Durch ihre Texte und ihr aktivistisches Engagement für Trans-Rechte ist Elizabeth Duval eine bekannte Persönlichkeit in Spanien geworden. Im August feiert die Autorin ihren 24. Geburtstag.
Lange Zeit war das Geschlecht eine recht klar definierte Kategorie, die mit bestimmten Rollen und Identitätsbeschreibungen einherging. Heute wird die binäre Unterscheidung von Mann und Frau häufiger in Frage gestellt. So gibt es immer mehr Menschen, die sich als trans oder nicht-binär identifizieren. Die Forderung nach einer gerechteren Gesetzgebung für queere Menschen wurde in den letzten Jahren immer lauter und führte in einigen Staaten zu einer Überarbeitung der bestehenden Gesetze. Im Februar 2023 verabschiedete das spanische Parlament verschiedene Gesetze, wodurch eine freie Geschlechtswahl ab 16 Jahren möglich ist. Auch in Deutschland tritt im November diesen Jahres das Selbstbestimmungsgesetz in Kraft, welches ebenfalls einen erleichterten selbstbestimmten Geschlechtseintrag vorsieht. Auch die Autorin und Aktivisten Elizabeth Duval setzte sich schon früh für das spanische Trans-Gesetz ein, ohne dabei die Bedeutung eines binären Geschlechtersystems für die Gesellschaft zu verkennen. Ihr Fokus liegt dabei weniger auf der Kategorisierung von Geschlechtsidentitäten selbst als vielmehr in deren politischen und gesellschaftlichen Integration.
Elizabeth Duval: Eine vom Aktivismus geprägte Jugend
Elizabeth Duval wurde am 25. August 2000 in Alcalá de Henares, eine Stadt bei Madrid, geboren. Als trans* Frau engagierte sich bereits mit 14 Jahren für die Trans-Rechte und gilt bis heute als einflussrieche Intellektuelle in der Öffentlichkeit Spaniens. Sie studierte Philosophie und Französisch an der Pariser Sorbonne und lebte in Paris und Madrid. Regelmäßig schreibt sie über politische und kulturelle Themen in den spanischen Tageszeitungen und ist darüber hinaus auch als Schriftstellerin tätig. In Spanien veröffentlichte sie die beiden Romane „Reina“ und „Madrid será la tumba“.
Geschlecht als gesellschaftliches Strukturelement
In ihren Ansätzen interessiert sich Elizabeth Duval vor allem für die soziale Konstruktion von Geschlechtersystemen und deren Bedeutung für die eigene Identität. In ihrem Essay „Depués de lo trans. Sexo y género entre la izquierda y lo indentitario“ (dt.: „Nach Trans. Sex, Gender und die Linke“; erschienen 2021) versucht sie diese Ordnungsstrukturen zu analysieren und hinterfragt dabei sowohl deren Grenzen als auch deren Wandelbarkeit. Dabei geht es ihr auch um die Möglichkeit der Integration von queeren Personen in ein System, welches sich primär durch eine binäre Struktur auszeichnet. Für die spanische Philosophin stellt das Geschlecht eine elementare Kategorie innerhalb von Gesellschaften dar, die einem stetigen kulturellen Wandel unterliegt. Einen radikalen Konstruktivismus, demzufolge alles sozial bestimmt wäre, lehnt Duval allerdings ab. Ihr zufolge gibt es gewisse biologische Voraussetzungen, durch die die soziale Bestimmung des Geschlechts beeinflusst wird. Beide Aspekte wirkten sich auf die Wahl der eigenen Geschlechtsidentität aus, wobei es sich an dieser Stelle um keinen bewussten Prozess handelte. Die Empfänglichkeit sei keine Angelegenheit der Selbstbestimmung, sondern ließe sich vielmehr als eine immanente Notwendigkeit beschreiben, die nicht geleugnet werden darf.
Dies bedeute allerdings nicht, dass die binäre Struktur von Mann und Frau aufgehoben werden müsse. Vielmehr müsse deren sozialer Geltungsbereich erweitert werden, um dadurch mehr Menschen mit unterschiedlichen Geschlechtsidentitäten zu inkludieren. In diesem Sinne stelle auch der Begriff „trans*“ keine eigene Identifikationskategorie dar, sondern muss als eine Art Modifikation der bestehenden Geschlechterkategorien verstanden werden. Hinsichtlich seiner sprachlichen Funktion ist der Begriff „trans*“ daher eher als Adjektiv zu verstehen, wodurch die bestehende binäre Strukturierung erweitert wird, ohne dadurch aufgegeben zu werden. Dieser Wandel kann Duval zufolge jedoch nicht nur durch Änderungen in der Gesetzgebung erreicht werden, sondern bezieht sich vor allem auf die soziale Wahrnehmung von Geschlecht. Die Politik sollte sich daher weniger in den theoretischen Kategorisierungen von Geschlechtern verlieren und wieder mehr die ökomischen und sozialen Probleme in den Blick nehmen.
In ihren Texten versucht Elizabeth Duval sich dem Thema Geschlecht aus einer möglichst theoretischen und objektiven Perspektive zu nähern, um so die notwendige Distanz zu bewahren. Ihre Beiträge sind beispielhaft für einen respektvollen und offenen Austausch über ein intimes Thema, welches zugleich von großer Bedeutung für das Bestehen und Weiterentwickeln gesellschaftlicher Strukturen ist.


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