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Digitale Medien im Ethikunterricht – Teil 3: Lesestrategien und Leseziele

Digitale Lesekompetenz ist eine Schlüsselkompetenz bei der Arbeit mit neuen Medien. Von den Erkenntnissen über das Lesen vernetzter digitaler Texte profitiert aber auch die analoge Textarbeit.ale Lesekompetenz ist eine Schlüsselkompetenz bei der Arbeit mit neuen Medien. Von den Erkenntnissen über das Lesen vernetzter digitaler Texte profitiert aber auch die analoge Textarbeit.

Unterschiedliche Verstehensziele, verschiedene Lesestrategien

Eine wichtige Erkenntnis aus der Untersuchung des digitalen Lesens ist, dass ein Text nicht immer in seiner Gänze verstanden werden muss. Bei analogen Texten gilt als Ziel – überspitzt formuliert – immer noch „ganz oder gar nicht“: Die Lesenden sollen den Text im Ganzen und auf allen Ebenen verstehen. Dass das der Wirklichkeit nicht standhält, weiß jeder Praktiker und jede Praktikerin.
Auf einer Website hingegen muss nicht alles komplett verstanden werden. Je nach Leseintention reicht als Verständnis im einfachsten Fall die Antwort auf die Frage: Bringt mir dieser Text etwas? Weitere Verstehensziele werden mit anderen Lesestrategien erreicht. Hier unterscheidet man insgesamt drei:

Überblick verschaffen

1) Einen groben Überblick über das Thema, eine erste Orientierung erhält man schon durch die Überschriften, oder wenn man prüft, aus welcher Quelle der Text stammt, oder wenn man einzelne Passagen anliest (Skimming).

Ausschau nach spezifischen Inhalten halten

2) Ist das Interesse auf mehr gerichtet, z. B. auf einzelne Fakten zu einem Thema, wird danach in einem zweiten Schritt gezielt Ausschau gehalten (Scanning).

Genaues Lesen um zu verstehen

3) Die Gesamtaussage des Textes zu verstehen, erfordert dann schließlich das genaue Lesen jedes einzelnen Satzes, oft auch mehrmals (Reading for detail, Deep Reading) wie bei einem analogen Text.

Abbildung: Unterschiedliche Ziele des Verstehens und unterschiedliche Lesetechniken

Abbildung: Unterschiedliche Ziele des Verstehens und unterschiedliche Lesetechniken

Reading for detail, Deep Reading

Als Unterstützung für die ersten beiden Lesestrategien bieten sich das Markieren und Strukturieren an (siehe Teil 2 „Texte verstehen“). Aber auch bei der Herstellung eines tieferen Verständnisses (Lesestrategie 3) kann eine digitale Version des Textes unterstützen.

  • Wenn er beispielsweise in Abschnitten und ungeordnet angeboten wird, kann mit der Aufgabe „Bringe die ungeordneten Textteile in eine sinnvolle Reihenfolge“ der Gedankengang des Autors bzw. der Autorin erschlossen werden.
  • Bei Texten mit schwierigem Vokabular und komplexem Satzbau können die verschlungenen Satzkonstruktionen beispielsweise durch einfachere ersetzt werden (Methode Dolmetschen). Dazu wird der schwierige Ausgangstext satzweise in die linke Spalte einer Tabelle gesetzt, die einfachen Übersetzungen dann in die entsprechende Zeile der Tabelle in der rechten Spalte.
Originaltext„gedolmetschter“ Text
Alles hat entweder einen Preis, oder eine Würde.Alles hat entweder einen Preis, oder eine Würde.
Was einen Preis hat, an dessen Stelle kann auch etwas anderes als Äquivalent gesetzt werden:Was einen Preis hat, kann durch etwas Gleichwertiges ersetzt werden [weil es durch den Preis berechenbar ist].
was dagegen über allen Preis erhaben ist, mithin kein Äquivalent verstattet, das hat Würde.Was nicht durch Gleichwertiges ersetzt werden kann [weil es nicht berechenbar ist], hat Würde.

