Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

Der Weltfrauentag im Religions- und Ethikunterricht

Der Internationale Frauentag oder Weltfrauentag wird jedes Jahr am 8. März gefeiert. Nehmt diesen Tag zum Anlass, um mit euren Lernenden im Religions- oder Ethikunterricht über Geschlechtergerechtigkeit zu diskutieren!

Weltfrauentag – Wie sieht es mit der Gleichstellung der Frau in Deutschland aus?

Der Weltfrauentag kann genutzt werden, um auf Frauenrechte und das Thema, inwiefern Frauen im Vergleich zu anderen Geschlechtern gleichgestellt sind, hinzuweisen. In diesem Artikel wird explizit die Gleichstellung von Frauen im Vergleich zu Männern in Deutschland in den Blick genommen. Laut Gesetz sind Frauen und Männer selbstverständlich gleichberechtigt, aber das bedeutet nicht, dass sie tatsächlich gleichgestellt sind. Ein paar Beispiele zeigen dies deutlich:

  • Der (bereinigte) Gender-Pay-Gap: Frauen verdienen bei gleicher Arbeit und gleicher Qualifikation im Schnitt etwa sechs Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. [1]
  • Der „Gender-Health-Gap“: Der Begriff „Gender-Health-Gap“ kann verwendet werden, wenn es um systematische Unterschiede der Geschlechter in der Versorgung im Gesundheitswesen geht. Frauen sind in der Medizin häufig benachteiligt. Viele Medikamente sind ausschließlich an Männern getestet – der weibliche Körper mit seinen Hormonschwankungen und möglichen Schwangerschaften ist schließlich komplizierter zu berücksichtigen. Zusätzlich forschten gerade in der Vergangenheit überwiegend Männer. Medikamente sind in der Folge für Frauen oft nicht richtig dosiert. Krankheiten werden bei Frauen außerdem teilweise aufgrund des Geschlechts später erkannt als bei Männern. [2]
  • Antifeminismus: Antifeministischen Aussagen haben wieder höhere Zustimmungswerte, wobei im Antifeminismus ungleiche Verhältnisse von Männern und Frauen beibehalten werden sollen. [3]

Weltfrauentag – Warum im Unterricht?

Wie Frauen gesellschaftlich gesehen und behandelt werden, ist nicht nur ein Thema für Frauen, sondern für alle Geschlechter. Es geht uns alle an!

In der Leipziger Autoritarismus-Studie aus dem Jahr 2022 ist ein Ergebnis, dass 33% aller Männer und 19% aller Frauen in Deutschland ein geschlossen antifeministisches Weltbild haben. [4] Antifeminist:innen sind in der Regel z. B. gegen die Gleichstellung der Geschlechter, gegen Ansätze für geschlechtliche Vielfalt und gegen diverse Modelle von Liebe oder Familie. Vertreter:innen des Antifeminismus‘ sind bestrebt, hetero-normative Verhältnisse beizubehalten oder wiederherzustellen. Antifeminismus ist inzwischen auch fester Bestandteil der digitalen Welt. Zum Beispiel werden antifeministische Ansichten verbreitet, wie die, dass Männern und Frauen verschiedene „naturgegebene“ oder „gottgegebene“ Rollen zugewiesen werden. Antifeminismus wird z. B. von der Bundeszentrale für politische Bildung u. a. als demokratiegefährdend eingeschätzt.

Auch der Trend der sogenannten „Tradwives“ ist auf sozialen Medien präsent. Bei diesem Trend wird das Leben als traditionelle Hausfrau propagiert, die keiner bezahlten Arbeit nachgeht, ihren Mann und mögliche Kinder umsorgt und sich um den Haushalt kümmert. Dass viele dieser „Tradwives“ mithilfe ihrer Accounts und Reichweite Geld verdienen, wird hingegen in der Regel nicht gezeigt. Dieser Trend zeigt ein Frauenbild, bei dem diese als (finanziell) von ihren Männern abhängig dargestellt werden.

Sich ändernde Rollenbilder, Geschlechterungleichbehandlung und Antifeminismus in Deutschland sind – nicht nur am Internationalen Weltfrauentag – Themen, die für die Lernenden Konsequenzen haben und so auch in der Schule behandelt werden sollten. Dass Frauen und Männer in vielen verschiedenen Bereichen in Deutschland immer noch Ungleichbehandlung erfahren und inwiefern dies problematisch sein kann, ist vielen Lernenden sicher nicht bewusst. Eine Bewusstmachung ist aber nötig, damit die Jugendlichen sich eine eigene Meinung zum Thema bilden können, die auf Fakten und verlässlichen Informationen beruht.

