Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

Leistungsmessung in Religion mal anders: Die Religionstafel als fester Bestandteil des Schullebens

Der Religionsunterricht ist immer auch ein kreativer Unterricht. Die Botschaft der Texte mit ihren Symbolen und Zeichen, welche uns in biblischen Geschichten und Erzählungen begegnen, sind, wenn sie kreativ umgesetzt werden, leichter verständlich und werden so nachhaltiger bei Schülerinnen und Schülern verankert. Kreatives Verarbeiten erleichtert den Zugang hierzu. Eine Möglichkeit zur Überprüfung dieser Leistungen war und ist der klassische Test oder die Klassenarbeit. Kreativität kann dabei jedoch zu kurz kommen, bleibt doch oft nur wenig Zeit für Kreatives in diesen Wiederholungsarbeiten. Doch was sind andere Möglichkeiten der Leistungsmessung in Religion und womit können Schülerinnen und Schüler vielleicht „mehr anfangen“ und nachhaltiger lernen? Ein Appell für mehr kreative Leistungsmessung im Religionsunterricht!

Die Religionstafel – Warum alternative Leistungen?

An meiner Schule wurde vor einiger Zeit die sogenannte Religionstafel als Alternative zur Leistungsmessung per schriftlichem Test oder Klassenarbeit eingeführt. Die Religionstafel bietet eine echte Alternative und vielfältige Vorteile gegenüber traditionellen Klassenarbeiten. Ein Teil der Leistungen des Schuljahres werden seitdem durch die Religionstafel ersetzt.

Mit der Religionstafel bietet sich den Schülerinnen und Schülern eine kreative Lösung und Auseinandersetzung mit den Themen des Religionsunterrichts. Die Schülerinnen und Schüler stellen dabei zu einem Themengebiet projektartig Beiträge zusammen und setzen diese kreativ um. Jede Klasse einer Jahrgangsstufe übernimmt einen konkreten, vorher festgelegten Zeitraum (z. B. die Fastenzeit) und gestaltet die dafür vorgesehene Fläche mit Beiträgen, Bildern, Umfragen oder Kommentaren.

Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt und die Schülerinnen und Schüler können unter Zuhilfenahme verschiedener Medien die „Tafel“ (oder leere Wand) im Schulhaus unter eurer Anleitung frei gestalten. Die Tafel sollte also im Schulhaus für alle sichtbar sein.

Die Ergebnisse sind sowohl für die Kinder und Jugendlichen als auch für die Lehrkräfte und Eltern begeisternd und originell. Ich entscheide mich meist dazu, diese herausragenden Leistungen auch als Note im Religionsunterricht zu werten und die Schülerinnen und Schüler für ihre wochenlange Arbeit zu „belohnen“. Die Lernenden sind von diesem Projekt begeistert!

Wozu kreative Arbeit im Religionsunterricht und warum diese benoten?

Zunächst fördern alternative Leistungen, zu denen man die Religionstafel zählen kann, eine tiefere und nachhaltigere Auseinandersetzung mit den Unterrichtsinhalten, da sie kreative und reflexive Methoden einschließen. Sie ermöglichen den Lernenden, ihr Wissen individuell und praxisnah umzusetzen, wodurch unterschiedliche Lerntypen besser unterstützt werden. Gruppenarbeiten und Diskussionsrunden stärken zudem die sozialen und kommunikativen Kompetenzen, was besonders im Fach Religion, das oft ethische und soziale Fragen behandelt, von großer Bedeutung ist. Das kritische Denken und die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, wird gefördert. Darüber hinaus wird der „Prüfungsdruck“ reduziert, was zu einer entspannteren Lernatmosphäre und zu einer höheren Motivation führen kann.

Einer der Hauptaspekte ist aber hier die Möglichkeit zur Differenzierung und Individualisierung des Lernens. Lernende können ihre Stärken besser einbringen und individuelle Interessen verfolgen. Das führt zu einer stärkeren Identifikation mit den Lerninhalten.

Ein weiterer positiver Effekt: Verbindungen zu anderen Fächern wie Kunst, Geschichte oder Ethik lassen sich einfach herstellen und ermöglichen somit eine Kooperation über den Religionsunterricht hinaus. Übrigens können auch Ethikgruppen Beiträge für die Religionstafel übernehmen!

Insgesamt tragen alternative Leistungsmessungen zu einer ganzheitlichen und schülerzentrierten Bildung bei, die nicht nur Wissen abfragt, sondern auch die persönliche Entwicklung und soziale Fähigkeiten fördert. Ein tieferes Verständnis wird erst dann erreicht, wenn Lernende sich mit Geschichten und Themen intensiv und kreativ auseinandersetzen können. Der folgende Vorschlag soll dies untermauern. Die Erfahrungen aus den letzten Jahren des Religionsunterrichts zeigen: Wir müssen differenzierter und individualisierter arbeiten um auch religionsferne Schülerinnen und Schüler zu erreichen! Eine Kooperation mit anderen Fächern fördert Toleranz und Verständnis für alle Religionsgemeinschaften. Eine kreative Auseinandersetzung mit den Themen eröffnet somit eine tiefere Wirkung und ein besseres Verständnis für den eigenen Glauben und den Glauben anderer.

Konkrete Umsetzung im Unterricht

Die folgenden Materialien könnt ihr für eure Religionstafel verwenden. Grundlage ist eine Liste von „Festen im Jahreskreis“, denen die einzelnen Lerngruppen zugeordnet werden. Die Liste lässt sich individuell erweitern. Sinnvoll ist eine „Zulosung“ der Themen innerhalb der Religionsgruppen zu Beginn des Schuljahres. So lässt sich mit den Schülerinnen und Schülern gut planen und ggf. mit den anderen Fachlehrern koordinieren. Eine Arbeitsanweisung als Themenvorschlag ist ebenfalls für euch beigefügt. Ein Benotungsvorschlag ergänzt das Material.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren!

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Über den Autor

Christian Dummel

Lehrer Sek I, Lehrbeauftragter Kath. Religionslehre/Medienbildung am Seminar für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte Rottweil

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