Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

Fußball-WM 2026 – Werte, Vorbilder und Verantwortung

Die diesjährige Fußball-WM der Männer in Nordamerika ist aufgrund der Erweiterung auf 48 Mannschaften das größte Turnier der Fußballgeschichte – erwartet wird, dass der bisherige Rekord von über 3,5 Millionen Zuschauenden deutlich übertroffen wird.

Fußball-WM: Teilnahme oder Boykott?

Die USA, eins der drei Gastgeberländer, stehen in der Kritik – insbesondere Donald Trumps autokratische Regierung, die von Menschenrechtsverletzungen und Diskriminierungen geprägt ist, z.B. seine repressive Einwanderungspolitik. Auch wird befürchtet, dass für die Sicherheit der Akteure nicht hinreichend gesorgt werden wird. Minky Worden, Direktorin bei der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), sagt dazu: „Momentan sieht es eher danach aus, dass das Turnier eine potenzielle Menschenrechtskatastrophe wird.“1

Auf der Fifa-Homepage heißt es: „Der Fußball ist für alle da. Wir sind fest entschlossen, alle Menschenrechte zu schützen und zu fördern sowie alle Formen von Diskriminierung auf allen Stufen zu bekämpfen.“2 Viele Fans empfinden diese Aussage allerdings im Zuge der vielseitigen Diskriminierungen als leere Floskel, da z. B. von der US-Regierung strenge Einreisebeschränkungen für die WM erlassen wurden, wodurch auch Fans von qualifizierten Nationalteams (Senegal, Iran, Haiti, Elfenbeinküste) betroffen sind. Auch LGBTIQ-Fans sehen sich aufgrund von Dekreten der US-Regierung gegen trans Personen in Gefahr und wollen zum Teil nicht sichtbar auftreten.3

Bereits die WM in Katar 2022 galt u. a. wegen Menschenrechtsverletzungen als sehr umstritten. Die Entscheidung, trotz ethischer Bedenken zu einer Fußball-WM zu reisen oder die Spiele im Fernsehen zu verfolgen, ist ein klassisches Dilemma – es entsteht gegebenenfalls ein Konflikt zwischen Leidenschaft und moralischen Werten. Mithilfe der KV „Fußball-WM 2026 – Teilhabe oder Boykott?“ könnt ihr mit euren Lernenden eine Podiumsdiskussion zum Thema durchführen. Pro-Teilhabe- und Pro-Boykott-Argumente findet ihr dazu auf der KV „Fußball-WM 2026 – Teilhabe oder Boykott? – Lösung“.

Fußballstars als Vorbilder

Auf der anderen Seite können vielfältige positive Aspekte des Fußballs genannt werden, z. B. Fair Play, Steigerung von Teamfähigkeit und Solidarität, Regelakzeptanz, Förderung von charakterlich wichtigen Werten wie Zielstrebigkeit und Verantwortungsbewusstsein. So heißt es im Ethik-Kodex des DFB: „Im Sport existieren keine Grenzen, der Fußball ist offen für alle. Er bietet den Menschen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft Chancengleichheit, gesellschaftliche Teilhabe und Anerkennung.“4 Zahlreiche Vorbilder von Kindern und Jugendlichen stammen aus dem Sportbereich, insbesondere aus dem Fußball. Setzt euch mit euren Lernenden mit der Vorbildfunktion von Fußballspielern und Fußballspielerinnen auseinander. Können sie auch Anti-Vorbilder sein? Dazu steht euch die KV „Vorbild oder Anti-Vorbild?“ kostenlos zur Verfügung. Lösungsvorschläge dazu gibt’s auf der Lösung-KV.

Die Fußball-WM 2026 zeigt sowohl die positiven als auch die negativen Seiten des Fußballs. Einerseits vermittelt der Sport Werte, andererseits stehen politische Probleme, Diskriminierung und Menschenrechtsverletzungen im Widerspruch zu den offiziell vertretenen Werten der FIFA und des DFB. Mögen eure Lernenden von den Vorbildern profitieren und sich die im Fußballbereich Verantwortlichen ihrer Verantwortung bewusst sein.

1 Aus: Human Rights Watch sieht in Fußball-WM »potenzielle Menschenrechtskatastrophe«. (11.05.2026) Unter www.spiegel.de (Zugriff 02.06.2026, gek.)
2 Football Unites the World: Unite for Inclusion. Unter inside.fifa.com (Zugriff 02.06.2026, gek.)
3 www.amnesty.de, www.queer.de
4 Ethik-Kodex des DFB. (30.09.2022) Unter www.dfb.de (Zugriff 02.06.2026, gek.)

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Über die Autorin

Dr. Christina Lange

Dr. Christina Lange studierte zunächst evangelische Theologie mit dem Ziel, Pastorin zu werden und schloss dann ein Lehramtsstudium an (Fächer evangelische Religion, Deutsch, Musik). Sie unterrichtete in Fulda und Berlin sowie seit 2005 an einem Bremer Gymnasium. In ihrer Promotion befasste sie sich mit der Fragestellung, wie Dietrich Bonhoeffer im Religionsunterricht behandelt werden kann.

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