekam Süßigkeiten oder ein kleines Buch geschenkt.“
„In meiner Erinnerung habe ich nicht groß auf Geschenke gewartet, es war wohl auch zu DDR-Zeiten unterschiedlich. Meine Eltern haben mir nichts geschenkt, aber wohl auch aufgrund der Tatsache, dass es nichts gab.“
„Es gab verschiedene Stationen auf dem Schulhof wie Basteleien und Stelzenlauf. Oft war das mit Wettbewerben verbunden, bei denen man Preise gewinnen konnte.“
„Die Kinder standen an dem Tag im Mittelpunkt und wurden gefeiert. Man hat sich besonders gefühlt.“
Stimmen zum Internationalen Kindertag nach der Wende
„Meine Mutti gratuliert mir an dem Tag noch heute, mit über Vierzig.“
„Ist so ein bisschen wie Muttertag, nur eben Kindertag. Wir haben da dann auch immer eine Kleinigkeit bekommen, was Süßes.“
„Heute zelebriert mein Kind nur den Mutter- und nicht den Frauentag. Als ich [zu DDR-Zeiten] Kind war, ist es andersherum gewesen. Heute ist der Kindertag eher so wie der Muttertag, früher so ähnlich wie der Frauentag.“
„Was ich total cool finde ist, dass es zum Kindertag Karten gibt. Statt Happy-Birthday-Karten sind es Karten zum Kindertag. Meine Kinder bekommen von ihrem Großvater jedes Jahr so eine Karte.“
„Heute wird es in den Schulen zwar nicht mehr so gefeiert, aber für die, die in der DDR groß geworden sind, ist der Tag immer noch bedeutsam. Man schenkt da seinen Kindern nach wie vor eine Kleinigkeit.“
„Es gibt an dem Tag immer noch ein Fest bei uns in der Gegend. Da bauen verschiedene Vereine Stände auf und es gibt Mitmachspiele für Kinder. Es ist ein Nachmittag, der dem Spaß der Kinder gewidmet ist.“
Herkunft und Hintergrund des Internationalen Kindertages
Der Internationale Kindertag fand in der DDR erstmals am 01.06.1950 statt und wurde auch in anderen sozialistischen Staaten alljährlich gefeiert. An diesem Tag gab es Kinderfeste und in der Regel kleine Geschenke für die Kinder. Auch Kinder in anderen – kapitalistisch geprägten – Ländern, denen es z. B. durch Kinderarmut weniger gut ging, standen im Fokus. Letzteres nicht ohne propagandistische Ziele:
Kinder in Armut wurden mit den Kindern in der DDR verglichen, denen es selbstverständlich besser ginge. Die politische Erziehung war am Internationalen Kindertag nicht unwichtig. Im Buch „Bald bin ich ein Schulkind“ konnten Eltern Ratschläge erhalten, wie sie den 01.06. „zu einem besonderen Ereignis“ machen konnten. Wie meine Kollegin sagte: „Das hatte auch etwas mit Propaganda zu tun.“
Der Internationale Kindertag heute
Heute fällt der Internationale Kindertag mit dem Weltelterntag zusammen – und das ganz bewusst, wie das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend klarstellt: „Der Internationale Kindertag und der Weltelterntag machen auf die Rechte und Bedürfnisse, aber auch Leistungen und Errungenschaften von Kindern und Eltern aufmerksam.“1
Die Rechte von Kindern, wie auch deren Bedürfnisse, stehen am Internationalen Kindertag also noch immer im Mittelpunkt. Durch den Weltelterntag am gleichen Tag soll aber zusätzlich auch die Arbeit in der Erziehung wie auch der Bildung wertgeschätzt werden.
Vielerorts finden am 01.06. Veranstaltungen statt, die für Kinder und Familien gedacht sind. Anders als zu DDR-Zeiten allerdings in einem anderen Rahmen, nicht flächendeckend und nicht mit staatlich gelenktem Interesse.
Außerdem gibt es in der Tradition des Internationalen Kindertages auch heute in vielen Familien, in denen mindestens ein Elternteil den Internationalen Kindertag aus der eigenen Kindheit kennt, noch kleine Geschenke für die eigenen Kinder.
Ein Unterrichtsvorschlag zum Thema Kinderrechte
So spannend der historische Ursprung und die Tatsache der zwei „Kindertage“ in Deutschland auch sind, so soll es in diesem Unterrichtsvorschlag um ein zentrales Thema der Kindertage gehen, die Kinderrechte. Auch wenn es für euch selbstverständlich ist, dass es diese gibt, werden einige eurer Lernenden vielleicht nicht wissen, welche Rechte sie haben und was ihre Rechte im Alltag bedeuten können.
