Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

Frauenpower im Ethik- und Philosophieunterricht

Wenn man in die Philosophiegeschichte schaut, findet man dort zunächst einmal überwiegend Männer: von Aristoteles über Kant zu Habermas. Der Weltfrauentag am 8. März ist eine gute Gelegenheit, den Blick zu weiten, um auch interessante Philosophinnen zu entdecken.

Frauen in der Philosophiegeschichte

Wenn ihr eure Lernenden fragt, welche Philosophen sie kennen, werden sie vermutlich über alle Epochen und Bereiche hinweg vor allem Männer aufzählen: Platon, Machiavelli, Kant, Nietzsche, Adorno… Fragt ihr dagegen nach Philosophinnen, wird das Ergebnis sich wahrscheinlich auf wenige Beispiele, wie vielleicht Hildegard von Bingen oder Hannah Arendt beschränken.

Doch woran liegt das? Auf den ersten Blick denkt man vielleicht, dass Frauen über die Jahrhunderte hinweg von den Wissenschaften ferngehalten wurden und daher keine Gelegenheit hatten, sich mit Philosophie zu beschäftigen.

Doch diese Vermutung greift zu kurz: Es gab trotz dieser Beschränkungen immer Frauen, die sich mit den unterschiedlichsten Disziplinen der Philosophie beschäftigt haben. Ihre Schriften sind nachzulesen, ihre Ideen können aus anderen Quellen erschlossen und ihre Beteiligung am öffentlichen Diskurs kann nachvollzogen werden. Daher fing schon an diesem Punkt die Missachtung der Philosophinnen an, indem ihr Anteil an der Entwicklung von Theorien und ihr Einfluss auf nachfolgende Denker und Forscher nicht wahrgenommen oder als unwichtig dargestellt wurde. So wurde die Philosophiegeschichte weitgehend vom Bild männlicher Gelehrter bestimmt und erst langsam beginnt sich dieses Bild zu ändern.

Ideen zum Entdecken von Philosophinnen im Unterricht

  • Lasst eure Lernenden wie oben beschrieben Beispiele für Philosophen und Philosophinnen sammeln.
  • Diskutiert mit ihnen in der Gruppe, warum sie auf viel weniger weibliche als männliche Beispiele kommen.
  • Lasst die Lernenden in Kleingruppen arbeitsteilig das Interview mit Professorin Ruth Hagengruber oder die Darstellung von Cathrine Newmark lesen. Die Gruppen arbeiten jeweils heraus, welche Gründe in den Texten für die geringe Sichtbarkeit von Philosophinnen genannt werden.
  • Vergleicht die Ergebnisse in der Lerngruppe. Fragt die Lernenden nach Ergänzungen zu den Gründen, die nicht in den Texten stehen.
  • Überlegt gemeinsam mit den Lernenden, wie man die Akzeptanz und Sichtbarkeit von Philosophinnen erhöhen könnte.
  • Zusatzaufgabe: Die Lernenden recherchieren nach Philosophinnen und wählen eine aus, die sie besonders interessiert. Mithilfe eines Steckbriefs stellen sie diese der Lerngruppe vor.

Tipp: Wenn ihr das Thema nicht nur am Weltfrauentag aufgreifen, sondern mehr Philosophinnen in euren regulären Philosophieunterricht einbinden wollt, findet ihr im neuen Leben leben für die Oberstufe zahlreiche weitere Möglichkeiten mit Beispielen von Martha Nussbaum, Sally Haslanger oder Judith Butler.

Philosophinnen sichtbar zu machen, ist eine Aufgabe nicht nur für den Weltfrauentag. Aber dieser ist eine gute Gelegenheit, den Anfang zu machen und sich dem Thema auch weiterhin anzunehmen.

Produktempfehlungen

7 Personen haben sich für diesen Beitrag bedankt.
Danke!

Über die Autorin

Inga Piel

Ich bin Gruppenleiterin für den Bereich Religion/Ethik im Ernst Klett Verlag. Studiert habe ich Deutsch und Philosophie SII/SI auf Lehramt. Nach dem Staatsexamen und dem Referendariat habe ich zuerst drei Jahre als Lehrkraft an einem Gymnasium und einer Realschule unterrichtet, bevor ich dann durch einen Zufall auf ein Stellenangebot eines Verlages stieß. Ich wollte unbedingt etwas Neues ausprobieren, bin in die Verlagsbranche gewechselt und dort „hängengeblieben“. Denn es macht mir ebenso viel Spaß, gute Schulbücher herzustellen wie sie zu benutzen.

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und verstanden.

Nach oben