„Heureka!“, rief Archimedes einst, während er nackt durch die Straßen von Syrakus lief, um vor Freude allen mitzuteilen: „Ich habe es gefunden!“ Im digitalen Zeitalter gibt es glücklicherweise einfachere Methoden der Leistungsmessung.
Beraten und Bewerten
Klassenarbeiten oder mündliches Abfragen – Leistungsmessungen lassen den Puls auch bei Menschen, die die Schule schon lange verlassen haben, meist rasch in die Höhe schnellen. Fehler sind verboten, Wissenslücken werden peinlich, Blackouts sind keine Seltenheit. Und selbst Lehrkräfte wechseln häufig ungern aus der Rolle der bzw. des Beratenden im Lernprozess in die Rolle der bzw. des Bewertenden. Werte wie Vertrauen und Empathie, die für eine gute Lernbeziehung notwendig sind, zählen in einer Prüfungssituation nicht mehr. Didaktiker:innen wie Josef Leisen raten deshalb dazu, Lern- und Leistungsüberprüfungssituationen voneinander zu trennen.[1] In der (analogen) Praxis ist eine solche Trennung nur schwer möglich, ist doch die Lehrkraft in beiden Situationen identisch. Digital kann Leistungsüberprüfung allerdings „ausgelagert“ werden, indem die Bewertung gewissermaßen von „außen“ kommt. Das ist für das Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden vorteilhaft.
[1] Josef Leisen, Dietmar Höttecke: Leistungsmessung und Schülerbeurteilung. In: Physikdidaktik kompakt. Aulis Verlag 2011.
Geschlossene und offene Fragen
Häufig wird der digitalen Leistungsmessung unterstellt, sie liefere ausschließlich banale Ergebnisse auf geschlossene Fragen. Geschlossene Fragen sind Fragen, auf die es mindestens eine richtige Antwort gibt, die aus mehreren (falschen) Alternativen ausgewählt werden muss. Auf geschlossene Fragen zu antworten ist also wie Puzzleteile einzusetzen. Ihre digitale Umsetzung ist einfach, genauso wie die Auswertung. Banal müssen sie jedoch nicht sein. Im Gegenteil: Wenn etwa komplexe Antworten bereitgestellt werden, können damit gezielt einzelne (Teil-)Kompetenzen für das Verstehen eines Textes trainiert und überprüft werden – im Sinne eines Diagnose-Instruments.

Antworten auf geschlossene Fragen ist wie Puzzleteile einsetzen.
Antworten auf offene Fragen können nicht vorgegeben werden. Soll der Inhalt eines Textes beispielsweise zusammengefasst werden, so gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten, wie dies erfolgreich erledigt werden kann. Auf offene Aufgaben zu antworten gleicht also dem eigenen Malen von Bildern. Um diese individuellen Lösungen gerecht zu bewerten, müssen Erwartungshorizonte mit bestimmten Kriterien zuvor definiert werden. Im einfachsten Fall sind dies Begriffe, die in der Lösung vorkommen müssen (z.B. bei einer Beschreibung). Solche Verfahren lassen sich digital umsetzen, beispielsweise im Modul Essay bei h5p. Hier werden vorab Schlüsselwörter bestimmt, nach denen der Antworttext durchsucht wird. Fehlt solch ein Schlüsselwort, wird automatisch nachgefragt.
Bei komplexeren Lösungsmöglichkeiten muss der gesamte Erwartungshorizont zum Einsatz kommen. Hier benötigt es (noch) menschliches Bewertungsvermögen. Wenn digital korrigiert wird, kann gemeinsam an einem Text gearbeitet werden. Wenn etwa Lernende korrigieren und die Lösung eines Mitschülers bzw. einer Mitschülerin kommentieren (Peer-Review), kann die Lehrkraft den Prozess im Blick behalten und gegebenenfalls eingreifen.

Antworten auf offene Aufgaben ist wie Bilder selbst malen.
Digitale Instrumente
In digitalen Tests können grundsätzlich ganz unterschiedliche Aufgabentypen eingesetzt werden: Multiple Choice-Fragen, Zuordnungsaufgaben oder Lückentexte wären hier gängige Beispiele. Welche Aufgabentypen zur Verfügung stehen, entscheidet sich nach der Lernplattform bzw. dem Lernmedium, welche(s) verwendet wird. Die Lernplattformen Kahoot! oder Moodle bieten beispielsweise kostenlose Angebote, mit denen Wissen getestet werden kann. Ebenso können mit der bereits erwähnten Software h5p ganz leicht selbst interaktive Inhalte erstellt werden. Auch gibt es schon für viele Fächer bereits vorgefertigte digitale Aufgaben zum Üben und Testen in den eBooks und eCourses des Ernst Klett Verlags.
Digitale Leistungsmessung kann somit als Diagnoseinstrument dienen, mit dem nicht nur banale Sachverhalte und Zusammenhänge erfragt werden können. Die Trennung von Lern- und Prüfungssituation kann sich positiv auf das Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden auswirken. Der Aufwand für die Lehrkraft hängt hier stark von dem verwendeten Lernmedium und den eingesetzten Aufgabentypen ab – das Angebot an digitalen Instrumenten ist grundsätzlich aber bereits vielfältig und wächst stetig.


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