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Philosoph des Monats: Ludwig Wittgenstein

Er gilt als Hauptbegründer der analytischen Philosophie des 20. Jahrhunderts und beeinflusste die moderne Sprachphilosophie maßgeblich. Im April wäre Ludwig Wittgenstein 133 Jahre alt geworden.

Als einer der Klassiker in der Philosophie ist Ludwig Wittgenstein bis heute vielen Menschen ein Begriff. Seine Theorien sorgten für viel Aufruhr innerhalb der Philosophie und beeinflussten darüber hinaus auch andere Wissenschaftsbereiche. Auch wenn Wittgenstein nicht so sehr zur Pflichtlektüre gehört wie andere Philosoph:innen – es lohnt sich, einen genaueren Blick auf seinen Werdegang und sein sprachphilosophisches Denken zu werfen.

Ludwig Wittgenstein: Vom Maschinenbau zur Philosophie

Ludwig Josef Johann Wittgenstein wurde am 26. April 1889 in Wien geboren und wuchs als Jüngster von acht Kindern in einer wohlhabenden jüdischen Industriellenfamilie auf. Sein Zuhause, das Palais Wittgenstein, war ein kulturelles Zentrum in Wien. Doch während seine Geschwister schon früh zu musizieren und dichten begannen, galt der junge Wittgenstein zunächst als untalentiert. Um seinem Vater zu gefallen, begann er in Berlin Ingenieurswissenschaften zu studieren. Während dieser Zeit kam er das erste Mal mit den Texten des Philosophen Bertrand Russels in Berührung. Er war davon so fasziniert, dass er sich 1912 dazu entschied, Philosophie in Cambridge zu studieren. Sein Studium nahm der junge Wittgenstein so ernst, dass er sich immer mehr in philosophischen Problemen verlor. Aus Angst, verrückt zu werden, unterbrach er seine Hochschulkarriere und meldete sich während des ersten Weltkrieges als Soldat für sein Heimatland Österreich-Ungarn. Nachdem er zwischenzeitlich unter anderem als Volksschullehrer gearbeitet hatte, kehrte Wittgenstein 1929 nach Cambridge zurück und promovierte bei Bertrand Russell und George E. Moore. Im Anschluss daran war er selbst als Professor für Philosophie tätig. Am 29. April 1951 starb Ludwig Wittgenstein an Krebs.

Der frühe und späte Wittgenstein

Wittgenstein gilt heute als Hauptvertreter der analytischen Philosophie des 20. Jahrhunderts, wobei die moderne Sprachphilosophie den Ausgangspunkt seiner Überlegungen darstellt. Ihn beschäftigt vor allem die Frage, welchen Sinn Sprache hat und ob es überhaupt möglich ist, mit Hilfe von Sprache philosophische Probleme zu lösen.

1922 veröffentlicht er seinen berühmten „Tractatus logico-philosophicus“, das erste seiner beiden Hauptwerke. In diesem vertritt er die These, dass die Sprache als Mittel fungiert, um die Wirklichkeit im eigenen Denken zu erfassen. Insofern ist die Sprache ein Abbild von Tatsachen in der Welt. Transzendentale Fragen dagegen lassen sich so nicht beantworten. Wittgenstein schreibt der Sprache vor allem deskriptive Funktion zu, weshalb sich philosophische Konzepte durch Sprache nicht erklären lassen. Mit diesem Ansatz glaubte Wittgenstein lange Zeit, die Grundprobleme der Philosophie grundsätzlich gelöst zu habe.

Im Laufe seines Lebens ändert sich jedoch seine Meinung hinsichtlich der Funktion von Sprache. In seinem zweiten Hauptwerk „Philosophische Untersuchungen“, welches erst zwei Jahre nach seinem Tod veröffentlich wurde, betrachtet Wittgenstein die Sprache als Mittel der praktischen Kommunikation. Der Sinn von Sprache ergibt sich aus ihrem alltäglichen Gebrauch. Bei seinem Ansatz geht es vor allem darum, zu erkennen, wie Sprache funktioniert und wie sie für die Lösung philosophischer Probleme genutzt werden kann. Ziel der Philosophie sei es, fehlerhafte Vorstellungen aufzudecken, die durch den unscharfen Gebrauch der Sprache entstehen. Sprache ergibt schließlich nur einen Sinn in der Umgebung, in der sie gebraucht wird.

Gemeinsam ist beiden Ansätzen, dass für Wittgenstein Philosophieren eine von der Sprache ausgehende Tätigkeit ist, die sich nicht in abstrakten Spekulationen verlieren sollte.

Mit seinem Denken beeinflusst Wittgenstein nicht nur die moderne Logik und Sprachphilosophie, sondern auch andere Bereiche wie die Kultur- und Kommunikationswissenschaft. Gleichzeitig wird an seiner Person deutlich, wie Irrtümer in der Philosophie den Anstoß zu neuen philosophischen Ansätzen geben können.

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Über die Autorin

Miriam Dalege

Ich bin im Ernst Klett Verlag als Werkstudentin in der Redaktion Religion/Ethik tätig und studiere parallel dazu Kommunikationswissenschaft und Philosophie im Master.

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