Reli-Ethik-Blog
Religion, Ethik und Philosophie bei Klett

Philosoph des Monats: Diogenes von Sinope

Allzu oft wird in unserer schnelllebigen Welt, die verspricht, dass hinter jeder Ecke ein neues Abenteuer wartet, vergessen, was die wesentlichen Werte sind, die einem Menschen zum Glück verhelfen. Als Bereicherung für den Ethik- und Philosophieunterricht kann in diesen Zusammenhang der griechische Philosoph Diogenes von Sinope vorgestellt werden. Er hat ein Leben gelebt, welches sich nach dem antiken Zynismus richtete.

Diogenes von Sinope: Auflehnung als Lebenszweck

Diogenes wurde in Sinope, an der Schwarzmeerküste, in eine wohlhabende Familie hineingeboren. Sein Vater war für die Stadt tätig und verdiente genug Geld, um der Familie ein annehmliches Leben zu ermöglichen. Die Quellen besagen, dass Diogenes in seiner Jugend, vermutlich wegen Betrügereien, verbannt wurde und gezwungen war, die Stadt zu verlassen. Er entwickelte sich zu einem „Kyniker“: Deren Lebensweise beruhte auf Bedürfnislosigkeit und ihre Anhänger stellten sich gezielt gegen gesellschaftliche Normen. Er lebte in einer Tonne, bettelte und verhielt sich nicht den gesellschaftlichen Standards entsprechend. Er verschenkte nicht nur sein Geschirr, nachdem er Kinder aus den Händen trinken sah, sondern wies auch Alexander den Großen mit den Worten: „Geh mir nur aus der Sonne“ zurück, als dieser ihm anbot, jeden seiner Wünsche zu erfüllen.

Wirklich frei ist nur der, der sich von allem befreit

Im Nichtstun und Sich-nichts-und-niemandem-anpassen, sah Diogenes einen philosophischen Akt. Doch welche Texte bringen uns seine Intelligenz und Belesenheit näher und zeigen, dass seine Philosophie nicht nur daraus bestand, in der Sonne zu liegen? Der Philosophiehistoriker Diogenes Laertios berichtet von Briefen, Gedichten und Tragödien, die von dem Griechen angefertigt worden sein sollen. Fakt ist leider, dass nichts Schriftliches überliefert wurde und sich unser Bild von Diogenes aus zahlreichen mündlich weitergetragenen Anekdoten bildet. Aristoteles erwähnt den Philosophen einmalig und auch hier wird deutlich, dass es seine außergewöhnliche Lebensweise und nicht seine philosophischen Texte sind, die ihn heute weiterleben lassen. Dennoch können wir viel von ihm lernen, denn selbst wenn wir nicht den radikalsten Weg des Verzichts wählen, wie der Philosoph es getan hat, kann es manchmal schon gewinnbringend sein, sich zu fragen, ob es Konsum und Besitz sind, die uns glücklich machen oder es letztlich doch Dinge wie Familie, Freunde und das Miteinander sind, die zählen.

Diogenes mag eine kontroverse Figur sein, die uns aber im Alltag und im Unterrichtsgeschehen der Frage näherbringen kann: Was sind Glück und der Sinn des Lebens? Wenn ein Mensch auf die Art, wie Diogenes gelebt hat, glücklich sein kann, dann sollte uns das auch mit weniger Materiellem und mehr Ideellem gelingen.

Kostenlos zum Download

56 Personen haben sich für diesen Beitrag bedankt.

Über die Autorin

Lara Bechem

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und verstanden.

Nach oben