Quelle: Immanuel Kant – Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Hamburg: Meiner, S. 61-68.

  • Was ebenfalls gute Ergebnisse bringt, ist das Einfügen von Hyperlinks. Hyperlinks können beispielsweise Worterklärungen anbieten oder Verweise auf weitere Informationen im Internet geben. Der Vorteil der digitalen Vorgehensweise: Der Ursprungstext bleibt lesbar, die Einfügungen übersichtlich. Das gilt auch für Anmerkungen, die über die Kommentarfunktion eingefügt werden.
  • Die grafische Darstellung des Textinhaltes (z. B. durch Vorgabe einer Tabelle oder einzelner Textfelder bis hin zur Wortwolke eröffnet neue Dimensionen und damit neue Verstehenshorizonte. Lernende, die weniger analytisch mit Texten arbeiten wollen, werden dadurch auf ihrem Weg unterstützt.

Textverständnis überprüfen

In der analogen Welt kann das Textverständnis durch Aufgaben nach dem Muster „Fasse den Inhalt des Textes (in deinen eigenen Worten/für deine Freundin/als Lexikoneintrag) zusammen“ geprüft werden. In der digitalen Welt sind auch schnelle, automatisierte Rückmeldungen möglich. So können die Lernenden beispielsweise ihr Textverständnis überprüfen, indem ihnen etwa verschiedene Alternativen zur Auswahl gestellt werden mit dem Auftrag „Entscheide, welche Zusammenfassung des Textes seine Aussage am besten wiedergibt.“ Zwar kann damit nicht die Fähigkeit, selbstständig zu formulieren, eingeübt werden – Texte genau prüfen zu können, scheint als zu trainierende Kompetenz angesichts der Anforderungen des Internets aber zunehmend an Bedeutung zu gewinnen.

Die folgende Übersicht bietet euch Bespiele für analoge und digitale Aufgaben für die unterschiedlichen Lesetechniken.

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Über die Autorin

Eva Müller

2 Kommentare

  1. Birgit Dohmen 2. April 2022 um 11:16 Uhr - Antworten

    Tatsächlich ist es mit digitalen Texten einfacher, unterschiedliche Arbeitsschritte nacheinander abzuarbeiten. Auch das „teilen“ eigener Markierungen mit anderen Partnern einer Gruppe ist weniger schwierig und – da man nicht permanent kopieren muss – wesentlich nachhaltiger. SchülerInnen sind in der Lage, sich zu gemeinsamem Arbeiten von zu Hause aus zusammenzufinden. Damit werden intensive Gruppenarbeitsphasen im außerunterrichtlichen Bereich wesentlich komfortabler. Im Unterricht können die Arbeitsergebnisse auf einfache Weise allen zugänglich gemacht und erkäuteert werden. Man kann die unbeteiligten MitschülerInnen in den Prozess der Erarbeitung einbeziehen, indem man die Textbearbeitung der unterschiedlichen Arbeitsschritte am Smartboard sichtbar macht. Dafür muss man keine zusätzliche Arbeit mehr investieren und es findet auch keine nur am Energebnis orientierte Information mehr statt. Von diesen Möglichkeiten profitieren die SchülerInnen enorm.

  2. eva 2. April 2022 um 14:50 Uhr - Antworten

    Vielen Dank für deine Analyse der digitalen Textarbeit! Ich sehe das ganz genauso: Die Schüler:innen profitieren sehr, der Unterricht wird insgesamt transparenter und es entsteht eine gute Arbeitsatmosphäre.
    Manchmal wird die Befürchtung geäußert, digitales Arbeiten sei zeitaufwändiger. Wie siehst du das?
    Ich möchte dich noch auf folgende Seite hinweisen: https://reli-ethik-blog.de/digitale-medien-im-ethikunterricht-mit-gewinnspiel/ Wenn du hier einen Kommentar abgibst, kannst du sogar noch etwas gewinnen.

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