Internationaler Weltfrauentag – Ein beispielhafter Exkurs (maximal 10 Minuten)

Ihr wollt aus den Internationalen Weltfrauentag aufmerksam machen, aber auch bei eurem aktuellen Thema weiterkommen? Dann nutzt einen dieser kleinen Exkurse:

  • Variante 1: Seht euch mit euren Lernenden einen kurzen Videoimpuls (ca. 40 Sekunden) anlässlich des Weltfrauentags an. Nutzt alternativ oder im Anschluss ein Quiz, in dem einige Fakten zur Ungleichstellung der Frau in Deutschland deutlich werden. Das Quiz findet ihr unter diesem Beitrag zum Download. Diskutiert schließlich die Fakten im Plenum mit euren Lernenden.
  • Variante 2: Seht euch mit euren Lernenden das folgende Video an (ca. 13 Minuten). Diskutiert im Anschluss Aussagen verschiedener Personen aus dem Video. Haltet auch fest, wie ihr Ungleichbehandlung im Alltag begegnen könnt.
    Hinweis: Am Ende des Videos gibt es eine „Five-Finger-Challenge“. Diese kann mit den Lernenden durchgeführt werden.

Internationaler Weltfrauentag – Ein beispielhafter Unterrichtsverlauf einer Einzelstunde empfohlen für Jahrgangsstufe 7 bis 10: Gleichstellung von Frauen in Deutschland?

Nutzt die Kopiervorlage (ihr findet sie unten kostenlos zum Download) als begleitendes Material zur Stunde.

  • Einstieg
    Optional wird ein Video aus dem Jahr 1964 (ca. 11 Minuten), in dem es um Ungleichbehandlung von Männern und Frauen geht, mit den Lernenden angesehen und A1 der Kopiervorlage währenddessen erarbeitet. Im Anschluss werden die Ungleichbehandlungen aus dem Video im Plenum gesammelt und die Lernenden stimmen ab, ob es in den genannten Bereichen auch heute noch Ungleichbehandlungen gibt.
    Achtung: Der Einstieg mit diesem Video eignet sich besonders für Lerngruppen mit hoher sprachlicher Kompetenz. Die Lernenden sammeln welche Aspekte sie (zusätzlich zu denen aus dem Video) in Hinblick auf eine mögliche Ungleichbehandlung von Frauen und Männern in Deutschland untersuchen möchten.
  • Erarbeitung
    Die Lernenden teilen sich in Gruppen auf und die verschiedenen zuvor gesammelten Aspekte werden an die Gruppen verteilt.
    Die Lernenden erarbeiten arbeitsteilig, inwiefern Frauen und Männer in verschiedenen Gebieten ungleich behandelt werden (KV, A2). Die verschiedenen Aspekte (z. B. Karriere und Gehalt, Medizin, Sexismus im Alltag) können je nach Lerngruppe auch vorgegeben werden, wenn im Einstieg zu wenige genannt werden.
  • Sicherung
    Die Lernenden stellen ihre Ergebnisse einander mit der Methode „Gruppenpuzzle“ vor. Außerdem können Quiz von den nun neuen Gruppen erstellt werden, in denen das Erlernte eingearbeitet wird. Die Quiz können dann im Plenum gespielt werden. Falls ihr eure Lernenden kein Quiz erstellen lassen wollt, könnt ihr auch das angebotene Quiz aus dem Downloadbereich nutzen.
  • Vertiefung (optional)
    Die Lernenden setzen das Video von Beginn der Stunde mit ihren Erkenntnissen in Beziehung. Die Abstimmung aus dem Einstieg wird wiederholt und die Ergebnisse verglichen.
  • Transfer
    Die Lernenden diskutieren die Ergebnisse und die Folgen für Frauen in der Gesellschaft. Hierbei können aktuelle Trends wie der der sogenannten „Tradwives“ aufgegriffen und diskutiert werden. Außerdem kann festgehalten werden, was die Lernenden persönlich in Bezug auf die Gleichstellung von Frauen und Männern bzw. Mädchen und Jungen in ihrem Alltag tun können (KV, A3).

Erweitert die Sichtweise eurer Lernenden zur Gleichstellung von Frauen in Deutschland mit einem abwechslungsreichen Exkurs anlässlich des Weltfrauentags!

Kostenlos zum Download

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Über die Autorin

Anne Kleiner

Ich arbeite als Redakteurin im Bereich Religion/Ethik im Ernst Klett Verlag. Davor habe ich die Fächer Evangelische Theologie und Physik auf Lehramt für Gymnasien und Gesamtschulen studiert, das Referendariat abgeschlossen und eine Zeit lang als Lehrerin gearbeitet.

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