In seinen Arbeiten interessierte sich John Dewey vor allem für die sozialen Problemen zu seiner Zeit. Die Philosophie wird von ihm dabei als eine empirische Methode beschrieben, mittels derer nach den Ursachen für die gesellschaftlichen Missstände geforscht werden kann, wodurch philosophische Ansätze für die alltägliche Lebenspraxis fruchtbar gemacht werden.
Philosophie als Zweitstudium
John Dewey wurde am 20.Oktober 1859 in Vermont geboren. Nach der High School begann er ein Studium an der Universität von Vermont, bei dem die Studierenden in unterschiedlichen Fächern ausgebildet wurden. Im Anschluss an sein Examen 1879 lehrte Dewey zunächst an einer High School in Pennsylvania, beschäftigte sich gleichzeitig aber zunehmend mit philosophischen Problemen. Nachdem er einen seiner Aufsätze an die Zeitschrift Speculative Philosophy als Leseprobe geschickt hatte, ermutigte dessen Herausgeber William Torrey Harris ihn dazu, sich verstärkt der Philosophie zu widmen. Diesem Rat folgend schrieb Dewey sich im Herbst 1882 an der der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore für das Fach Philosophie ein.
Sein Studium schloss er 1884 mit einer Dissertation über Kants Psychologie ab. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Ann Arbor, bei dem er auch seine Frau Alice Chipman kennenlernte, wurde Dewey 1894 an die Universität in Chicago berufen und übernahm dort den Vorsitz für die Fächer Philosophie, Psychologie und Pädagogik. Sein Forschungsschwerpunkt bestand vor allem darin, die zu diesem Zeitpunkt katastrophalen Lebensbedingungen innerhalb der Stadt zu verbessern. Parallel dazu interessierte sich Dewey vermehrt für das Fach Pädagogik und gründete mit Hilfe von Spenden die Versuchsschule „Laboratory School“. Zuletzt unterrichtete Dewey an der Columbia University, bevor er am 02. Juni 1952 in New York City verstarb.
Primäre Erfahrungen als notwendige Bedingung für sozialen Fortschritt
John Dewey gilt als Mitbegründer des Pragmatismus, wobei der Begriff der Erfahrung von zentraler Bedeutung ist und vorrangig eine experimentelle Funktion übernimmt, mittels derer der Mensch sich seine Umwelt in einem fortlaufenden Prozess erschließen kann. In seinem Buch „Erfahrung und Natur“ (1925) beschreibt er die Erfahrung und die Natur als zusammenhängende Phänomene, die nicht getrennt voneinander betrachtet werden dürfen. Vielmehr bleibt unser weltliches Verständnis auf unsere Wahrnehmungen bezogen, weshalb Dewey die idealistische Annahme absoluter Ideen ablehnt. Gleichzeitig definiert er verschiedenen Erfahrungsprozessen, indem er die primäre Erfahrung der Dinge von deren Systematisierung innerhalb bestehender Bedeutungszusammenhänge unterscheidet. Wie wir die uns umgebende Welt wahrnehmen und verstehen, hängt dabei maßgeblich von den gewohnten Überzeugungen innerhalb einer Gesellschaft ab, die beispielsweise in der Politik, der Ethik oder auch der Wissenschaft vorherrschen. Die Welt ist jedoch von einer andauernden Kontingenz geprägt und kann zu keinem Zeitpunkt vollständig erschlossen werden, wobei die primäre Erfahrung einen Zugang zu den sich verändernden Bedingungen bieten.
Aus diesen permanenten Veränderungen ergibt sich, dass bestehende Überzeugungen immer wieder hinterfragt werden müssen. Daran anschließend entwickelt Dewey leitende Prinzipen für unterschiedliche soziale Bereiche wie Politik oder Erziehung. So skizziert er in seinem Aufsatz „Erfahrung und Erziehung“ (1938) eine Vorstellung von Erziehung, bei der die Notwendigkeit betont wird, sich immer wieder neu mit bestehenden Überzeugungen auseinander zu setzen. Das Erziehungsziel besteht demzufolge weniger in der bloßen Vermittlung eines festgelegten Lernstoffs. Vielmehr sollte die Fähigkeit geschult werden, sich kritisch mit verschiedenen und teilweise auch widersprüchlichen Erfahrungen reflexiv auseinanderzusetzen. Probleme und deren Lösungen ergeben sich dabei vor allem aus dem alltäglichen Miteinander, da sich die jeweiligen Bedeutungszusammenhänge erst durch das gemeinsame Interagieren und Kommunizieren ergeben.
John Dewey verdeutlicht mit seinen Arbeiten, wie wichtig es ist, sowohl für gesellschaftliche als auch für technische Entwicklungen offen zu bleiben, auch wenn diese gewohnten Handlungs- und Deutungsmuster auf den ersten Blick zu widersprechen scheinen.


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