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Philosoph des Monats: Jason Stanley

Seine Texte zu Faschismus und Propaganda gewinnen aktuell immer mehr an Bedeutung. In diesem Monat feiert der Philosoph Jason Stanley seinen 55. Geburtstag.

Der Rechtsdruck innerhalb von Deutschland und Europa ist immer deutlicher zu spüren. Die letzten Wahlergebnisse, zum Beispiel bei den Wahlen zum Europäischen Parlament, in Österreich oder in Thüringen haben erneut verdeutlicht, dass Rechtspopulismus eine ernstzunehmende Gefahr in der heutigen Zeit darstellt. Die Frage, was gegen solche Tendenzen getan werden kann, drängt sich immer mehr auf. Dabei ist es hilfreich, die dahinterliegenden Mechanismen erst einmal zu verstehen, um diesen besser entgegenwirken zu können. Der Philosoph Jason Stanley beschäftigt sich intensiv mit den Strategien und Strukturen faschistischer Regierungen und veranschaulicht in seinen Texten, mit welchen Methoden diese ihre Macht immer mehr ausbauen konnten.

Jason Stanley: Frühe Berührungspunkt mit dem Thema Faschismus

Jason Stanley wurde am 12. Oktober 1969 in Syracuse in New York geboren. Durch seine Familiengeschichte kam er schon früh mit dem Thema Faschismus in Kontakt: Sein Vater, der Soziologe Manfred Stanley, wurde in Berlin geboren, floh jedoch 1939 im Alter von sieben Jahren gemeinsam mit seiner Mutter vor dem Nationalsozialismus in die USA. Stanleys Mutter Mary Breya war eine jüdische Emigrantin aus Polen, deren Familie zum großen Teil während des Holocausts ermordet wurde. Jason Stanley selbst studierte zunächst an der Stony Brook University in New York und später am Massachusetts Institute of Technology, wo er 1995 zum Doktor der Philosophie promovierte. Nach verschiedenen Assistenzprofessuren in New York und Michigan war Stanley neun Jahre als Professor für Philosophie an der Rutgers University tätig. Seit 2013 ist er Professor an der Yale University und lebt mit seiner Familie in Connecticut.

Zehn Strategien von Faschismus

Während seine Forschungsschwerpunkte die Erkenntnis- und Sprachphilosophie sind, beschäftigt sich Jason Stanley in seinen Büchern vorrangig mit dem Thema „Faschismus“. Es geht ihm dabei nicht um eine konkrete Definition des Begriffs „Faschismus“, sondern vielmehr um die Identifizierung bestimmter Merkmale und Strukturen, die sich bei verschiedenen faschistischen Systemen wiederfinden lassen. In seinem Buch „How Fascism Works“ (erschienen 2018) beschreibt Stanley zehn Strategien, die von faschistischen Regierungen als Instrumente zur Mehrung von Macht und Einfluss gebraucht werden. Durch das Ineinandergreifen dieser Taktiken können diese eine ungeheure Kraft entwickeln, wobei es nicht zwingend notwendig ist, dass in einem faschistischen System alle gleichzeitig erfüllt sind.

Eine wichtige Taktik ist Stanley zufolge die Propaganda, bei der undemokratische Absichten von faschistischen Regierungen mit Hilfe von akzeptierten Idealen kaschiert werden. Dabei wird das eigene rechtswidrige Handeln als einzige Möglichkeit dargestellt, wie die jeweiligen Ideale wie Freiheit oder Sicherheit erreicht werden können. Die Folge von Propaganda ist ein permanentes Hinterfragen der Wirklichkeit, was eine weitere Strategie faschistischer Gruppierungen ist. In diesem Zusammenhang spielen Verschwörungstheorien eine wichtige Rolle, durch die selbst rationale Grundlagen angezweifelt werden. Dies birgt die Gefahr, Argumente innerhalb politischer Debatten nicht mehr nach allgemein gültigen Kriterien bewerten zu können, was ein generelles Misstrauen bei den Menschen bewirkt.

Diese Verunsicherung nutzen faschistische Systeme für sich aus, indem sie scheinbar rationale Erklärungen für die schwer definierbaren Emotionen und Ängste der Menschen anbieten, von denen jedoch vor allem die jeweilige Regierung selbst profitiert. Charakteristisch dafür ist eine hierarchische Einteilung der Bevölkerung, ebenfalls eine von Stanley definierte Strategie von Faschismus. Typisch für solche Hierarchisierungen ist es, eine bestimmte gesellschaftliche Gruppierung als Feindbild zu kreieren und sie als Bedrohung für die eigene Gruppe zu definieren. Dafür werden marginalisierten Gruppen zum Beispiel als „faul“ oder „kriminell“ beschrieben, wohingegen die eigenen Traditionen romantisiert werden. Bei der Verbreitung der Ideen spielen vor allem die Medien eine wichtige Rolle, da die faschistischen Systeme diese für sich nutzen, um die eigenen Narrative und Rhetoriken innerhalb der Gesellschaft zu verbreiten. Ein unabhängiger Journalismus ist Stanley zufolge daher von großer Bedeutung für die Bekämpfung faschistischer Propaganda, um falsche Narrative auszudecken und diesen entgegenzuwirken.

Jason Stanley gibt in seinem Werk einen umfangreichen Überblick darüber, welche Strategien von Faschismus und Propaganda es gibt und wie diese zusammenhängen. Die von ihm beschriebenen Merkmale sind auch anwendbar auf heutige politische Konstellationen und helfen dabei, die Strukturen populistischer und faschistischer Systeme besser identifizieren und verstehen zu können.

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Über die Autorin

Miriam Dalege

Ich bin im Ernst Klett Verlag als Werkstudentin in der Redaktion Religion/Ethik tätig und studiere parallel dazu Kommunikationswissenschaft und Philosophie im Master.

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