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Philosophieren mit Jugendlichen im Ethikunterricht: Glück

Glücklich sein – das Ziel aller Menschen? Doch was bedeutet es, glücklich zu sein? Kann es das Endziel „Glück“ geben und ist dieses wünschenswert? Wie fühlt es sich an, glücklich zu sein? Und was sagen Psychologie und Philosophie?

Mit Jugendlichen über das Thema Glück zu philosophieren, eröffnet faszinierende Perspektiven: von Alltagsbeobachtungen über Gedankenexperimente bis hin zu den großen Fragen der Philosophie. Dieser Beitrag zeigt, wie das gelingen kann und warum das Nachdenken über Glück eine Einladung ist, das eigene Leben bewusster zu hinterfragen und zu gestalten.

Die Frage nach dem Glück

Die Frage nach dem glücklichen Leben beschäftigt die Menschheit schon immer. Ob in der Antike, bei Philosophen wie Aristoteles oder in der modernen Psychologie – die Frage nach dem Glück und wie wir es erreichen, bleibt zeitlos. Mit Kindern und Jugendlichen über dieses Thema zu sprechen, eröffnet vielfältige Möglichkeiten. Es lädt ein, eigene Erfahrungen zu reflektieren, Alltagsfragen zu stellen und philosophische Denkweisen kennenzulernen.

Glück – ein Unterrichtsbeispiel

Ein möglicher Einstieg in die Thematik könnte die Frage „Was ist Glück?“ bieten. Hierbei können interaktive Tools wie Mentimeter genutzt werden, um das Vorwissen und die Präkonzepte der Lernenden einzubeziehen. Eine einfache Umfrage zeigt oft schon, wie vielfältig und persönlich die Antworten sind: von „Glück haben“ über „gesund sein“ bis hin zu „Zeit mit Freunden verbringen“.

Eine weitere Einstiegsmöglichkeit bietet das Video vom Philosophischen Kopfkino. Es gibt einen kurzen Überblick über verschiedene Glücksvorstellungen von Wissenschaftlern und Philosophen.

Um diese ersten Assoziationen und Präkonzepte zum Thema zu vertiefen, kann es sinnvoll sein, ebendiese mit theoretischen Ideen zu unterfüttern. Dazu dienen verschiedene Impulse aus der Philosophie.

Ein Impuls aus dem Buch „Der tägliche Stoiker“ kann dabei als Einstieg dienen, z. B. der Gedanke vom 12. Januar:„Greife diesen Gedanken auf, sobald der Tag anbricht, und denke Tag und Nacht daran: Es gibt nur einen Weg zum Glück, und der besteht darin, alles, worauf du keinen Einfluss hast, aufzugeben, darüber hinaus nichts als deinen Besitz zu betrachten, alles andere Gott und dem Schicksal zu überlassen.“ (Epiktet: Lehrgespräche)1

Die Lernenden können assoziieren, was sie darunter verstehen, und darüber nachdenken, ob äußere Umstände oder die innere Einstellung wichtiger für das Glück sind.

Dazu können auch weitere philosophische Positionen eingebracht und vertieft behandelt werden:

  • Aristoteles und sein Konzept der Eudaimonia – das gelungene Leben als Ziel menschlicher Existenz.
  • Die Stoa, die betont, dass Glück unabhängig von äußeren Umständen erreicht werden kann, wenn wir unsere innere Einstellung verändern.
  • Nietzsche, der die Bedeutung des Lebenssinns und der Selbstüberwindung für das Glück hervorhebt.
  • Die Epikureer, die ein Leben in Balance und Genuss anstreben.

Gedankenexperimente: Immer glücklich – ein Wunschtraum?

Um die Diskussion zum Lebensglück zu vertiefen, können Gedankenexperimente eingesetzt werden. Ein mögliches Szenario könnte sein: „Stelle dir vor, es gäbe eine Glückspille. Wenn du diese Pille nimmst, empfindest du immer Glück.“ Daraus ergeben sich weitere Fragen:

  •  Würdest du die Pille nehmen? Warum (nicht)?
  • Wäre man unter Einnahme der Pille tatsächlich glücklich oder nur einer Illusion unterlegen?
  • Braucht es Eigeninitiative und Authentizität, um glücklich zu sein, oder reicht eine „Glückspille“ aus?

Die Lernenden können argumentieren, diskutieren und vielleicht auch feststellen, dass echtes Glück oft mit Anstrengung, Zielen und authentischen Beziehungen verbunden ist – und weniger mit einer schnellen Lösung.

Podcasts aus der Psychologie

Auch aus der Bezugswissenschaft „Psychologie“ gibt es spannende Impulse zum glücklichen Leben. Hier bieten sich z. B. Podcasts an, wie der der Psychologin Stefanie Stahl. Hier gelangt ihr zur Folge „Innere Zufriedenheit und Glück finden“.

1Ryan Holiday, Stephen Hanselman: Der tägliche Stoiker. 366 nachdenkliche Betrachtungen über Weisheit, Beharrlichkeit und Lebensstil. Übers. v. Elisabeth u. Thomas Gilbert. FinanzBuch München 2017

Das Philosophieren über Glück lädt euch und eure Lernenden dazu ein, sich selbst und ihr Leben bewusster wahrzunehmen. Es zeigt, dass Glück nicht einfach ein Zustand ist, den wir passiv erleben, sondern eine Haltung, die wir aktiv gestalten können. Und es regt an, die kleinen und großen Fragen des Lebens immer wieder neu zu stellen – eine Erfahrung, die auch lange nach der Unterrichtsstunde nachwirken kann.

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Über die Autorin

Laura Garbe

Laura Garbe, 33 Jahre alt und Gymnasiallehrkraft für Werte und Normen/ Englisch in Niedersachsen. Seit 2 Jahren arbeitet sie als Fachberaterin für das Fach Werte und Normen an Grundschulen und der Sekundarstufe 1.

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