In dieser Unterrichtseinheit sollen eure Lernenden ihre Rechte kennenlernen bzw. verinnerlichen und die Bedeutung dieser für ihren Alltag erkennen. Nutzt hierzu gerne die Kopiervorlage mit entsprechender Lösung. Ihr könnt diese Unterrichtseinheit anlässlich eines der Kindertage am 01.06. oder 20.09., dem Internationalen Tag der Kinderrechte am 20.11. oder in einer passenden Unterrichtsreihe ohne einen der Tage als Anlass durchführen (Empfehlung: Jahrgangsstufe 5 bis 6).
Zum Einstieg können eure Lernenden mithilfe eines kurzen Erklärvideos (ca. 5 ½ Minuten) des Deutschen Kinderhilfswerkes einen Lückentext ausfüllen, um allgemeine Informationen zum Thema „Kinderrechte“ kennenzulernen (A1 der KV).
In einer Erarbeitungsphase untersuchen eure Lernenden eines der Kinderrechte vertiefend und stellen sie dar, indem sie eine von drei Varianten wählen, um eines der Rechte näher zu betrachten (A2 der KV). Je nach Lerngruppe können die Lernenden entweder selbstständig jeweils eines der Rechte heraussuchen, das sie interessiert, oder ihr teilt ihnen ein Recht zu:
Je nachdem welche Variante von A2 von den Lernenden gewählt wird, erfolgt die Vorstellung der verschiedenen Kinderrechte.
Anschließend könnt ihr mit euren Lernenden Beispiele diskutieren, in denen Kinderrechte besonders gut umgesetzt oder aber verletzt werden. Hierzu ist die Bonusaufgabe zu A2 Ausgangspunkt, in der besonders schnelle Lernende bereits Beispiele gefunden haben. Sollte die Bonusaufgabe von niemandem bearbeitet worden sein, könnt ihr entweder selbst ein oder zwei Beispiele vorstellen, über die diskutiert werden kann, oder ihr gebt euren Lernenden noch kurz Zeit, damit diese Beispiele finden.
Optional könnt ihr die vorgestellten Kinderrechte danach in einer Tabelle sammeln (A3 der KV). Eure Lernenden können dann bewerten, wie wichtig ihnen die verschiedenen Rechte sind, darüber in Gruppen diskutieren und ggf. begründet Stellung dazu beziehen, ob bzw. inwiefern sie sich für Kinderrechte einsetzen wollen (A4 der KV). Diese beiden Aufgaben müssen allerdings nicht bearbeitet werden, um zum Schluss der Unterrichtseinheit gemeinsam im Plenum zu besprechen, welche Anlaufstellen und Bezugspersonen helfen können, wenn Kinder ihre Rechte oder die Rechte anderer Kinder in Gefahr bzw. verletzt sehen (A5 der KV).
Je nach Lerngruppe und Zeit könnt ihr nach der Bearbeitung der KV auch noch ein Beispiel gelebter Demokratie anführen, in dem Kinder von ihrem Recht auf Mitbestimmung Gebrauch gemacht haben: In Meerbusch haben Kinder dafür gesorgt, dass in der Stadt ein Skatepark entsteht. Ein Video, in dem ihr Weg deutlich wird, findet ihr in der ARD Mediathek (ca. 9 ½ Minuten, verfügbar bis 20.11.2026). Seht euch dieses Video mit euren Lernenden an und überlegt gemeinsam, was in eurer Stadt bzw. eurer Gegend für Kinder besser werden könnte. Falls eure Lernenden eine gute Idee haben, überlegt, welche Schritte nötig wären, um eine solche Idee umzusetzen. So können eure Lernenden ggf. selbst beginnen, sich für eine Idee einzusetzen und erleben so Demokratie mithilfe ihres Kinderrechts auf Mitbestimmung.
Wenn ihr noch weitere Ideen für das Einbringen von Kinderrechten im Unterricht sucht, seht euch gerne einen dieser Blogartikel im Reli-Ethik-Blog oder im Blog GeWi im Unterricht an und nutzt eines der folgenden Lehrwerke:
Kinder haben eigene Rechte und Bedürfnisse, die leider nicht immer und überall gewahrt werden. Und solange dies immer noch der Fall ist, ist es gut, dass wir in Deutschland gleich zwei Tage haben, an denen darauf aufmerksam gemacht wird!







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