Ein digitales „Antwort-System“ im Klassenzimmer? Da schütteln viele Lehrkräfte zuerst einmal den Kopf. Wagt man einen zweiten Blick, lassen sich aber einige didaktische Vorteile eines Classroom Response Systems (CRS) erkennen.
Partizipation mit einem Classroom Response System: Alle zu Wort kommen lassen!
Man könne doch mit den Schülerinnen und Schüler direkt sprechen, so der meistgehörte Einwand, da brauche es kein digitales Hilfsmittel wie ein Classroom Response System (CRS), um die Meinung der Lernenden einzuholen. Sicher kann man mit Schülerinnen und Schülern direkt sprechen, aber antworten können immer nur einzelne und wenige. Wenn nämlich in einer Gruppe von 25 Lernenden jede und jeder zweimal in der Unterrichtsstunde einen Redebeitrag von einer Minute hält, dann ist so eine Unterrichtsstunde schnell vorbei.
Heterogenität: Die Aufmerksamkeit der Zuhörenden sichern!
Mit digitalen Umfrage-Tools ermöglicht man nicht nur mehr Schülerinnen und Schülern die aktive Teilnahme am Unterricht, sondern auch anderen. Bei verschiedenen Antwortmöglichkeiten das richtige Knöpfchen auszuwählen und zu drücken, ermuntert nicht nur die Lernenden, die sich selbstbewusst bei jeder Frage exzessiv melden. Mit CRS werden auch eher schüchterne Schülerinnen und Schüler angesprochen, die sich nicht blamieren wollen. Zudem bleiben Zuhörende, deren Aufmerksamkeitsspanne eher gering ist, durch den Methodenwechsel eher bei der Sache.
Organisation: Den Unterricht kooperativ steuern!
Auf der anderen Seite kann die Lehrkraft ein CRS nutzen, um banale, aber wichtige Informationen in Echtzeit einzuholen: Seid ihr fertig? Spreche ich zu schnell? Habt ihr xy verstanden?
Bei solchen mündlich gestellten Fragen an die gesamte Klasse erhält man oft keine Antwort, da die Schülerinnen und Schüler häufig nicht für alle sprechen können oder wollen. Bei der digitalen Abfrage aller Meinungen aber erhält die Lehrkraft schnell und anonym ein realistisches Feedback. Bei vielen Systemen kann das sogar initiativ von den Lernenden gestartet werden: Sie bleiben nicht länger passive Rezipierende, sondern können Tweedback über einen Panik-Button geben und damit zum Beispiel diskret signalisieren, dass die vortragende Person zu leise spricht.
Wissensvermittlung: Die Aktivität der Lernenden unterstützen!
Die überwiegenden Situationen, in denen ein CRS eingesetzt wird, sind Situationen im Lernprozess, in denen überprüft werden kann, ob das soeben Gehörte verstanden wurde – entweder als bloße Reproduktion oder indem das Gelernte angewendet oder vertieft wird. In Kombination mit Peer Instruktion ergibt sich eine Methode, die nachgewiesener Maßen den Lernerfolg steigert (vgl. Kaleta/Joosten 2007).In einem ersten Durchlauf mit CRS antwortet jede Schülerin und jeder Schüler individuell auf eine Frage. Anschließend bilden sie Gruppen, diskutieren die unterschiedlichen Lösungen und geben am Ende pro Gruppe eine einzige Lösung ab, die dann in der gesamten Klasse diskutiert wird. Sinnvollerweise eignet sich dieses Verfahren, wenn die Erfolgsquote der richtigen Antworten beim ersten Durchlauf 30 bis 70 Prozent beträgt. Weniger als 30 Prozent legt nahe, dass die Frage für die meisten zu schwer war und ein erneuter inhaltlicher Input erfolgen muss. Über 70 Prozent lässt auf das Gegenteil schließen: In diesem Fall erübrigt sich die Phase der Peer-Instruktion und die wenigen Unklarheiten werden im Plenum zeitsparend geklärt.
Fragetypen: Klare Fragen stellen!
Für die Wissens- oder Informationsvermittlung reichen einfache Fragetypen (wie Entscheidungsfragen, Single-Choice-Fragen, Multiple-Choice-Fragen oder offene Fragen mit frei formulierten Textantworten) aus. Die Frage sollte sehr klar formuliert sein, denn sie muss innerhalb kurzer Zeit verstanden werden können. Das gilt selbstverständlich auch für Antwortalternativen, die zudem plausibel sein sollten und Aufschluss darüber geben sollten, ob und auf welchem Niveau der Sachverhalt verstanden wurde. Bei manchen Systemen lassen sich Stimmungen oder Meinungen ganz besonders attraktiv mit einer Wortwolke einfangen. Hier wird nach Schlagwörtern gefragt, die im Ergebnis entsprechend der Häufigkeit ihrer Nennung in Form einer Wolke unterschiedlich groß dargestellt werden.
Classroom Response Systeme: Welches soll ich nehmen?
Classroom Response Systeme gibt es inzwischen sehr viele. Deshalb soll hier auf eine Zusammenstellung der Universität Halle verwiesen werden. Das Tool eurer Wahl sollte sich an den Verhältnissen an eurer Schule orientieren: Welche technischen Voraussetzungen gibt es dort? Ist vielleicht schon ein CRS eingeführt? Arbeitet ihr mit einer Lernplattform wie Moodle? Hier könnt ihr z. B. bei einer Webkonferenz über Big Blue Button Umfragen starten oder Feedback im Kursraum anlegen.
Auch bei CRS zahlt sich Zusammenarbeit aus. Entwickelt doch zum Beispiel einen gemeinsamen Fragepool, auf den alle Kolleginnen und Kollegen zugreifen können. Oder habt ihr das bereits? Super! Teilt eure Erfahrungen gerne mit uns!


Hinterlasse einen Kommentar